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Lauenburg Geschichten aus dem „Alten Kreishaus“
Lokales Lauenburg Geschichten aus dem „Alten Kreishaus“
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20:30 01.04.2016
Ein Prachtstück: der Sitzungssaal mit seinen U-förmig angeordneten Tischen und den kostbaren Wandteppichen. Sie wurden vor rund 100 Jahren von der Künstlerin Wanda Bibrowicz geschaffen. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Zweckmäßig ist das jetzige, 1982 eingeweihte Haus der Kreisverwaltung in Ratzeburg sicherlich. Ob es architektonisch ein Volltreffer ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Auf das Vorgänger-Gebäude der Kreisverwaltung, das direkt am Marktplatz steht, trifft diese Beurteilung wohl eher zu.

Das durch den Lübecker Joseph-Wilhelm Petrini errichtet Gebäude diente als Sitz unterschiedlichster Behörden.

Das heute als „Altes Kreishaus“ bezeichnete Anwesen im Herzen Ratzeburgs wurde von 1726 bis 1728 unter Leitung des Lübecker Baumeisters Joseph-Wilhelm Petrini errichtet und diente vom ersten Tag an als Sitz unterschiedlichster Behörden. Dazu zählten unter anderem die Regierungskanzlei, das Kreisgericht und ab 1882 dann auch die Verwaltung des Kreises Herzogtum Lauenburg. Als das Haus am Markt jedoch zu klein wurde, zog der größte Teil der Verwaltung vor 34 Jahren in den Neubau an der Barlachstraße um.

Der Kreis aber blieb Besitzer des stolzen alten Hauses und nutzt es immer noch. Hier hat Kreispräsident Meinhard Füllner sein Büro, weiterhin sind in den drei Stockwerken das lauenburgische Kreisarchiv, die Kreismusikschule, der Zweckverband Schaalsee sowie das Rechnungs- und Prüfungsamt des Kreises untergebracht. Fraktionszimmer für die fünf im Kreistag vertretenen Parteien gibt es auch noch.

Sonderlich repräsentativ sind die meisten Räume nicht — mit einer großen Ausnahme: Der Sitzungssaal ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Prachtstück. Der Kreistag nutzte den Raum mit den langen, U-förmigen Tischen bereits seit 1884. 1909 beschloss man dann, diesen Saal seiner Bedeutung entsprechend zu gestalten, also ihm ein würdigeres Aussehen zu verleihen. Für die Verzierung der ehemals kahlen Wände wurde eine Teppichwirkerei im schlesischen Ober-Schreiberhaus mit der Darstellung lauenburgischer Geschichte auf Wandteppichen beauftragt. Während des gesamten Ersten Weltkrieges arbeitete die Künstlerin Wanda Bibrowicz an den Teppichen und beendete ihre Arbeit schließlich in Schloss Pillnitz bei Dresden, nachdem sie bei Kriegsende Schlesien verlassen musste. Erst 1922 trafen die Kunstwerke in Ratzeburg ein.

Und dann gibt es im Saal noch die „Bismarck-Nische“ mit einem Ledersessel, der für den ehemaligen Reichskanzler reserviert war. Nachdem das Herzogtum Lauenburg am 1. Juli 1876 preußischer Landkreis geworden war, nahm Fürst Bismarck als Besitzer des Sachsenwaldes und Herzog die Wahl zum lauenburgischen Kreistag an. „Mehr als einmal soll er aber nicht an den Sitzungen teilgenommen haben“, erzählt Kreispräsident Füllner. Der Staatsmann hatte wohl Wichtigeres zu tun.

Wer sich für Protokolle von Kreistagssitzungen oder für andere Dokumente der Kreisverwaltung interessiert, der ist im Erdgeschoss des Hauses am Marktplatz richtig, denn dort residiert das Kreisarchiv, geleitet von der Diplomarchivarin Cordula Bornefeld. „Unsere Akten, Urkunden, Bücher, Karten und Zeitungen dokumentieren als Archivgut Einblicke in historische Zusammenhänge. Sie belegen Rechtsverhältnisse und Zeittypisches, tragen so dazu bei, Geschichte hier im Lauenburgischen nachvollziehbar zu machen“, erläutert Bornefeld.

Das Kreisarchiv stehe jedermann offen, fügt sie hinzu — keineswegs nur Historikern, sondern zum Beispiel auch Menschen, die ihre Familiengeschichte erforschen. Die Zahl der Bürger, die dieses Angebot nutzen, wird immer größer.

Musik im Hause

Im Alten Kreishaus am Ratzeburger Marktplatz gibt es nicht nur einiges zu sehen, sondern auch zu hören. Irgendwo erklingt fast immer Musik, denn das vielfältige Angebot der hier ansässigen Kreismusikschule bietet Einzel- und Gruppenunterricht für zahlreiche Instrumente von der Blockflöte bis zum Schlagzeug, von Akkordeon bis zum Saxophon und von der Oboe bis zur Gitarre.

Auch Gesang wird unterrichtet.

Beachtliche Erfolge im Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Landes- oder sogar auf Bundesebene stellten schon öfter die gute Ausbildungsqualität der Kreismusikschule unter Beweis. „Sie zeigen auch, dass die Musizierlust der Schüler auf hohem Niveau ist“, sagt Schulleiter Peter Seibert. Beim jüngsten Regionalwettbewerb in Lübeck, ausgeschrieben vom Bundesmusikrat, erspielten sich 17 Schülerinnen und Schüler der Kreismusikschule erste Preise.

Von Norbert Dreessen

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