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Lauenburg Freiheitsstrafe für Möllner „Schulschläfer“
Lokales Lauenburg Freiheitsstrafe für Möllner „Schulschläfer“
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00:54 30.07.2016
Das Gericht verurteilte den 21-Jährigen zu 20 Monaten ohne Bewährung. Quelle: dpa
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Ratzeburg/ Mölln

Ein junger Möllner ist gestern in Ratzeburg zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden, weil er in diverse Möllner Einrichtungen Eindrang, dort immer wieder stahl und übernachtete. Das Amtsgericht Ratzeburg sieht 17 Taten als erwiesen an. Überwiegend handelt es sich um Hausfriedensbrüche, schwere Fälle von Diebstahl und kleinere Körperverletzungen. Obwohl der 21-Jährige bislang nicht wegen Straftaten verurteilt wurde, setzte das Gericht die Strafe nicht zur Bewährung aus. Der Möllner, der seit Monaten in Untersuchungshaft sitzt, soll aufgrund einer Abhängigkeit von Cannabis und einer erheblichen Wiederholungsgefahr zunächst in einer Entziehungsanstalt in Schleswig untergebracht werden.

„Das Gericht hat sich sehr viel Mühe gegeben, alles aufzuklären“, lobte der Möllner Verteidiger Martin Bartsch in seinem Plädoyer. Er teilte wie auch Richter Martin Mrozek im Wesentlichen die rechtliche Bewertung der Staatsanwaltschaft. Er schilderte aber auch sehr lebendig, wie es seiner Meinung nach zu den Verfehlungen seines Mandanten gekommen sei. Lange sei der junge Mann aufs Gymnasium gegangen. Später habe er dann einen guten Realschulabschluss gemacht. Jedoch habe der zunehmende Konsum von Cannabis den jungen Mann aus der Bahn geworfen. Deshalb seien zwei Ausbildungen abgebrochen worden. Bei beiden geschiedenen Elternteilen sei es darauf zu Konflikten und später auch zum „Rauswurf“ gekommen. „Es ging meinem Mandanten darum, Schlafmöglichkeiten zu finden“, erklärte Bartsch. Die verübten Taten hätten also eng im Zusammenhang mit seiner Abhängigkeit und den daraus entstandenen gesundheitlichen und psychischen Problemen gestanden. Medizinische Gutachten hatten aber nicht zu einer konkreten Diagnose geführt. Eine Therapie soll Abhilfe schaffen.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Einbrüche und Diebstähle in Möllner Schulen, Pflegeheimen und Kitas stark angestiegen. Der Täter steht nun fest. Den größten Schaden richtete der 21-Jährige beim Lebenshilfewerk an. Dort stieg er durch ein Fenster und entwendete etwa 800 Euro. In der Landwirtschaftschule in der Schmilauer Straße ist er in den Schulkiosk eingedrungen und stahl rund 400 Euro.

An mehreren Tatorten wurden seine Fingerabdrücke gefunden.

Der Angeklagte war im Prozess weitgehend geständig. Er beteuerte jedoch, dass er bei den zwei „Rangeleien“ mit Mitarbeitern der betroffenen Einrichtungen niemanden verletzten wollte. Zunächst waren von der Staatsanwaltschaft 31 Taten angeklagt worden. 14 Taten stellte das Gericht ein, weil sie laut Richter Mrozek für das „Verfahren nicht weiter ins Gewicht fallen würden“. Im Rahmen eines Rechtsgespräches unter Ausschuss der Öffentlichkeit hatten Richter, Schöffen, Staatsanwaltschaft und Verteidigung sich darauf verständigt, so vorzugehen.

Entziehungsanstalt

Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wird in § 64 des Strafgesetzbuchs geregelt. Sie wird angewendet, wenn Taten unter Drogeneinfluss begangen werden und Gefahr besteht, dass es zu weiteren Straftaten kommt. In diesem Fall dauert die Maßnahme zunächst zwei Jahre. Danach kann ein Teil der Unterbringung auf die verhängte Haftstrafe angerechnet werden.

Quelle: dejure.org

 fg

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