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Lauenburg Fusion: Großpfarrei für 15 000 Katholiken entsteht
Lokales Lauenburg Fusion: Großpfarrei für 15 000 Katholiken entsteht
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20:25 31.05.2018
Ein Ort mit Geschichte: Am Ansverus-Kreuz in Einhaus am Ratzeburger See, wo traditionell auch immer die Ansverus-Wallfahrt sowie zahlreiche kirchliche – sowohl katholische als auch evangelische – Jugendlager stattfinden, soll die neue Pfarrei errichtet werden. Quelle: Foto: Ln-Archiv
Ratzeburg/Bad Oldesloe

Für die neue Pfarrei Sankt Ansverus werden die katholischen Gemeinden Ahrensburg mit Großhansdorf, Ratzeburg, Mölln, Bad Oldesloe mit Reinfeld, Bargteheide, Trittau sowie Kloster Nütschau, das Don Bosco-Haus in Mölln und das Kinder- und Jugendhaus St. Josef in Bad Oldesloe zusammengeschlossen. Insgesamt leben 14921 Katholiken in dem Gebiet.

Für Menschen katholischen Glaubens im Herzogtum Lauenburg und in Stormarn entsteht die Pfarrei St. Ansverus. In ihr werden sechs Gemeinden und drei Orte kirchlichen Lebens zusammengelegt. Dann gehören 15000 Gläubige zur neuen Großpfarrei.

„Man kann Kräfte konzentrieren, was einzelne Gemeinden nicht leisten können." Christoph Scieszka, künftiger Pfarrer von St. Ansverus

Erzbischof Stefan Heße wird am Sonntag, 10. Juni, in einer Heiligen Messe um 11 Uhr auf der Ansverus-Wiese in Einhaus bei Ratzeburg die alten Kirchenbücher in Empfang nehmen, sie schließen und ein neues Kirchenbuch öffnen. Pfarrer der neuen Pfarrei wird Christoph Scieszka. Er wird im Festgottesdienst in sein Amt eingeführt.

Hintergrund der Fusion ist laut Pfarrer Germain Gouèn aus Ratzeburg ein Erneuerungsprozess, mit dem die katholische Kirche moderne Strukturen für die künftige Arbeit schaffen will. „Es gibt weniger Pfarrer, aber auch weniger Gläubige“, so Pfarrer Gouèn. „Wir müssen in diesem Jahrhundert leben und Anpassungen treffen, um mit der Zeit zu gehen.“ Das sei nichts Negatives, sondern ein Prozess, um mit den vorhandenen Mitteln arbeiten zu können. „Die Gemeinden vor Ort werden dadurch gestärkt“, betont Gouèn. Jede der sechs Gemeinden, die in der Fusion aufgehen, stelle ein Team aus ehrenamtlich tätigen Gemeindemitgliedern auf, die künftig sämtliche pastorale Aktivitäten in ihrer Kirchengemeinde koordinieren.

Ehrenamt arbeitet mit

 Für die neue Großpfarrei St. Ansverus wird Christoph Scieszka als Pfarrer zuständig sein. Die bisherigen Pfarrer verlieren diesen Titel und werden als Pastor, Priester und Seelsorger weiter in der Pfarrei arbeiten. „In der katholischen Kirche ist der Pfarrer der Vorgesetzte“, erläutert Pastor Gouèn die Hierarchie. „Eine Pfarrei hat nur einen Pfarrer, der der Chef für die anderen ist. Die bisherigen Pfarrer bleiben, haben aber dann einen anderen Titel.“ Gemeinsam erstellen die Ehrenamtlichen zusammen mit den hauptamtlichen Priestern, Gemeindereferenten und Mitarbeitern der Orte kirchlichen Lebens unter Begleitung durch das Erzbistum Hamburg ein Pastoralkonzept als Grundlage für die weitere Arbeit in der neuen großen Pfarrei. „Ehren- und Hauptamtliche setzen gemeinsam die Schwerpunkte, in denen zukünftig Priester und Gemeindereferentinnen tätig werden sollen.“ Ehrenamtliche bekämen dadurch jetzt mehr Mitspracherechte, so Gouèn weiter. „Das Gemeindeleben wird dann von vielen verantwortet. Die Kirchen bleiben erhalten, das Leben in den Kirchen wird künftig von einem Gemeindeteam zusammen mit den Hauptamtlichen organisiert. Darin liegt eine große Chance.“ Das sieht auch der neue Pfarrer Christoph Scieszka so. „Die Zusammenlegung bedeutet eine große Chance, weil in einem Kirchenvorstand viele Köpfe mitdenken“, erklärt er. „Man kann dadurch Kräfte konzentrieren, was einzelne Gemeinden nicht leisten können.“ Dafür würden Fachausschüsse gebildet, die ihr Wissen einbringen. „Das Konzept ist neu und anders, aber nichts, wovor man Angst haben muss. Wir schreiben eine neue Geschichte und haben viel Hoffnung, dass wir gemeinsam stärker sind.“

Mit Zuversicht in die Zukunft

Der 40-Jährige, der aus Schlesien stammt, studierte zunächst Medienwissenschaften in Polen, ehe er in Polen und Konstanz das Studium zum katholischen Geistlichen absolvierte. Nach Stationen in Bayern, Hamburg, Mecklenburg und Kiel übernimmt Scieszka nun die neue Pfarrei St. Ansverus. „Ich blicke zuversichtlich in die Zukunft und möchte weitere Menschen gewinnen.“

Der Ort der Neugründung wurde mit Bedacht ausgesucht. „Wir feiern am St. Ansverus-Kreuz und gehen damit so zu sagen zurück an die Quelle“, erklärt Pfarrer Gouèn. Ansverus war ein Benediktinermönch im 11. Jahrhundert, der im Alter von 28 Jahren in Ratzeburg als Märtyrer bei der Verteidigung seines Glaubens starb. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts steht an der mutmaßlichen Stelle seiner Steinigung ein Radkreuz aus Kalkstein. Die Gebeine des Mannes, der in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird, wurden in den Ratzeburger Dom überführt.

Begegnung am Sonntag

Die Messe auf der St. Ansverus-Wiese in Einhaus bei Ratzeburg bietet am 10. Juni von 9 Uhr an die Möglichkeit zur Begegnung. Um 11 Uhr führt Erzbischof Stefan Heße im Festgottesdienst Pfarrer Christoph Scieszka ins neue Amt ein.

Im Anschluss folgt ein Festprogramm mit gemeinsamem Singen und Tanzen. Für Kinder werden Spaßangebote wie Ball- und Geschicklichkeitsspiele, Seifenblasen und vieles mehr vorbereitet.

 Bettina Albrod

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