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Lauenburg Feuerwehr rettet Spaziergänger vor Sturmflut
Lokales Lauenburg Feuerwehr rettet Spaziergänger vor Sturmflut
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13:04 29.10.2017
Am Geesthachter Stauwehr war am Sonntag gegen 10.30 Uhr ein Spaziergänger (73) mit seinem Hund von der Sturmflut überrascht worden. Das Wasser lief elbaufwärts und hatte ihm plötzlich alle Wege abgeschnitten.  Quelle: Timo Jann
Geesthacht

Auch, weil umsichtige Helfer Menschen und Tiere aus Notlagen retteten. Wie im Deichvorland am Geesthachter Stauwehr: Dort war am Sonntag gegen 10.30 Uhr ein Spaziergänger (73) mit seinem Hund von der Sturmflut überrascht worden. Das Wasser lief elbaufwärts und hatte ihm plötzlich alle Wege abgeschnitten. Oder am Altengammer Elbdeich, wo eine Kuhherde aus den Fluten gerettet werden musste.

Begonnen hatte das Ungemacht nachts gegen 2 Uhr. Anders als „Xavier“, der in der Region nur 45 Minuten gewütet hatte, hielten die Orkanböen diesmal bis gegen 8 Uhr an. „Bis 11 Uhr haben wir 441 Einsätze registriert. Vor allem mussten Feuerwehren mit den Stichwörtern Baum auf Straße oder ‘Droht zu fallen’, was in Schieflage geratene Bäume oder lose Dachziegel bedeuten kann, ausrücken“, meldete der Schichtleiter der Integrierten Regionalleitstelle-Süd in Bad Oldesloe. Von dort aus werden die Feuerwehren in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Ostholstein alarmiert.

„Wir hatten unseren ersten Alarm um 4.17 Uhr mit einem Baum auf der Strecke nach Lanken. Danach ging es eigentlich von einem zum nächsten Einsatz“, erklärte Schwarzenbeks Feuerwehrchef Thorsten Bettin. Unter anderem halfen seine Retter mit der Drehleiter auch in Aumühle und Müssen.

Geesthachts Feuerwehr fuhr mit der Drehleiter bis nach Tespe. „In Geesthacht selbst hatten wir zwar einige Einsätze, aber längst nicht so viele wie vor einem Monat. Einige Bäume, wie am Farmsener Weg, haben wir auch nur abgesperrt. Da müssen Fachfirmen ran“, sagte Feuerwehrchef Sven Albrecht. Ein großer Baum war dort auf den Giebel eines Mehrfamilienhauses gefallen und hängen geblieben.

Dramatisch war es im Deichvorland oberhalb der Geesthachter Elbbrücke, wo Notarzt Dr. Floren Stachow mit im Einsatz war. Ein 73-Jähriger ging dort mit seinem Hund Gassi und wurde von der Sturmflut – die Elbe überwand das Stauwehr und lief quasi bergauf – überrascht.  „Dem Mann waren schlagartig alle Wege über die Wiesen abgeschnitten, er rettete sich auf eine kleine Anhöhe und wartete dort auf seine Rettung durch die Feuerwehr“, so Stachow. Ein Großaufgebot war mit Booten im Einsatz. „Wir konnten schließlich mit einem flach gebauten Boot über die Wiesen fahren und den Mann und seinen Hund aufnehmen“, berichtete Feuerwehrsprecher Lutz Wreide.

In Altengamme traf die Flut im Deichvorland eine Kuhherde. Feuerwehrleute und Landwirte brachten die Tiere in Sicherheit. „Bis 11.45 Uhr wurden uns über 800 Einsatzstellen gemeldet“, teilte Werner Nölken, der Sprecher der Hamburger Feuerwehr, mit. „Die meisten Einsätze betreffen umgestürzte Bäume, die Straßen,  Wege und Bahnlinien versperren. Aber auch losgerissene Baugerüste, am Hafen versunkene Autos und vollgelaufene Tiefgaragen beschäftigen uns“, so Nölken. Etwa 1000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk waren in der Hansestadt auf den Beinen, um den wetterbedingten Ausnahmezustand abzuarbeiten.

„Diese Sturmflut macht einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, dass wir den Menschen Informationen zum Thema bieten können“, sagte Wolf-Rüdiger Busch, der in Geesthacht die Idee für ein „HochWasserHaus“ genanntes Informationszentrum verfolgt. Durch die Sturmflut und das überwundene Stauwehr stieg selbst in Lauenburg der Pegel der Elbe um mehr als 1,20 Meter an und überschwemmte die Elbuferpromenade. Eigentlich, so die Meinung der Experten des Landes, sei das unmöglich, weshalb der Hochwasserschutz in Lauenburg nicht in die Schutzmaßnahmen zum Sturmflutschutz integriert ist. Zeitgleich mit einem Hochwasser von oberhalb hätte so eine Sturmflut von der Nordsee her wie am Sonntag verheerende Folgen für die Altstadt.

tja

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