Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Funktioniert ein Leben ohne Smartphone und Co?
Lokales Lauenburg Funktioniert ein Leben ohne Smartphone und Co?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:12 12.03.2016

Wenn man sich als Schüler dazu entschließt, ein Auslandsjahr in einem weit entfernten Land zu absolvieren, macht man sich auf Abenteuer und Spaß, aber auch Herausforderungen gefasst. Eine dieser Herausforderungen, mit denen ich bei meinem Aufenthalt im chinesischen Internat am meisten kämpfen musste: Ein Alltag ohne Fernseher, Internet und Smartphone. Das Handy musste ich gleich bei der Ankunft abgeben.

Diesen Text schrieb Emma Lindner (16). Quelle: hm

Unvorstellbar, oder? Der Versuch, mein geliebtes Handy einfach zu behalten und so zu tun als besäße ich gar keines, scheiterte. Einfach weil jeder, der nicht in den Tiefen des Regenwaldes aufgewachsen ist, ein Handy hat. Meine Lehrerin durchschaute mich sofort. Und ich kann eins sagen: Die ersten drei Wochen fühlte ich mich wie ein Drogenabhängiger auf Entzug — was ich im Grunde genommen ja auch war. Schon traurig, wie verloren, leer und abgekapselt man sich fühlt, wenn einem ein kleines Kästchen von etwa 80 Gramm weggenommen wird. Es erscheint unerträglich oder sogar unmöglich, durch den Alltag zu kommen ohne alle paar Minuten auf das Smartphone zu blicken.

Auch bei uns in Mölln scheint man diese Tatsache bereits akzeptiert zu haben. Über Hotspots ist Highspeed-Internet inzwischen praktisch überall in der Innenstadt verfügbar. Und auch im Stadthaus gibt es einen kostenlosen Zugang für Jedermann.

Fragt sich nur, ob es sich dabei um eine Bereicherung handelt, oder nur den Konsum der digitalen Welt fördert. Denn auch meine Entzugsphase ging vorüber und ich fing an, richtig Gefallen daran zu finden. Erstaunlich, wie viel Zeit übrig bleibt, wenn man nicht dauernd auf ein viereckiges Display starrt. Man redet, liest, denkt, nimmt die Welt direkter wahr.

Nicht nur die Hotspots — alle Geräte im Bereich der Technik sind uns von Vorteil. Mit den neuesten Versionen unserer Smartphones oder Tablets gewinnen wir eine Menge. Aber man sollte sich hin und wieder vor Augen führen, was wir alles verlieren könnten. Wie den unmittelbaren Kontakt mit Umwelt und Mitmenschen, der immer mehr in den Hintergrund rückt.

Wussten Sie, dass die Frau von Microsoft-Gründer Bill Gates, Melinda Gates, laut Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung ihren eigenen Kindern die Handynutzung verbietet? Dass sie den eigenen Kindern eine bunte Bilderbuch-Kindheit verschafft, während der Durchschnittsbürger seinen Kindern iPhones und Tablets zu Weihnachten kauft, fest in der Überzeugung, man brauche das in der heutigen Zeit? Es geht nicht darum, dass Smartphone oder das Internet an sich zu „verteufeln“, sondern lediglich den immer steigenden Konsum davon.

Richtig ist nicht, die Benutzung der Medientools komplett aufzuheben. Richtig ist, sich das Maß der eigenen Konsumierung gründlich zu überlegen.

Von Emma Lindner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gleichstellungsbeauftragte stellt nächste Auflage des lauenburgischen Ratgebers vor.

12.03.2016

Hiller-Ohm zum Frühstück in Siebenbäumen Siebenbäumen. Zu einem politischen Frühstück lädt der SPD-Ortsverein von Siebenbäumen am Sonntag, 13. März, ein.

12.03.2016

Nicht zuletzt mit breiter Unterstützung der Stadtvertretung hat Jan Wiegels das Rennen um die Bürgermeisterwahl gewonnen — Die Freude darüber ist an Forderungen geknüpft.

12.03.2016
Anzeige