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Lauenburg Die rätselhafte Geschichte von "Benjamin"
Lokales Lauenburg Die rätselhafte Geschichte von "Benjamin"
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07:25 05.04.2018
Der Fuchswelpe "Benjamin" genießt die liebevolle Betreuung seiner neuen Zieheltern, die nächtlichen Milchflaschen und die ganztägigen Streicheleinheiten. Quelle: Wildtierstation Hamburg
Büchen/Sparrieshoop

„Ein Besucher des Feuers entdeckte den kleinen Welpen, wie er versuchte, mit seinen kleinen Beinchen aus der tödlichen Osterfeuerfalle zu entkommen. Kurz entschlossen sprang der Mann ins Feuer – griff zu und rettete den kleinen Welpen.“ Es ist eine herzzerreißende Geschichte, die Wildtierstationsleiter Christian Erdmann in seiner Mitteilung erzählt. So sei „der Fuchswelpe dem Tod von der Schippe gesprungen“ – im Gegensatz zu seinen Wurfgeschwistern. Die seien im Feuer verbrannt. Ihren überlebenden Bruder haben die Tierretter „Benjamin“ getauft.

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Abgespielt haben soll sich das Drama am Ostersonnabend. Die Informationen habe er vom Wolfsbetreuer, der ihm den Welpen gebracht habe, sagt Erdmann gegenüber den LN. Dieser habe das junge Tier wiederum von dem vermeintlichen Retter übergeben bekommen. Gleichzeitig warnt Erdmann vor den Gefahren von Osterfeuern für die Wildtiere: „Das ist nicht der erste Fuchs, der im Osterfeuer verbrannt ist.“ Daher sei es auch wichtig, Osterfeuer – wie gesetzlich vorgeschrieben – vor dem Anzünden umzuschichten.

Das schleswig-holsteinische Wolfsmanagement beim Landesamt für ländliche Räume bestätigt Erdmanns Geschichte nicht. Bestätigt wird nur, dass einem Wolfsbetreuer ein etwa drei Wochen alter Rotfuchswelpe übergeben worden sei – im Glauben, es sei ein Wolf. Der Betreuer habe das Tier daraufhin zur Wildtierstation in Sparrieshoop bei Elmshorn gebracht.

Der Fall gibt Rätsel auf

Klar ist, dass es in Büchen am Ostersonnabend neben einem Osterfeuer der Feuerwehr Büchen-Dorf mehr als 30 weitere offiziell angemeldete Feuer in der Gemeinde gegeben hat. Völlig unklar ist hingegen, ob und – wenn ja – warum sich drei Wochen alte Fuchswelpen in einem dieser Osterfeuerhaufen aufgehalten haben. Zeugen für den Vorfall haben sich trotz intensiver Recherchen bislang nicht gefunden. Auch der unbekannte vermeintliche Retter hat sich noch nicht gemeldet.

„Normalerweise bleiben die Welpen die ersten vier bis fünf Wochen in dem von der Mutter gebauten Bau“, sagt Janine Bürger, Tierpflegerin im Wildpark Eekholt. Noch nicht einmal den Vater, der Futter heranschleppe, lasse die Fähe in dieser Zeit an die Kleinen. Und auch danach würden sich die Welpen zunächst nur in unmittelbarer Nähe des Baus aufhalten. Mit der Mutter losziehen würden sie frühestens im Alter von etwa drei Monaten. „Eine Fähe wird ihre drei Wochen alten Welpen jedenfalls nicht in einem Gestrüpphaufen ablegen“, sagt Bürger.

Ähnlich sieht das auch Andreas-Peter Ehlers, Vorsitzender der Lauenburgischen Kreisjägerschaft. „Ab Anfang Mai halten sich die Fuchswelpen vielleicht mal vor dem Bau auf. Bis dahin sind sie in dem sicheren Bau bei der Mutter.“ Dass drei Wochen alte Welpen sich in einem Osterfeuer aufhalten könnten, halte er aus seiner Erfahrung für „sehr weit dahergeholt“.

Neue Ziehfamilie für "Benjamin"

Unabhängig davon, wie die Vorgeschichte des kleinen „Benjamin“ tatsächlich ist: In der Wildtieraufzuchtstation hat der Rotfuchswelpe eine Ziehfamilie gefunden und bekommt dort alle paar Stunden seine Ration Hundeaufzuchtmilch.

„Erfahrungsgemäß werden in den kommenden Wochen noch einige Welpen hinzukommen, weil Fähen bei Wildunfällen ums Leben kommen oder doch illegal geschossen werden“, sagt Stationsleiter Erdmann. Mit ihnen werde „Benjamin“ dann aufwachsen und schon bald auch mit seinen Zieheltern den einen oder anderen Ausflug ohne Leine über das Gelände machen. „Wenn die dann alt genug sind, lassen wir sie frei, und dann verlieren sie ganz schnell wieder ihre Zutraulichkeit zum Menschen.“

Von Holger Marohn

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