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Lauenburg Freiheit, Mut und Bockbier: Luthers Jahr
Lokales Lauenburg Freiheit, Mut und Bockbier: Luthers Jahr
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21:38 28.10.2017
Daniel P. Witte (l.) als Luther und Lukas Anton als sein Vater – Szene aus der Oper „Luther in Love“, die im September bei „Kunst am Kai“ uraufgeführt wurde. Quelle: Fotos: Malzahn, Burmester, Neelsen

Vor 500 Jahren veröffentlichte der Wittenberger Theologieprofessor und Provinzialvikar Martin Luther 95 Thesen gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche. Selbst wenn er sie tatsächlich, was nicht zweifelsfrei erwiesen ist, an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt hat: Die Veröffentlichung einer langen, gelehrten Stellungnahme zu theologischen Fragen einer versunkenen Zeit ist nicht gerade der Aufhänger, von dem heutige Eventplaner träumen. „Eigentlich ist Reformation etwas, was man nicht mit Geschichten erzählen kann“, sagt Petra Kallies, mit ihrer Amtsschwester Frauke Eiben Pröpstin des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg. „Luther ging es eigentlich um das Seelenheil. Das ist sehr abstrakt. Das zu vermitteln, ist unheimlich schwer.“

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Jugendliche bei einer Kunstaktion im Rahmen des „Protest-Parcours“ während der Woche „Mut macht Mensch“ im Mai.

Aber aus ihrer Sicht ist es trotzdem gelungen, das Thema für unsere Zeit lebendig zu machen. Besonders gern erinnert sich die Pröpstin an die Aktion „Laienkanzel“. Anders als die katholische Theologie sah Luther keinen fundamentalen Unterschied zwischen Laien und Priestern. In diesem Geist traten Personen des öffentlichen Lebens in vielen Kirchen in Lübeck, in der Ratzeburger Petrikirche und in der Kirchengemeinde Mölln auf. Darunter waren zum Beispiel Friederike C. Kühn, Präses der IHK Lübeck, im Lübecker Dom, oder Landtagspräsident Klaus Schlie in Ratzeburg. Es waren auch solche darunter, die selbst nicht Mitglied der Kirche sind. Kallies nennt als Beispiele den linken Aktivisten Christoph Kleine, der eine persönliche Geschichte über sein Verhältnis zu Christen und Christentum erzählt habe, oder Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe: „Der hat klar gesagt: ,Ich werde keine Predigt halten, das kann ich nicht.‘ Wir haben an der Stelle einen Dialog geführt über Kirche und Stadt.“

Das Trennende zwischen den Konfessionen stehe heute nicht mehr im Vordergrund. Bei der Vorbereitung zum ökumenischen Pfingstgottesdienst mit mehr als 700 Besuchern an der Freilichtbühne sei das Thema Konfession kein Thema gewesen. „Das hat viel Spaß gemacht.“ Die Sorgen, die die Menschen zu Luthers Zeit beschäftigten, sind heute nur noch schwer nachzuempfinden. „,Wie bekomme ich einen gnädigen Gott‘, war die Frage des Mittelalters“, sagt Kallies. „Heute ist die Frage: ,Gibt es Gott? Und wenn es ihn gibt, wie soll ich ihn mir vorstellen?‘“ Es sei aber möglich, mit Menschen über Begriffe wie Freiheit, Gewissensfreiheit oder Mut ins Gespräch zu kommen. Deshalb war die Aktionswoche „Mut macht Mensch“ im Mai aus ihrer Sicht ein Erfolg – mit Poetry Slam, Andachten, Filmnacht, Stadtspaziergängen, Spielen, Chorliedern. „Es gibt viele Veranstaltungen, bei denen ich 50 Prozent der Besucher irgendwoher kenne. Das war bei ,Mut macht Mensch‘ nicht so.“

Kallies lobt auch „niedrigschwellige Angebote“ wie die Brauaktion, in der der Möllner Pastor Stephan Ritthaler mit einem Team ein Bockbier namens „Reformator“ herstellte. Viel Publikum hätten auch die vielen Musicals mit Kindern und Jugendlichen gebracht, die Oper „Luther in Love“ bei „Kunst am Kai“ und das Lauenburger Laientheater „Käthe oder der Preis der Freiheit“.

Außerdem freut sich die Pröpstin, dass auch Institutionen außerhalb der Kirche sich mit dem Thema Reformation beschäftigt haben – das Theater Lübeck, das Hansemuseum, das Buddenbrookhaus. Dass mit dem Gedenkjahr tatsächlich in großem Stil Gläubige hinzu- oder zurückgewonnen werden könnten, glaubt Kallies allerdings nicht: „Es war stärker eine Aktion der Selbstvergewisserung derer, die schon da sind. Zu überlegen, ob das jetzt eine große missionarische Aktion ist – da bin ich eher skeptisch.“

Jetzt freut sie sich auf den feierlichen Abschluss des Gedenkjahrs – nicht in einer großen, zentralen Aktion, sondern mit Gottesdiensten in allen Gemeinden. „Wenn am 31. Oktober um 10 Uhr alle Kirchenglocken gleichzeitig läuten – das wird so ein bisschen wie Silversterstimmung sein.“

500 Jahre Reformation

Die evangelische Kirche hat sich während des vergangenen Gedenkjahrs alle Mühe gegeben, die Wunden, die die Reformation gerissen hat, nicht wieder aufzureißen: Den Beginn machte am 31. Oktober 2016 ein ökumenischer Gottesdienst mit der Spitze des Lutherischen Weltbundes und Papst Franziskus im schwedischen Lund.

Vor allem in Deutschland, wo die meisten evangelisch-lutherischen Christen leben, ist das 500-jährige Reformations-Jubiläum groß gefeiert worden. Zum Abschluss gibt es am 31. Oktober einen zentralen Festgottesdienst in Wittenberg, wo Luther 1517 seine Thesen vorstellte.

 Hanno Kabel

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