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Lauenburg „Frohe Weihnachten“ für Havemann
Lokales Lauenburg „Frohe Weihnachten“ für Havemann
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20:02 28.11.2016
Zusage auf Verlängerung wieder einkassiert: Straßenkehrer Herbert Havemann (60) hätte gerne noch im Dezember gearbeitet. FOTO: FG
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Ratzeburg

. Erinnern Sie sich noch an Herbert Havemann, den Straßenkehrer aus Ratzeburg? „Das bittere Ende einer Dienstzeit“ lautete unsere Überschrift zum Artikel über den Mann, der 25 Jahre in seiner Stadt den Dreck anderer weggekehrt hatte und sich am Ende seines Berufslebens selbst wie Dreck behandelt vorkommt. Weil die Stadt Ratzeburg eine mündlich bereits gegebene Zusage zu einer Dienstzeitverlängerung um einen Monat wieder einkassiert hat – und damit auch sein Weihnachtsgeld futsch ist. Aber das ist für ihn nicht das Entscheidende. „Mir geht es um Menschlichkeit“, sagt der 60-Jährige.

Dass es genau daran mangelt, fanden auch viele unserer Leser. „Da muss man doch helfen“ oder „wie herzlos“ waren typische Reaktionen, auch auf Facebook. Rentnerin Ingrid Engel aus Timmendorfer Strand hat in der Redaktion angerufen, wollte spontan für Havemann spenden. Doch auf welches Konto? Jetzt gibt es einen Ratzeburger, der nicht nur redet, sondern handelt. Der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat ein „Spendenkonto Havemann“ eingerichtet, über das er nicht alleine verfügen kann. Damit möchte der Inhaber einer Ratzeburger Firma allen Menschen, die helfen wollen, eine konkrete Möglichkeit dazu geben. Der Verwendungszweck lautet „Frohe Weihnachten“. Denn genau darum geht es: Herbert Havemann wieder froh zu machen und gleichzeitig zu demonstrieren, dass man die Entscheidung der Stadt für herzlos hält.

Havemanns Stelle soll übrigens erst am 1. Januar wieder besetzt werden. Das geht aus einer Stellenbeschreibung hervor, die auf der Homepage der Stadt zu lesen ist. Er hätte also im Dezember – wie er wollte – noch kehren können, denn es gibt noch keinen offiziellen Ersatz.

Seit Havemann Anfang Oktober die schriftliche Absage bekommen hat, ist er krank geschrieben. „Ich habe eine Lähmung in der Schulter, im Rücken, kann mich nicht bewegen“, sagte er gestern im Gespräch mit den LN. Und: „Ich kann mir auch nicht erklären, woher das kommt, das hatte ich noch nie“, sagt der Straßenkehrer, der in seinen 25 Jahren im Dienst Ratzeburgs fast nie krank gewesen sei.

„Ich frage mich immer nur, warum?“, sagt er mit zitternder Stimme und unterdrückt das Schluchzen.

Gewonnen hat die Stadt Ratzeburg also nichts. Der ohnehin überproportional hohen Krankenstandsstatistik ist ein weiterer Fall hinzugefügt worden, im Oktober mussten andere für Havemann kehren, im November auch und im Dezember sowieso, weil Havemanns Dienstzeit offiziell am 30. November endet. Zwei Monate Gehaltszahlung für einen Kranken und ein in Geld nicht zu beziffernder Imageschaden. Auf der Habenseite steht ein gespartes Weihnachtsgeld.

Wer seine Solidarität demonstrieren will, kann hier spenden:

Spendenkonto Havemann

IBAN: DE95 2006 9861 0000 1130 69

BIC: GENODEF1RRZ

Raiffeisenbank e G Ratzeburg

Verwendungszweck:

„Frohe Weihnachten“

Hanno Hannes

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