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Lauenburg GITZ-Firmen identifizieren verschollene Opfer in Vietnam
Lokales Lauenburg GITZ-Firmen identifizieren verschollene Opfer in Vietnam
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13:04 11.02.2016

„Ich freue mich, dass hier nicht nur Firmen aus dem GITZ erneut an einem großen internationalen Auftrag beteiligt sind, sondern dass die Nachbarschaft im GITZ zu der Kooperation geführt hat. Allein für sich hätten es beide Firmen nicht leicht gehabt, hier zum Zug zu kommen“, erklärt Rainer Döhl-Oelze, der Geschäftsführer des GITZ. „Das sind die Effekte, die ein Technologiezentrum auszeichnen!“

Olaf Jüttner arbeitet seit etwa 40 Jahren in Asien, war in Taiwan, Japan, Indonesien, Malaysia und Korea. Er schätzt, dass er schon mehr als 250 Mal im Flieger nach Asien unterwegs war, meistens in Sachen Export von Maschinen- und Industrieanlagen. „Heute kümmere ich mich um das Engineering in vielen Bereichen, von Recycling über Müllbeseitigung bis hin zu Laborausstattung“, berichtet Jüttner.

Über all diese Aufgaben gelangte er bis in hohe Regierungskreise. Jüttner, der auch Europarepräsentant der Advanced International Stock Company (AIC) ist, sagt: „Solche Kontakte sind unerlässlich, denn die Regierung gibt die Finanzmittel für große Projekte frei.“

Im neuesten Projekt, der groß angelegten DNA-Untersuchung, sollen bis 2020 mindestens 80000 der schätzungsweise 650000 im Vietnam-Krieg verschollenen Opfer anhand ihrer sterblichen Überreste identifiziert werden. „Die meisten Menschen in Vietnam gehören dem Buddhismus an, da ist es sehr wichtig, den Verbleib der Angehörigen zu kennen“, weiß Jüttner. Er machte sich schlau, wen er als Partner mit ins Boot holen könnte — und wurde direkt im GITZ bei Andreas Zucker, der 2002 Biontis gegründet hatte, fündig. „Wir entwickeln für Analysen die nötige Gerätetechnik und schulen bei Bedarf die Bediener“, erklärt Zucker. „Mit unserem Komplettpaket haben wir in Vietnam überzeugt.“

„Deutsche Technologie ist in Vietnam heiß begehrt“, berichtet Jüttner. Und AIC ist ein großer Know-how-Lieferant. Der DNA-Auftrag diesmal ist eine extreme Herausforderung: Die Knochen der Kriegsopfer lagen jahrzehntelang nur in geringer Tiefe, sind durch das feuchtwarme Klima und mikrobiellem und Pflanzenbewuchs in Mitleidenschaft gezogen. Und: Die Soldaten damals waren jung, hatten nur selten Kinder, die eigenen Eltern sind unterdessen gestorben. Da wird es eine große Aufgabe sein, Angehörige zu ermitteln. Die geplante Datenbank soll helfen, DNA von Toten und Bürgern abzugleichen. Ein automatisierter Arbeitsablauf während der Vergleiche soll Fehler ausschließen.

„Brutstätte“ des Wissens

Das Geesthachter Innovations- und Technologie-Zentrum (GITZ) wurde 1999 gegründet, 2001 wurde auf dem Gelände des damaligen GKSS-Forschungszentrums der erste Bauabschnitt eingeweiht. Damals gründeten Wissenschaftler aus dem GKSS mit ihren Forschungsergebnissen eigene Firmen. GITZ-Geschäftsführer Rainer Döhl-Oelze bezeichnet das Zentrum als „Inkubator“ (Brutkasten) in dem junge Unternehmen wachsen können.

2015 gab es im GITZ zwei Aus- und fünf Einzüge. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um zwölf Prozent auf 128, der Umsatz stieg um 15 Prozent auf mehr als 19 Millionen Euro.

Timo Jann

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