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Lauenburg Friedhöfe als Raum für Erinnerung
Lokales Lauenburg Friedhöfe als Raum für Erinnerung
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19:43 15.09.2017
Der Leiter der beiden zu St. Petri gehörenden Friedhöfe erläutert seine Angebote zum Konzept „pflegefreies Angebot“, hier den bienenfreundlich bepflanzten so genannten Lebenskreis. FOTOS (3): BAUMM

Da war neulich dieser Bericht im Fernsehen, über den Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf. Der wurde am 1. Juli 1877 eingeweiht und ist mit 389 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt. Da gibt es 235000 Grabstätten, da liegen ganz normale Menschen neben Promis von Hans Albers bis Helmut Schmidt, da gibt es Tiere, vom Fuchs über die Eule bis zum Reh, da gibt es Trauernde, klar, Hinterbliebene – und es gibt Erholungsuchende. Und Touristen. Ja, ganz richtig, Erholungsuchende und Touristen. Der Ohlsdorfer Friedhof, der ist nämlich bekannt in der Welt, eine grüne Oase der Stille mitten in der großen Stadt. Ort der Toten und der Trauer, aber auch der Ruhe, der Einkehr. Raum für Erinnerung. Und genau das – „Raum für Erinnerung“ ist also das Motto des bundesweiten Tag des Friedhofes.

Seit 2001 wird am dritten Septemberwochenende bundesweit der „Tag des Friedhofes“ gefeiert. Das Motto für diesen Tag wird im zweijährigen Turnus vergeben. In diesem Jahr heißt es noch einmal „Raum für Erinnerung“. Ratzeburg und Siebenbäumen sind mit Angeboten dabei.

Programm

Die Kirchengemeinde St. Petri Ratzeburg lädt zu Sonntag auf den Friedhof an der Seedorfer Straße ein. Um 11 Uhr geht es mit

einem Gottesdienst an der Kapelle los.

Die Kirchengemeinde Siebenbäumen lädt am heutigen Sonnabend von 14 bis 16 Uhr zu einer Infoveranstaltung auf den Neuen Friedhof ein.

Seit Tagen bereiten sich die Kirchgemeinden St. Petri Ratzeburg und die Kirchgemeinde in Siebenbäumen auf dieses Wochenende vor. Beide sind zum zweiten Mal beim Tag des Friedhofes dabei. Beide Kirchgemeinden wollen ihren Friedhof präsentieren. Sturmtief Sebastian und Dauerregen haben Kay Lühmann nicht davon abhalten können, den Rasen auf den beiden Ratzeburger Friedhöfen der St.

Petri-Gemeinde zu mähen. Auf seine Friedhöfe ist der Leiter der Anlage stolz. Für Sonntag erhofft er sich viele Besucher, denen er zeigen will, wie schön sie ist. Orte der Ruhe, des Innehaltens, der Trauer und des liebevollen Gedenkens – Raum für Erinnerung eben.

Die Bestattungskultur ist eine Kultur im Wandel. Noch vor wenigen Jahrzehnten war eine „ordentliche“ Grabstätte eine Selbstverständlichkeit. Heute sind Friedwälder und Seebestattungen im Kommen.

Platt ausgedrückt: Friedhöfe haben Konkurrenz bekommen – das gab es so in der Geschichte von Deutschland noch nicht. Auf den Friedhöfen werden immer mehr Grabstellen frei, alte Verträge werden seltener als früher verlängert.

Kay Lühmann sagt: „Wir möchten zeigen, wie schön unsere Friedhöfe sind.“ Die vielen Menschen, die das Angebot bundesweit nutzen, belegen, dass das Interesse an Friedhöfen und Begräbniskultur groß

ist. Ins Leben gerufen wurde der „Tag des Friedhofs“ 2001 vom Bund deutscher Friedhofsgärtner im Zentralverband Gartenbau gemeinsam mit den bundesweit tätigen Friedhofsgärtnern, Steinmetzen, Bestattern, Floristen, den Städten und Kommunen sowie Religionsgemeinschaften und Vereinen.

Die zwei Friedhöfe von Ratzeburgs St. Petri bringen es zusammen immerhin auf 3,8 Hektar. Ein großes Areal, auf dem es sich gut in Erinnerungen schwelgen – und zur Ruhe kommen lässt. Kay Lühmann ist seit 1998 Leiter der beiden Friedhöfe. Auch wenn die Friedhofssatzung die Gestaltung regelt, so hat er doch viele Möglichkeiten, eigene Ideen einfließen zu lassen. Die Begräbniskultur mag im Wandel sein – Lühmann hält Schritt. Er bietet an, was heute immer mehr gefragt ist: pflegefreie Gräber. Der Lebenskreis ist mit attraktiven bienenfreundlichen Stauden bepflanzt, die „Rosenharmonie“

gefällt mit zarten Blüten, die „Baumbestattungen“ fangen das Auge mit der wellenförmigen Anlage und den schönen Hainbuchen ein, und auf dem alten Friedhof schließlich gibt es die Rhododendronanlage für Rasengräber.

In Siebenbäumen erwarten Küsterin Silke Falk und die Friedhofsbeauftragte der Kirchengemeinde, Ingrid Neervoort, schon heute möglichst viele Besucher. Von 14 bis 16 Uhr gibt es ein Programm mit Infoständen von einem Beerdigungsinstitut, der Friedhofsgärtnerei und einem Steinmetz auf dem Neuen Friedhof am Grinauer Weg. Um 14.30 Uhr bietet Silke Falk die erste Führung über den neuen Friedhof an. „Den betreiben wir seit 2000“, erklärt Ingrid Neervoort. „Wir haben verschiedene Grabarten – und nach Bedarf gibt es auch weitere Führungen. Wer mag, kann sich bei Kaffee und Kuchen stärken.“

Sollte das Wetter schlecht sein, werden Infostände und Kaffee-Angebot in die Kirche auf dem alten Friedhof verlegt.

Die Ratzeburger Kirchengemeinde St. Petri hat sich für Sonntag entschieden und beginnt den Tag mit einem Gottesdienst für alle unter freiem Himmel an der Kapelle um 11 Uhr. Der Posaunenchor unter der Leitung von Martin Soberger gestaltet den Gottesdienst mit Pastorin Wiebke Keller und Pastor Martin Behrens. Im Anschluss gibt es die Gelegenheit, sich beim Kirchenkaffee und einem Imbiss zu stärken und vor allem, sich zu informieren: das Trauercafé, örtliche Bestatter und Floristen stellen ihre Arbeit vor. Auch das Demenznetz Herzogtum Lauenburg wird im Rahmen der „Woche der Demenz“ sein Angebot präsentieren. Für Kinder gibt es ein Vorleseangebot. Um 13 Uhr bieten Peter Kratzsch und Friedhofsleiter Kay Lühmann eine Führung über den Friedhof mit Informationen zu seiner Geschichte und zu den neuen Grabformen an. Um 14 Uhr gibt es in der Kapelle Lesungen und Musik, gegen 15 Uhr endet die Veranstaltung.

 Dorothea Baumm

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