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Lauenburg Geesthacht: Bewährung für Methadon-Ärzte
Lokales Lauenburg Geesthacht: Bewährung für Methadon-Ärzte
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15:00 26.11.2018
Die Notaufnahme des Johanniter-Krankenhauses Geesthacht. Quelle: TIMO JANN
Lübeck/Geesthacht

Sie gaben über Jahre in tausenden Fällen die Ersatzdroge Methadon an Suchkranke ab. Doch sie haben sich nicht wirtschaftlich bereichert und sollen nach Auffassung des Gerichts ihre Approbation behalten: Zwei Mediziner im Alter von 63 und 57 Jahren sind heute dennoch wegen unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln in Tateinheit mit der unerlaubten Abgabe von Verschreibungspflichtigen Medikamenten in weit über 2000 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Diese Tatbestände sah das Gericht als erwiesen an. Die zwölf in der Anklageschrift aufgeführten Fälle des gewerbsmäßigen Betruges sah die Dritte Große Strafkammer des Landgerichts Lübeck allerdings nicht als bewiesen an. Die Mediziner haben außerdem die Auflage 3000 und 3800 Euro an die psychiatrische Einrichtung „Brücke“ im Kreis Herzogtum Lauenburg zu zahlen.

Kein wirtschaftlicher Vorteil

„Es ist nach der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung verboten, diese Suchtmittelersatzstoffe selbst abzugeben“, sagte der Vorsitzende Richter Kai Schröder in seiner Urteilsbegründung. Die Mediziner, ein 63-jähriger frühere Leiter der psychiatrischen Abteilung des Johanniter-Krankenhauses in Geesthacht sowie ein 57-jähriger Oberarzt, hatten den Patienten teils Methadon mit nach Hause gegeben, anstatt das Medikament in der Praxis unter medizinischer Aufsicht zu verabreichen. Das „Konstrukt“, dass der Automat die Apotheke quasi ins Krankenhaus versetzt habe, ließ Schröder nicht gelten. „Das ist der Wermutstropfen in ihrem Geständnis. Wir nehmen ihnen nicht ab, dass sie es nicht wussten“, sagte Schröder. Beide hätten schließlich eine suchtmedizinische Vorbildung. Die Angeklagten hätten sich dem angeklagten Straftat-Bestand weitgehend schuldig gemacht und auch die Ermittlungen der Polizei hätten zu diesem Ergebnis geführt. Gleichwohl sei es ein hochverständliches Verfahren, das die Mediziner entwickelt hätten. Denn es sei zum Wohle der Patienten entwickelt worden, die Mediziner hätten sich nicht bereichert und kein Patient sei zu Schaden gekommen.

Approbation könne erhalten bleiben

„Wir gehen davon aus, dass ihre Approbation bei dieser Strafe nicht gefährdet ist.“ Das Strafmaß wurde im Verfahren auf einen Strafrahmen von sechs bis neun Monaten begrenzt. Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung hatten dieses Vorgehen gemeinsam ausgehandelt. Voraussetzung dafür war ein Geständnis der angeklagten Mediziner. Seit Juli mussten sich die beiden Ärzte dafür verantworten, in einer Drogenambulanz in Geesthacht die Ersatzdroge Methadon an Suchtkranke abgegeben zu haben, was nach Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung Apotheken vorbehalten sei. Die Frage, wer das Medikament letztlich abgegeben hatte, gestaltete sich als schwierig, weil die Patienten, die laut Gericht aufgrund ihres Suchtverhaltens nicht für Wartezimmer “tauglich“ gewesen seien, sich das Medikament an einem Automaten ziehen konnten. Die Vielzahl der Fälle zu verurteilen, denn etwa 30 Patienten kamen über sieben Jahre fast täglich, hätte „absurde“ Züge, hieß es.

Methadon wurde mitnach Hause gegeben

Wiederholt hatten die Angeklagten im Verfahren betont, niemanden geschädigt zu haben, sondern aus zum Patientenwohl gehandelt zu haben. Die Suchtkranken seien durch ihr Auftreten übewiegend nicht von niedergelassener Ärzten und Apothekern geduldet worden. Die Staatsanwaltschaft hatte für etwas höhere Strafen von sieben und neun Monaten plädiert. Die Verteidigung, die am Anfang des Verfahrens sogar Freisprüche ins Gespräch brachte, plädierte letztlich für eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Der ehemalige Psychiatrieleiter sei mittlerweile in der Geriatrie tätig und werde laut seinem Verteidiger nie wieder im psychiatrischen Bereich arbeiten wollen. Vorbestraft waren beide Angeklagten nicht.

Florian Grombein

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