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Lauenburg Gelbe Säcke landen öfter in der Tonne
Lokales Lauenburg Gelbe Säcke landen öfter in der Tonne
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17:31 09.09.2013

Ein bewährtes Entsorgungssystem droht allmählich zum Auslaufmodell zu werden. Bei ersten Einzelhändlern wie dem Büchener Edeka-Markt Parau gehen Kunden bei der Nachfrage nach Gelben Säcken vermehrt leer aus. Nach Erkenntnissen der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) und der ausführenden Entsorgungsfirma Damm sind die hauchdünnen gelben Behältnisse zum Nulltarif wegen ihrer vielfältigen Verwendbarkeit derart begehrt, dass die Kosten für den Mehrbedarf die Kalkulation des Entsorgers sprengen würden.

Die prall gefüllten Beutel in den Straßen sind an den Abenden vor einem Abfuhrtag seit mittlerweile 20 Jahren auch im Kreis Herzogtum Lauenburg ein gewohntes Bild. Die Trennung von Kunststoffmüll, der meist aus Umverpackungen besteht, und Restabfall ist für die meisten Menschen eine alltägliche Verfahrensweise. Insofern handelt es sich um ein bewährtes System, das allerdings immer löchriger wird. Die Zahlen allein für den Kreis Herzogtum Lauenburg sprechen für sich: Der Umlauf an Gelben Säcken hat sich in den vergangenen zwei Dekaden gut verdoppelt. Das Müllaufkommen ist aber gleich geblieben. Von den jährlich ausgegebenen Gelben Säcken kommt lediglich ein Drittel als gefüllte Plastikmüllsäcke bei den Entsorgungsbetrieben wieder an. Zwei Drittel werden zweckfremd verwendet — und landen schließlich in der Restmülltonne. Was keinesfalls im Sinne des Erfinders des kostenlosen Wertstoffsacks war.

Der Gelbe Sack als Umsonst-Universalbehältnis: Er dient als Kleidersack, als Beutel für Gartenschnitt — oder als Transportbehältnis für voluminöses Leergut. Davon kann Beate Parau (46), Mitgeschäftsführerin des Edeka-Marktes Parau in Büchen, ein Lied singen. Von den vielen hundert Säcken, die die Kassiererinnen des Marktes an Kunden umsonst ausgeben, finden sich zahlreiche in der Mülltonne neben dem Leergutautomaten wieder. „Unser monatliches Kontingent, das wir von der Firma Damm erhalten, reicht meist nur drei Wochen“, berichten Beate Parau und ihr Vater Alex Parau. In einem Kundenaushang versucht die Geschäftsführung des Edeka- Markts, den vielen frustrierten Kunden den Engpass an Gelben Säcken zu erklären: Es gebe feste Kontingente für die einzelnen Händler. Mehr würden die Entsorgungsbetriebe aus Kostengründen nicht herausgeben. Und schließlich verknappe die zunehmende Zweckentfremdung der flatterigen Beutel das Angebot.

Dieter Steffen, Geschäftsführer der Firma Damm, bestätigte auf LN-Nachfrage diese Entwicklung: „Wenn es nach der Nachfrage ginge, könnten wir weit mehr als die derzeit rund 150 Ausgabestellen kreisweit mit Gelben Säcken beliefern. Aber wir sind jetzt schon so weit über der ursprünglich kalkulierten Anzahl, dass da nichts mehr geht.“ Sein Vorschlag für Büchens Edeka-Markt: „Wenn Paraus das zu lästig ist, können sie ja auf die Ausgabe von Säcken verzichten. Aber wir haben ja schon das Kontingent von 700 auf 840 Säcke monatlich erhöht.“ Alles in allem sei das System der Wertstoffentsorgung über die Sammlung in Gelben Säcken schon bewährt. Es gebe aber letztlich nie genug davon, ein altes Problem. Dabei habe tatsächlich die Fremdnutzung dieser Gratisgroßtüte vor allem seit der Umstellung der Getränkeindustrie auf Plastikflaschen einen immer höheren Anteil daran. Den meisten Kunden sei wohl kaum bewusst, so Steffen, dass er unterm Strich für die Zweckentfremdung des Wertstoffsacks über höhere Produktpreise selbst aufkomme. Ändern werde sich laut Steffen erst etwas mit der Einführung der Wertstofftonne, die für etwa 2016/17 in Sicht sei.

Ähnlich sieht das Problem Dennis Kissel, Geschäftsführer der AWSH. Angesicht der hohen Fremdnutzung des Gelben Sacks und eines mit rund zehn Prozent Plastikmüll immer noch ziemlich hohen Anteils im Restmüll sei das Prinzip des Gelben Sacks nicht gerade der Weisheit letzter Schluss. Daher setzt auch er auf die Einführung der Wertstofftonne, allerdings mit verhaltener Begeisterung. Kissel: „Das jetzige System ist nicht optimal, aber die Wertstofftonne wird mit Sicherheit teurer, intransparenter hinsichtlich der Befüllung, und es wird zu einem harten Gefecht bei der Verteilung der Lizenzen unter den Entsorgern kommen.“ Schließlich fehle noch die bindende politische Entscheidung auf Bundesebene. Daher werde für absehbare Zeit zunächst alles so bleiben. Mit dem abendlichen „Gelbschmuck“ am Straßenrand und den wahrscheinlich noch knapper werdenden Säcken bei den Supermärkten.

Matthias Wiemer

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