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Lauenburg Fledermäuse meiden Geesthacht
Lokales Lauenburg Fledermäuse meiden Geesthacht
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21:29 25.01.2018
Geesthacht

Fledermäuse ernähren sich von Insekten, und deren Vorkommen geht durch immer mehr versiegelte Flächen, intensive Landwirtschaft und Insektizide nachweislich zurück. Nachdem bei der Begutachtung der Sommerquartiere der Fledermäuse in Grünhof-Tesperhude schon weniger Tiere als früher entdeckt wurden, setzte sich dieser Trend jetzt auch in den Winterquartieren fort.

Was passiert, wenn es weniger Insekten gibt, mit Lebewesen, die sich von Insekten ernähren? Ihre Population geht zurück. „So müsste es eigentlich sein, aber uns fehlt eine breit angelegte Untersuchung, um diese Einschätzung wirklich belegen zu können“, erklärt Matthias Göttsche vom Fledermaus-Monitoring des Landes.

Göttsche sagt: „Es kann da natürlich einen Zusammenhang zum Sterben der Insekten geben, aber in anderen Quartieren im Land ist die Entwicklung eigentlich positiv.“ So wurden in einem erst vor einigen Jahren eingerichteten Quartier in Wahlstedt zuerst 17, im Folgejahr dann 68 und jetzt schon 107 Fledermäuse gezählt. In dem Stollen an der Tesperhuder Straße, der früher ein Luftschutzbunker war, wurden durch Göttsche und seine Unterstützer jetzt aber nur sechs Fledermäuse gezählt. Vergangenes Jahr waren es sieben, 2015 noch elf.

„Das Quartier hier ist eigentlich optimal, Temperatur und Feuchtigkeit stimmen. Es ist ein Klima, das für Fledermäuse im Winterschlaf als perfekt gilt“, sagt Herbert Bahr. Er betreut mit dem Naturschutzbund (Nabu) die Fledermausquartiere in Grünhof-Tesperhude. Die verschlossene Tür zum Stollen bietet den Tieren einen kleinen Einflugschlitz. Dahinter hängen an den Wänden des Stollens Trapezplatten, an den Decken Lochsteine. Sie sollen den Fledermäusen Unterschlupf bieten. Doch die meisten Tiere hängen sich einfach an einen rostigen Stab der Stahlbewehrung des alten Bunkers und verbringen so den Winterschlaf.

Während die Tiere schlafen, fahren sie ihren Stoffwechsel massiv herunter, ihr Körper kühlt ab und zehrt von den angefutterten Reserven. Göttsche: „Die Winter sind ja jetzt nicht mehr so kalt, vielleicht sind die Fledermäuse auch einfach länger aktiv und können sich so trotz weniger Insekten länger Nahrung erjagen.“

Den Fledermaus-Experten würde einmal interessieren, ob sich das Quartier in dem Luftschutzbunker durch Locklaute besser in der Szene der Fledermäuse herumsprechen würde. Und auch die Frage, wie die anderen Bunker auf dem weitläufigen Gelände der ehemaligen Dynamitfabrik von Alfred Nobel frequentiert werden, spielt eine Rolle bei der Population. Doch die alten Gemäuer werden nicht betreten, nur einige stabil wirkende Bunker auf dem Gelände des heutigen Helmholtz-Forschungszentrums haben Aktive des Nabu speziell als Schlafplätze hergerichtet.

Insgesamt wurden bei der Inventur der Fledermausquartiere in Geesthacht jetzt 43 Tiere entdeckt. Darunter 22 Wasserfledermäuse, zwölf Fransenfledermäuse und neun Langohrfledermäuse. tja

LN

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