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Lauenburg Früher Graupen, heute feine Speisen
Lokales Lauenburg Früher Graupen, heute feine Speisen
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20:35 01.09.2017
Viele standfeste Balken aus der früheren Mühlenzeit blieben im Restaurant erhalten. Das Bild zeigt den ältesten Teil des Gebäudes. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Schmilau

Das fängt schon damit an, dass fast alle Besucher glauben, die Mühle gehöre zu Ratzeburg. Dabei befindet sie sich kommunalpolitisch auf dem Gebiet der Gemeinde Schmilau, ist aber postalisch Ratzeburg zugeordnet. Das bringt sogar manche Navigationsgeräte durcheinander.

Ehemalige Mühle bekam schon 1850 eine Schankerlaubnis und wurde ein beliebtes Ausflugslokal.

Das genaue Alter der Mühle in Farchau ist schwer zu ermitteln, da es hier in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Brände gab, denen Teile des Gebäudes oder sogar das gesamte Bauwerk zum Opfer fielen. Zahlreiche Um-, Aus- und Neubauten sind deshalb im Laufe der Zeit erfolgt. „Wir haben leider nur sehr wenige historische Unterlagen“, erzählt Michael Sievers, dem das Haus gemeinsam mit seiner Frau Eva-Maria seit 13 Jahren gehört. Zuvor hatte das Ehepaar die Mühle für ein Jahr gepachtet.

Überliefert ist, dass die erste Farchauer Wassermühle anno 1582 errichtet wurde, zunächst als Walkmühle. Hier erfolgte also die maschinelle Verarbeitung, Verdichtung und Veredelung von Geweben.

Später wurde ein Umbau zur Graupenmühle vorgenommen. Graupen sind die geschälten Mehlkörper der Wintergerste; sie tauchten in Deutschland auf den Speisezetteln einst viel öfter auf als heute.

1850 erhielt der Betrieb nahe dem Küchensee erstmals eine Schankerlaubnis. Die spielte eine immer größere Rolle, während der Mühlenbetrieb nicht mehr so bedeutend war. Vor rund 100 Jahren wurde die Mühle dann zu einem Gasthaus umgebaut und entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugslokal im nördlichen Herzogtum Lauenburg.

Einige wenige Fremdenzimmer gab es auch, doch erst 1991 wurde von den damaligen Besitzern ein Hoteltrakt angefügt. „Heute können wir 19 Zimmer anbieten, drei davon im alten Mühlengebäude, 16 im Neubau“, sagt Eva-Maria Sievers. Sie ist vom Fach und absolvierte ihre Ausbildung in einem Hamburger Fünf-Sterne-Hotel.

Ganz so luxuriös ist die Farchauer Mühle nicht, doch die in den vergangenen Monaten gerade mal wieder frisch renovierten Zimmer sind durchaus komfortabel und gemütlich, liegen absolut ruhig und gewähren ausnahmslos einen Blick auf Wald und/oder See. Familie Sievers bietet ihr Haus über alle gängigen Internet-Hotelplattformen an – was dazu führt, dass die eigentlich so versteckt liegende Fachauer Mühle auch von Übernachtungsgäste aus Süddeutschland, Skandinavien, Italien oder Frankreich gefunden wird.

Jene Besucher, die hier nur speisen, stammen laut Angaben der Besitzer überwiegend aus dem Dreieck Lübeck-Hamburg-Schwerin. Im Restaurant gibt es 70 Plätze, auf der Terrasse ebenso viele, hinzu kommen ein Clubraum für 40 Gäste und im Hoteltrakt ein großer Festraum für bis zu 100 Personen. Gefeiert werden kann in der Farchauer Mühle also allemal, und das Angebot wird auch gern genutzt – ganzjährig übrigens. Ansonsten ist im Winter etwas weniger Betrieb als in den Sommermonaten, was sich schon daran zeigt, dass im Sommer die Zahl der Mitarbeiter von 15 vorübergehend auf bis zu 30 aufgestockt wird.

Historische Mühlentechnik ist im Gebäude nicht mehr vorhanden, die wurde schon vor langer Zeit ausgebaut. Zwei Mühlsteine liegen aber noch vor dem Haus, und die Besitzer überlegen, ob sie nicht wieder ein per Wasserkraft angetriebenes Mühlrad anbauen lassen. „Das sieht einfach schön aus, wir könnten es aber auch zur Energiegewinnung im bescheidenem Rahmen nutzen“, sagt Michael Sievers.

Schiffe kommen nicht mehr

Per Fahrgastschiff kann man die Farchauer Mühle nicht mehr erreichen. Die „Inselstadt Ratzeburg“ war seit 2007 auf dem Küchensee im Einsatz. Aufgrund seiner Maße von 29 Meter Länge bei einer Breite von nur 4,80 Meter und einer Höhe von etwas über drei Metern sowie der modernen Antriebstechnik konnte das Schiff dabei in Ratzeburg den engen Verbindungskanal zwischen dem Domsee und dem Kleinen Küchensee zentimetergenau meistern und die Brücken mit geringer Höhe gut passieren.

Die Rentabilität auf dieser Strecke entsprach aus Sicht des Schiffseigners allerdings nicht den Erwartungen. Im März dieses Jahres wurde die „Inselstadt Ratzeburg“ auf einen Spezialtransporter verladen und zu einem neuen Standort, dem Baldeneysee bei Essen, gebracht.

 Norbert Dreessen

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