Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Geesthacht als Tor zur Welt der Wissenschaft
Lokales Lauenburg Geesthacht als Tor zur Welt der Wissenschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:41 19.02.2018
Im Schülerlabor „Quantensprung“ des Helmholtz-Zentrums – hier Liesa Mälk, Lea Riedel, Maja Jacobsen und Jacqueline Ballack (v.l.) bei einem Experiment – können junge Menschen forschen. Quelle: Fotos: Archiv/albrod
Geesthacht/Bargteheide

Ein Neunjähriger aus Schleswig-Holstein hat 2016 im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend forscht“ eine Folien-Brille entwickelt, die gegen seine Rot-Grün-Blindheit hilft. Zwei Schüler aus dem Saarland siegten 2017 mit einem Sensor für saure Milch. 2018 treten auch wieder Stormarner Schulen an, um sich am Freitag mit wissenschaftlichen Projekten beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ in Geesthacht zu beweisen. Organisiert wird der Wettbewerb unter anderem von Dr. Christine Germer, Lehrerin für Chemie und Physik in Bargteheide, in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum.

 

Die Bargteheider Lehrerin Dr. Christine Germer ist seit 2005 für „Jugend forscht“ im Einsatz.

„Der Wettbewerb will das Interesse an naturwissenschaftlichen und technischen Fächern wecken und denjenigen einen Raum bieten, die in ihrer Freizeit nicht Fußball spielen, sondern lieber forschen wollen“, erläutert Christine Germer. Wo die sonst eher als Nerds gesehen würden, könnten sie im Rahmen des Wettbewerbs Gleichgesinnte treffen und ihre Begabung ausleben. „Anders als bei anderen Wettbewerben wird hier keine Aufgabe vorgegeben, sondern die Schüler müssen kreativ sein und eine eigene Forschungsfrage finden, die sie untersuchen.“ Möglichst wissenschaftliches Arbeiten und eine eigenständige Auseinandersetzung mit Forschungsfragen sind gewollt.

„Wachstum von Schimmelpilzen“ heißt ein Forschungsprojekt, mit dem das Gymnasium Trittau an den Start geht. „Robotic- Muscle“ nennen drei Berufsschüler aus Bad Oldesloe ihr Thema, am Kopernikus Gymnasium Bargteheide geht es um „Alternative Stromgewinnung“. Beim Wettbewerb „Jugend experimentiert“, der für Schüler unter 14 Jahre da ist, geht es etwa bei Finja Wittrin, Agit Balur und Luca Fick von der Alfred- Nobel-Schule Geesthacht um Bonbons aus natürlichen Zutaten. „Bei jüngeren Schülern geht es ums Experimentieren, bei den älteren dann um eigene Forschungsleistungen“, erläutert Germer die Ausrichtung der Wettbewerbe.

Einstieg in den Wettbewerb ist eine 15-seitige Arbeit, in der die Schüler ihr Projekt vorstellen müssen. Nur wenn die Jury zustimmt, können sie sich dann auf einem der drei Regionalwettbewerbe in Geesthacht, Elmshorn oder Heide präsentieren. Das Eckhorst-Gymnasium aus Bargteheide wird in Elmshorn antreten. Christine Germer ist seit 2005 Betreuungslehrerin für „Jugend forscht“ und hat seit 2012 die Organisation in Geesthacht inne. „In diesem Jahr sind 40 Projekte zugelassen worden“, sagt sie, „ich habe alle Arbeiten dazu gelesen“. Sie bedauert, dass sich nicht mehr Schulen an dem Wettbewerb beteiligen, der allerdings recht arbeitsaufwändig ist. Dafür ist er mit Ruhm und Ehre verbunden. „Arbeitgeber gucken hin, wenn jemand eine Urkunde von ,Jugend forscht‘ vorweisen kann“, sagt Dr. Germer.

Bei Gisela Glasmachers und Frank Anton – beide Sieger 1975 – führte der Wettbewerb zur Ehe, denn sie lernten einander dort kennen. „Es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn man Professoren seine eigene Arbeit erklären kann“, hat die Pädagogin beobachtet, „die Schüler, die dabei sind, wachsen innerlich.“ Für alle gibt es eine Teilnehmerurkunde, für die Sieger auch kleine Geldpreise. „Außerdem werden Sonderpreise vergeben“, sagt die Chemikerin, „unter anderem der für die ,Zerstörungsfreie Prüfung‘, also Experimente, bei denen nichts explodiert.“ Auch ein Schulpreis von 1000 Euro wird vergeben sowie alle zwei Jahre die Ehrung als „Jufo“-Schule, für die es 3000 Euro Preisgeld gibt. Die Sieger treten im März auf Landesebene gegeneinander an.

Der Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ in Geesthacht ist am Freitag, 16. Februar, im Helmholtz-Zentrum Geesthacht. 40 Projekte sind dafür angemeldet. Die Öffentlichkeit kann von 14 bis 15.30 Uhr die Arbeiten besichtigen.

Sieg für Geesthachter mit Hilfe für Sehbehinderte

Am 31. März 2017 haben zwei Schüler der Geesthachter Alfred-Nobel-Schule in der Sparte Technik den 1. Platz beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ in Kiel erreicht, nachdem sie sich zuvor beim Regionalwettbewerb durchgesetzt hatten.

Die Idee von Nele Tornow und Fabian Rimmele: Sie haben einen Blindenstock so modifiziert und erweitert, dass er sehbehinderten Menschen im öffentlichen Nahverkehr helfen kann, die Einstiegstüren der U- und S-Bahnen zielsicher anzusteuern.

Verein MINT ist neuer Förderer von Jugend forscht

Der Verein zur MINT-Talentförderung ist neuer Förderer von Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb. Die bundesweite Initiative zur Förderung der besten Talente in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) im Schulbereich wird die Stiftung Jugend forscht e. V. in den kommenden drei Jahren finanziell unterstützen. Mit Unterstützung der Gisela und Erwin Sick Stiftung stiftet der Verein in der Sparte „Schüler experimentieren“ einen neuen Sonderpreis für interdisziplinäre Projekte auf Regional- und Landesebene. Zudem werden alle Preisträgerinnen und Preisträger der Landeswettbewerbe „Schüler experimentieren“ zu einem einwöchigen MINT-Camp in eines der plus-MINT-Talentförderzentren eingeladen, 2018 zur Stiftung Louisenlund in Schleswig-Holstein.

DerVerein will so begabte Tüftlerkinder, Jugend-forscht-Sieger und engagierte Talente zusammenzubringen.

 Bettina Albrod

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!