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Lauenburg Fünfmal so teuer wie geplant
Lokales Lauenburg Fünfmal so teuer wie geplant
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20:27 12.01.2018
Eine Musikbox und Single-Schallplatten aus Vinyl sind inzwischen durchaus museumsreif. Silke, Sieglinde und Horst Webersen aus Lübeck nutzten einen Ratzeburg-Ausflug zum Bummel durch die Sammlung im Herrenhaus.
Ratzeburg

Das Haus wurde nämlich fünfmal teurer als ursprünglich veranschlagt – so etwas kommt bei manchen Bauprojekten ja auch heute noch vor. Mit 4000 Talern hatte man gerechnet, zumal man Teile eines hier zuvor schon stehenden kleinen Lustschlosses wiederverwenden wollte. 20 000 Taler kostete das Vorhaben dann aber am Ende – eine für jene Zeit enorme Summe. Oberhauptmann Friedrich Wilhelm von Knesebeck, für die Errichtung des Herrenhauses verantwortlich, verwirklichte hier seine Vorstellungen von Repräsentation und herrschaftlicher Wohnkultur.

Eindrucksvoll ist es ohne Frage, das 1766 errichtete Herrenhaus neben dem Ratzeburger Dom. Es sollte ja auch die feudale Sommerresidenz für Herzog Adolf Friedrich IV. werden, doch der hat dieses Gebäude nie betreten. Es hat ihm aber einigen Ärger bereitet und ihn fast in den Ruin gestürzt.

Da der Fürst nicht einziehen wollte, diente das Gebäude zunächst als Amtssitz der herzoglichen Verwalter. Doch gut 70 Jahre später gab es einen Wechsel: Weil das alte Wohnhaus des Ratzeburger Domprobstes baufällig geworden war, erhielt der Probst anno 1840 das Herrenhaus als Wohn- und Dienstsitz zugewiesen. Es blieb aber stets in weltlichem Besitz – zunächst von Mecklenburg-Strelitz, ab 1937 von Preußen und ab 1949 vom Bundesland Schleswig-Holstein. Als der damalige Domprobst 1970 das Herrenhaus räumte, übertrug das Land dem Kreis Herzogtum Lauenburg das Gebäude vertraglich zur Dauernutzung.

Der Kreis verpflichtete sich im Gegenzug, das Bauwerk zu restaurieren und zu unterhalten. Zu diesem Zeitpunkt war das Kreismuseum bereits in einem Nebengebäude untergebracht, dessen Ausstellungsfläche jedoch recht klein war. Daher wurde entschieden, nun den gesamten Komplex als Museum zu nutzen. Im prächtigen Rokoko-Festsaal sollte gleichzeitig ein Ort für Konzerte und Veranstaltungen geschaffen werden.

Die Umbauten dauerten von 1971 bis 1973, und seitdem befindet sich hier eines der größten und interessantesten Museen im Lauenburgischen. Statt trockener Wissensvermittlung gibt es anschaulichen Geschichtsunterricht – vor allem in Sachen jüngerer deutscher Geschichte. Da der Kreis jahrzehntelang direkt an der innerdeutschen Grenze lag, dreht sich manches um die Grenzsicherungsanlagen der DDR, und auch an die historischen Tage im Herbst 1989 wird erinnert – zum Beispiel mit einem echten Trabant. Diese knatternden Zweitakter überschwemmten ja gleich nach dem Fall der Mauer alle Städte im Herzogtum Lauenburg.

Ein weiteres Auto steht in einem besonders umfangreichen Bereich des Museums, es ist eine kugelrunde Isetta von BMW. „Der Kleinwagen gehört zu unserer Ausstellung über die 50er Jahre, und da zeigen wir sicher eine der vielfältigsten Sammlungen weit und breit zu bieten“, sagt Museumsleiter Dr. Klaus Dorsch nicht ohne Stolz. In der Tat: Hier fühlen sich ältere Besucher plötzlich in ihre Jugend zurückversetzt, und junge Menschen staunen über die Kuriositäten, die sie schon gar nicht mehr kennen.

Wer deutlich weiter zurück in die Vergangenheit blicken möchte, dem sei die Betrachtung eines Wollmammut-Stoßzahns empfohlen, der 1973 bei Klein Disnack gefunden wurde und der gut 150 000 Jahre alt ist. Dass sie durch ein Gebiet stapften, das einmal ein Herzogtum werden würde, wussten die Mammuts allerdings noch nicht.

Öffnungszeiten

Das Kreismuseum mit der Adresse Domhof 12 in Ratzeburg ist immer dienstags bis sonntags von 10 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Diese Zeiten gelten auch für das benachbarte A. Paul Weber-Museum (Domhof 5).

Pro Museum zahlen Erwachsene drei Euro Eintritt, Kinder und Schüler einen Euro. Wer eine Kombi-Karte für beide Museen erwirbt, zahlt fünf beziehungsweise 1,50 Euro.

Norbert Dreessen

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