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Lauenburg Flüchtlinge erleben Abenteuer ohne Angst
Lokales Lauenburg Flüchtlinge erleben Abenteuer ohne Angst
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21:09 10.08.2016
Das Abenteuer startet zu Wasser. Dr. Helmut Knoth (v.l.) und die beiden Syrer Hussein (17) und Ussama (16) sitzen beim Start zur Drei-Muskel-Tour im Drachenboot vorn. Quelle: Fotos: Stefanie Ender
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Ratzeburg

Sie haben alle eine lange Flucht aus Afghanistan, Syrien oder Afrika hinter sich, Krieg und Verfolgung erduldet, ehe sie in der Geesthachter Jugendherberge eine sichere Zuflucht fanden. Gestern erlebten die 33 jugendlichen Flüchtlinge in Ratzeburg ein Abenteuer positiver Art: Sie absolvierten die Drei-Muskel-Tour. Manche der Jungen leiden an schlimmen Traumata. Einer von ihnen erzählte von einer schrecklichen Überfahrt von Lybien über das Mittelmeer nach Europa. Gestern traute er sich dennoch aufs Boot.

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Das Abenteuer startet zu Wasser. Dr. Helmut Knoth (v.l.) und die beiden Syrer Hussein (17) und Ussama (16) sitzen beim Start zur Drei-Muskel-Tour im Drachenboot vorn.

Bei strahlender Sonne trudelten die Jungen gegen 11.30 Uhr am Bahnhof ein. „Dieses Mal sind fast alle Jungs dabei. Das ist etwas Besonderes“, sagt ihr sozialpädagogischer Betreuer Jan Ackermann.

Bisher habe man Ausflüge ins Freibad und an die Elbe organisiert, aber es konnten immer nur kleine Gruppen mitgenommen werden.

Gestern waren die 16- bis 18-Jährigen richtig ausgelassen. Während der Einführung jubelten viele Jungen so laut, dass die Tourbegleiterin der Erlebnisbahn Ratzeburg schreiend den Verlauf der Route erklären musste. Als die Gruppe nach einem kurzen Fußmarsch vom Bahnhof bis zum Strandbad am Wasser ankam, konnten es viele von ihnen gar nicht erwarten, ins Boot zu steigen. Auch der durch Schifffahrten traumatisierte Junge stieg am Ende zu seinen Freunden ins Boot. Andere freuten sich besonders auf die Fahrt mit den Handhebeldraisinen. „So ein Gerät sind wir noch nie gefahren“, sagen die beiden Syrer Ussama, 16 Jahre, und Hussein, 17 Jahre.

Den Ausflug der Jugendlichen spendierte der Rotary Club Herzogtum Lauenburg-Mölln. Deshalb waren die beiden Rotarier Dr. Helmuth Knoth und Hubertus Eichblatt auch mit an Bord. Sie fuhren die elf Kilometer lange Strecke mit. Zuerst paddelten alle mit den zwei großen Drachenbooten mit je 21 Sitzen über den Domsee, den kleinen Küchensee und den Küchensee. Auf der etwa 4,5 Kilometer langen Strecke mussten sie alle im Takt rudern. Ansonsten drohen die Boote aus dem Gleichgewicht zu kommen. Zwei der drei sozialpädagogischen Begleiter aus der Flüchtlingsunterkunft übernahmen das Trommeln des Rhythmus an Bord. An Land an der Farchauer Mühle angekommen, ging es mit Konferenzfahrrädern weiter. Deren sechs Sitze sind im Kreis angeordnet. Deshalb braucht ihre Steuerung neben Beinmuskeln auch Teamgeist. Und den bewiesen die Jungen. Sie versuchten, sich gegenseitig zu überholen und als Erste das Ziel zu erreichen. Die 2,5 Kilometer lange Radstrecke endete in Schmilau. Dort stiegen die Teilnehmer der Drei-Muskel-Tour auf die Handhebeldraisinen um und legten die letzten 4,5 Kilometer der Strecke bis Ratzeburg mit Hilfe ihrer Armmuskelkraft zurück. Die Drei-Muskel-Tour wird seit 2001 durch die Erlebnisbahn Ratzeburg veranstaltet. Die Strecke kann in beiden Richtungen absolviert werden, entweder zuerst aufs Boot steigen oder mit den Handhebeldraisinen starten. Meist seien es Angestellte auf Betriebsausflug und Schulklassen, die sich auf die Tour begeben. „Ab und an haben wir hier auch Junggesellenabschiede und Familien, eher seltener Seniorengruppen. Eine Gruppe Flüchtlinge in dieser Größenordnung hatten wir nun zum ersten Mal zu Gast.“, sagt Lena Heidermann von der Erlebnisbahn Ratzeburg.

Nach vier Stunden kamen die hungrigen Teilnehmer wieder am Bahnhof in Ratzeburg an. Am Bauwagen gab es dort zum Abschluss ein großes Grillen mit Kartoffeln, Nudeln und Putenfleisch. Schwein war tabu.

Gegen 17 Uhr fuhren die Jugendlichen wieder nach Geesthacht zurück. „Es waren wilde Fahrten“, sagt Dr. Helmut Knoth. Er hatte sich erhofft, dass die Jungen auf diesem Ausflug mal richtig lachen – und genau dieses befreite Lachen war der schönste Lohn für die Rotarier. „Meist verhalten sie sich nicht so unbeschwert wie deutsche Jugendliche, sondern sind sehr ernst.“, sagt er. Dr. Knoth kann sich vorstellen, solche Ausflüge zu wiederholen.

Die Betreuung der Jungen

Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sind in der ehemaligen Geesthachter Jugendherberge untergebracht. Einige von ihnen sind erst seit einem Monat da, andere schon elf Monate. Im Moment haben sie Ferien und keinen Unterricht.

Der Träger der Flüchtlingsversorgung wechselte zum 1. August, aber die Betreuer bleiben die gleichen. Bis Ende Juli diesen Jahres betreute der Verein für soziale Dienste St.

Salvatoris e.V. die Jugendlichen. Jetzt ist der Verein in das Diakonische Werk Herzogtum Lauenburg übernommen worden. Der sozialpädagogische Betreuer Jan Ackermann und seine Kollegen bleiben aber.

 Stefanie Ender

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