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Lauenburg AfDler Fröhlich bestätigt Teilnahme an Neonazi-Kongress
Lokales Lauenburg AfDler Fröhlich bestätigt Teilnahme an Neonazi-Kongress
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11:55 04.01.2019
Der Stormarner Fraktionsvorsitzende der AfD, Arnulf Fröhlich, hat 1990 an einem Neonazi-Kongress mit Holocaustleugner David Irving teilgenommen. Quelle: Hans Martin Reinartz/LN-Archiv
Ratzeburg

So soll Landesvorstandsmitglied Dennis Wamhoff aus Preetz den in die Vorwürfe der antisemitischen Hetze verwickelten Arnulf Fröhlich in Magdeburg als Kandidaten für die Europawahl auf Listenplatz elf vorgeschlagen haben. Das bestätigen mehrere Teilnehmer. Allerdings soll Fröhlichs Kandidatur mit nur vier Stimmen der bis zu 500 Delegierten nicht erfolgreich gewesen sein.

Fröhlich wohnt im Stormarner Teil von Köthel, ist in Stormarn AfD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, aber Mitglied im Kreisverband Herzogtum Lauenburg und dort Beisitzer im Kreisvorstand. Der Landesvorstand in Person der Vorsitzenden Doris von Sayn-Wittgenstein wirft Fröhlich vor, vom 20. bis 22. 1990 bei dem Neonazi-Kongress „Wahrheit macht frei“ in München dabei gewesen zu sein.

Dabei geht es um eine Veranstaltung mit Holocaust-Leugner David Irving, Bela Ewald Althaus, Michael Kühnen und Christian Worch im Münchener Löwenbräu-Keller, bei der Fröhlich auch auf dem Podium gewesen sein soll, sowie einer Veranstaltung in kleinen Kreis am 20. April 1990, dem Geburtstag von Adolf Hitler, bei der der Hitlergruß gezeigt und Neonazi-Lieder gesungen wurden.

Film und Prozess dokumentieren die Vorgänge

Ein auch im Internet frei verfügbarer Film unter dem Titel „Wahrheit macht frei“ , einer gut einstündigen Dokumentation über Neonazis und Holocaustleugner aus dem Jahr 1991, dokumentiert die damaligen Vorgänge. Dass ein Arnulf Fröhlich mit dabei war, geht aus dem Gutachten von Politikwissenschaftler Hajo Funke zum Prozess gegen Irving im Jahr 1996 hervor. Darin gehört Fröhlich zu einem kleinen Kreis von Teilnehmern, die namentlich erwähnt werden. Gegenüber den Lübecker Nachrichten bestätigte Funke noch einmal die Aussagen.

Nach Aussagen von Holger Stienen, AfD-Fraktionsvorsitzender im Lauenburgischen Kreistag und kooptiertes Kreisvorstandsmitglied ohne Stimmrecht, hat Arnulf Fröhlich im Kreisverband erklärt, „dass es keine Jugendsünde war, bei dem seinerzeitigen Treffen dabei gewesen zu sein, sondern sein seinerzeitiges Interesse, zu dem er stehe“.

„Als junger Mensch ist man eben interessiert“

Fröhlich verteidigt gegenüber den LN seine Teilnahmen damals. Als „junger Mensch sei man eben erstmal sehr interessiert“, so Fröhlich. An die von Wissenschaftler Funke gutachterlich bestätigte Teilnahme an der Veranstaltung im kleinen Kreis zum Geburtstag Adolf Hitlers könne er sich jedoch nicht erinnern, so Fröhlich.

Auch die von ihm verwendet Begrüßungs- und Abschiedsformel „Heil Dir“ bei Burschenschaftstreffen auf seinem Anwesen in Köthel verteidigt Fröhlich als in diesen Kreisen aufgrund der Historie üblich und wies auf entsprechende Landeshymnen hin. Zuletzt war Fröhlich auch in die Kritik geraten, weil er zu einer Veranstaltung mit Björn Höcke auf sein Kötheler Anwesen geladen hatte.

Auch Vorwürfe gegen Kreisvorsitzenden der AfD, Hasso Füsslein

Umfangreiche Vorwürfe gibt es auch gegen den Kreisvorsitzenden Hasso Füsslein. Unter anderem soll er während einer Wahlkampf-Party im Garten laut das verbotene Lied „... denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt ...“ gesungen haben. Wiederholt werden auch die Vorwürfe an Füsslein, dass dieser 2014 versucht habe, den Ex-NPDler Kay Oelke in die AfD zu holen.

Letzteres bestreitet Füsslein, während Oelke die Vorgänge detailliert beschreibt. Inzwischen ist offenbar auch der AfD-Landesvorstand um die selbst zum rechten Flügel zählenden Doris von Sayn-Wittgenstein von ihren Vorwürfen abgerückt.

Kritik aus den anderen Parteien

Mit deutlicher Kritik reagieren nach CDU und FDP nun auch die Grünen. „Angesichts der personellen Aufstellung der AfD im Kreis Herzogtum Lauenburg überraschen mich die Vorwürfe gegen Herrn Füsslein nicht“, sagt Kreissprecher Marcus Worm. Bezeichnend sei, dass die Landesvorsitzende Sayn-Wittgenstein, die dem deutschnationalen Flügel um Björn Höcke nahe steht, einen Rücktritt fordere. Annedore Granz, Fraktionsvorsitzende im Kreistag, kündigt an, „die Ausfälle von Herrn Füsslein zum Thema im Kreistag“ zu machen.

Der Landtagsabgeordnete Burkhard Peters ergänzt: „Dieses Manöver von Frau Sayn-Wittgenstein ist durchsichtig, geht es doch einzig und allein darum, eine Überwachung durch den Verfassungsschutz zu verhindern. Dies wird jedoch eine gemäßigtere Sprache, die sich die Partei selbst verordnet hat, nicht ändern.“

Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz bezeichnet die AfD als „eine Gefahr für unsere Freiheit und unseren Rechtsstaat – in unserem Kreis, im schönen Schleswig-Holstein und auch in der Bundespolitik“.

Holger Marohn

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