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Lauenburg Gauck: Nordkirche zeigt einen "beispielhaften Einigungsprozess"
Lokales Lauenburg Gauck: Nordkirche zeigt einen "beispielhaften Einigungsprozess"
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13:33 27.05.2012
Joachim Gauck spricht beim Gründungsfest der Nordkirche. Quelle: dpa
Ratzeburg

Mit dem Zusammenschluss von drei pommerschen, mecklenburgischen und nordelbischen Landeskirchen entsteht die fünftgrößte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands.

Mit einer Erklärung, die alle fünf bischöflichen Personen sprachen, und dem nizänischen Glaubensbekenntnis wurde die Gründung der "Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland" - so der offizielle Name - vollzogen. Zwei Tänzerinnen und ein Tänzer setzen die Verbindung mit einer Segel-Performance in Szene. Die drei Segel, von Künstlern aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Vorpommern gestaltet, verschmolzen symbolisch zu einem einzigen Segel. Die ARD übertrug den Gottesdienst live im Fernsehen, die romanische Basilika war in gleißendes Scheinwerferlicht getaucht.

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Für Bischof Gerhard Ulrich, den Vorsitzenden der Kirchenleitung, ist der Zusammenschluss der drei Kirchen eine Folge der friedlichen Revolution, "die die Zäune und die Mauer niedergerissen hat, die die Sehnsucht nach Freiheit umgewandelt hat in den Mut, das Getrennte zusammenwachsen zu lassen". In Bezug auf die Nordkirche sei klar: Wer auf dem Sprung aus Vertrautem sei, wer abspringe, "der ist für eine Weile mit beiden Beinen in der Luft, haltlos, angewiesen auf Vertrauen, dass die Landung gelingt." Nordelbien und seine Schwesterkirchen im Osten seien aufgebrochen aus Vertrautem. "Nichts ist mehr wie vorher."

Bischof Andreas von Maltzahn (Schwerin) warnte vor allzu großer Skepsis: "Wir erfinden Kirche nicht neu. Aber wir wollen dem Geist der Erneuerung Platz geben", ermunterte er. Segel setzen, heiße das Motto des Gründungsgottesdienstes, hatte Bischof Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald) die 700 Gottesdienst-Besucher begrüßt. "An Bord eines Schiffes ist das ein Kommando. Heute ist es eine Einladung an alle." Abromeit rief zum Mitmachen und Mitziehen auf.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck überbrachte der Nordkirche seine Glückwünsche. Er begann seine launige Rede nach dem Gründungsgottesdienst mit der Bemerkung: "Als Bundespräsident habe ich hier eigentlich nichts zu suchen." In diesem Land gelte die strikte Trennung von Staat und Kirche. "So, und nun bin ich trotzdem hier", sagte Gauck, der früher Pastor in Rostock war. Gauck bekannte, dass er die Fusion der Nordkirchen nicht für möglich gehalten habe. Und fügte mit ironischem Augenzwickern an: "Ich weiß aus eigener Anschauung, wie Mecklenburger und Pommern sich mögen!" Auch wenn es zwischen den drei fusionierten Landeskirchen vieles Verbindendes gebe und immer schon gegeben habe, warne er doch davor, "zu viel zu erwarten von dieser neuen organisatorischen Einheit".Und doch gebe es heute allen Anlass zu feiern: Die Kirchen im Norden hätten beispielhaft einen Einigungsprozess hinbekommen, „der sehr viel tiefer ging, menschlich anspruchsvoller und bereichernder war als ein Verwaltungsakt“.

Für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern nannte der Kieler Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) die Kirchenfusion in seinen Grußwort einen zukunftsweisenden und bahnbrechenden Schritt. "Meine allergrößte Hochachtung, dass Sie ihn gegangen sind", zollte Carstensen Lob. Eigene Interessen und Traditionen seien zurückgestellt worden, um den Mitgliedern der Kirchen eine neue geistliche Heimat zu geben. "Wenn sich die Menschen heute so geborgen in ihrer Kirche fühlen wie gestern, dann haben Sie alles richtig gemacht", sagte der scheidende Regierungschef.

Die beiden großen Landtagsfraktionen gratulierten schriftlich. Rolf Fischer (SPD) sprach von einem großen historischen Ereignis "von epochaler Bedeutung". Die Fusion sei "ein Signal der Gemeinschaft und Solidarität der evangelischen Christen Norddeutschlands an alle evangelische Christen. Johannes Callsen (CDU) wünschte der Nordkirche "von Herzen alles Gute". "Auf dass die mit der Fusion verbundenen Ziele und Wünsche ihrer Mitglieder Wirklichkeit werden", betonte Callsen. Die Kirche gebe der Gesellschaft "auch in diesen nicht einfachen Zeiten Orientierung". Das sei von unschätzbarem Wert.

Curd Tönnemann

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