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Lauenburg Flutkatastrophe hat Touristen verschreckt
Lokales Lauenburg Flutkatastrophe hat Touristen verschreckt
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15:58 21.01.2014
Von wegen Fluttourismus: Die Elbeflut im Juni — hier Fluthelfer im Einsatz in Lauenburg — hat Lücken in die Besucherstatistik gerissen. Quelle: Foto: wr
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Ratzeburg

In dieser Saison blieb der Touristenansturm im Herzogtum Lauenburg aus. Der Kreis verzeichnet einen Einbruch von -1,3 Prozent an Besuchern im Vergleich zum vergangenen Jahr. In der Zeit von Januar bis Juli buchten ganze zwei Prozent weniger Gäste eine Übernachtung. Diese Zahlen stehen im Gegensatz zu dem bundesweiten Zuwachs von 1,6 Prozent an Touristen.

Der Geschäftsführer der Herzogtum Lauenburg Marketing und Service GmbH (HLMS), Günter Schmidt, gibt der Flutkatastrophe die Schuld für das Fernbleiben der Touristen. Lauenburg habe durch das Elbe-Hochwasser im Sommer einen Einbruch von Minus 30 Prozent erlitten, dies wirke sich auf die gesamte Statistik aus, erklärt der HLMS-Geschäftsführer. „Es ist eine große Aufgabe, die Bilder von der Katastrophe in Lauenburg wieder aus den Köpfen der Menschen zu kriegen“, sagt Günter Schmidt. Außerdem hätten viele Betriebe wegen der Reparaturarbeiten lange keine Touristen beherbergen können. Auch Touristenmagneten wie der Elbe-Radweg von Lauenburg nach Geesthacht seien lange nicht passierbar gewesen. Deshalb seien die Zahlen in ein Minus abgerutscht.

Insgesamt sei die Entwicklung des Tourismus im Herzogtum Lauenburg nicht bedenklich, beruhigt der HLMS—Geschäftsführer. Denn seit 2002 würden die Urlauberzahlen kontinuierlich ansteigen. Letztes Jahr konnte bei den Besuchern ein Plus von zwei Prozent verbucht werden, und etwa ein Prozent mehr Touristen hätten im Lauenburgischen übernachtet. Die Touristenhochburgen des Kreises, Mölln und Ratzeburg, könnten auch in dieser Saison positive Zahlen vorweisen. Nach Informationen von Günter Schmidt gab es in Mölln einen Zuwachs von 2,5 Prozent, und in Ratzeburg waren es sogar ganze neun Prozent. Vor allem die Naturparks würden viele Urlauber in das Herzogtum Lauenburg ziehen. Dieses Jahr müsste wegen des Ereignisses aus der Wertung genommen werden, erklärt Günther Schmidt.

Ein weiterer Grund für den Tourismusrückgang in den ersten sieben Monaten sind nach dem HLMS—Geschäftsführer die verregneten Frühlingsmonate. „Die ganzen langen Wochenenden ab Ostern fielen allesamt in eine Regenzeit “, sagt Günter Schmidt.

Aus diesen Gründen wäre es zu dem Rückstand gekommen, der aber permanent aufgeholt werde. Aber die Betriebe würden sich nicht zu 150 Prozent auslasten können. Zudem würde die HLMS noch verstärkt Werbung für den Kreis betreiben, um bis Saisonende noch möglichst viele Besucher anzulocken. Der Ausbau der alten Salzstraße und der Kurpark Mölln seien in den letzten Jahren Investitionen für den Tourismus gewesen.

Der Tourismusexperte ist optimistisch: „Ich bin zuversichtlich, dass wir zum Ende des Jahres das Defizit abbauen können und mindestens auf den Wert des Vorjahres kommen. Der Einbruch ist der Situation durch das Elbe-Hochwasser geschuldet, mit der wir umgehen mussten“, sagt Schmidt.

Ressourcen werden knapp
Anlässlich des 34. Welttourismustages erklärt die Lübecker Bundestagsabgeordnete und tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Gabriele Hiller-Ohm: „Die Deutschen haben 2012 fast 70 Millionen Urlaubsreisen unternommen, die mindestens fünf Tage lang waren. 35 Prozent aller Urlaubsreisen der Deutschen führten in die Mittelmeerregion, mehr als sieben Prozent waren Fernreisen. Ziel des Welttourismustags ist es, die Bedeutung des Tourismus hervorzuheben und auf dessen soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Werte hinzuweisen. Der Tourismus spielt weltweit für viele Länder eine wichtige Rolle für Wirtschaft und Arbeitsplätze, kann aber auch Umweltschäden verursachen. Durch den Tourismus entstehen nicht nur mehr Treibhausgase, auch Ressourcen — wie zum Beispiel Wasser — werden knapp.“ Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich für gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in der heimischen Tourismusbranche ein. Besonders im Gastgewerbe, wo sich jeder Zweite mit einem Minijob oder kurzfristiger Saisonarbeit über Wasser halten müsse und mehr als 150 000 Beschäftigte zusätzlich auf Arbeitslosengeld II angewiesen seien, sei ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro dringend notwendig.
„Es ist schwer, die Bilder von dem Hochwasser aus den Köpfen zu kriegen.“
Günter Schmidt, HLMS—Geschäftsführer

Alessandra Röder

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