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Lauenburg Gästezimmer, in denen einst Mönche beteten
Lokales Lauenburg Gästezimmer, in denen einst Mönche beteten
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18:13 07.07.2017
Zwischen diesen tragenden Säulen haben schon vor Jahrhunderten Prämonstratenser-Mönche gebetet. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Heutzutage muss man kein Mönch und keine Nonne sein, um einmal eine Zeit in einem Kloster zu leben. In Ratzeburg ist das auch für einige Menschen möglich – sofern sie an einer Ausbildung, einer Tagung oder sonst einer mehrtägigen Veranstaltung im Domkloster auf der Insel teilnehmen.

Paramentenwerkstatt, Pastoralkolleg und Predigerseminar unter einem Dach.

Das ehemalige Kloster an der Nordspitze der Altstadtinsel, ein im 13. Jahrhundert entstandener Anbau des weit über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus bekannten Ratzeburger Doms, ist heute vor allem eine Bildungsstätte.

In dem dreistöckigen Backsteinbau in Hanglage haben das Pastoralkolleg und das Predigerseminar der Nordkirche ihr Domizil. Vikare, also angehende Pastoren, werden ausgebildet, amtierende Pastoren nehmen an Fortbildungen teil. Betreut werden die Besucher dabei von der Vorwerker Diakonie aus Lübeck, die auch das Gästehaus Domkloster gleich nebenan betreibt.

Mit diesem Gästehaus hat die Vorwerker Diakonie, die das Haus im Jahr 1989 übernommen hat, ohne Zweifel eine Modelleinrichtung geschaffen. „Hier wird Inklusion gelebt“, erläutert Ingeld Paulsen, Leiter der Einrichtung. Das Gästehaus samt der Zimmer im Kloster wird nämlich gemeinsam von Menschen mit und ohne Behinderungen organisiert. Paulsen: „Was Ende der 1980er Jahre noch als revolutionär und risikoreich galt, hat sich mittlerweile als Erfolgsmodell bewährt. Menschen mit Behinderungen übernehmen bei uns vielfältige Aufgaben – zum Beispiel die Zubereitung der Mahlzeiten, den Zimmerservice, die Vorbereitung von Seminarräumen oder die Pflege der Außenanlagen.“

Im Tagungsbetrieb arbeiten unter fachlicher Anleitung derzeit 21 geistig behinderte Frauen und Männer. „Mit ihnen und den Kollegen des Predigerseminars ist eine lebendige Hausgemeinschaft gewachsen“, lobt Paulsen. Eine so enge und problemlose Zusammenarbeit sei auch heute noch in Schleswig-Holstein weitestgehend einmalig. Gekocht werden kann zum Beispiel für bis zu 50 Gäste, die morgens und abends vom Buffet essen, mittags gibt es ein Drei-Gänge-Menü überwiegend mit regionalen Produkten.

Die 33 Gästezimmer befinden sich alle in den historischen Mauern des Klosters, das an den Ratzeburger Dom anschließt und mit ihm durch einen Kreuzgang verbunden ist.

Der erste Ratzeburger Bischof Evermod gehörte dem Prämonstratenser-Orden an. Deshalb setzte sich auch das Domkapitel aus Angehörigen dieses 1120 in Frankreich gegründeten Ordens zusammen. Die Mönche lebten in kargen Kammern im Domkloster.

Luxuriös sind die Wohnräume auch heute nicht ausgestattet, doch sie sind dem 21. Jahrhundert angepasst und verfügen allesamt über Dusche, Toilette und Internetzugang. Dass die Tagungsräume hinter den historischen Mauern inzwischen mit den modernsten Präsentationsmedien ausgerüstet sind, versteht sich von selbst.

Nicht vergessen werden darf aber eine andere Einrichtung, die seit ihrer Gründung im Jahr 1954 in den Räumen des Domklosters untergebracht ist: die Paramentenwerkstatt, die sich seit 1981 in Trägerschaft der Stiftung Alsterdorf befindet, und die durch ihre künstlerisch gestalteten und handwerklich gefertigten Paramente längst bundesweit Beachtung gefunden hat. Von Wuppertal bis Greifswald, von Bielefeld bis Bordesholm – die schönen Textilien, die hier hergestellt wurden, schmücken Gotteshäuser in ganz Deutschland.

Orte der Begegnung

Die Vorwerker Diakonie, für die Betreuung der Gäste im Ratzeburger Domkloster zuständig, wurde 1906 in Lübeck gegründet, zunächst unter dem Namen „Verein zur Fürsorge für Geistesschwache“. Diese Behindertenhilfe-Einrichtung war die erste ihrer Art in der Hansestadt und für ihre Zeit sehr modern, denn von Anfang an stand die pädagogische Betreuung der Bewohner im Fokus.

Der Verein ist inzwischen zu einer gemeinnützigen GmbH geworden und betreibt außer in Ratzeburg auch ein Gästehaus in Plön. „Das Besondere an den Häusern ist, dass sie gemeinsam von Menschen mit und ohne Behinderungen organisiert werden“, sagt Melina Ottensmeier, Sprecherin der Organisation. Dadurch seien es Orte der Begegnung für Menschen, die mit unterschiedlichen Voraussetzungen ihr Leben gestalten. nd

Norbert Dreessen

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