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Gesundheitskarte mit „Kinderkrankheiten“

Sandesneben Gesundheitskarte mit „Kinderkrankheiten“

Der Krankenausweis für Flüchtlinge ist noch in der Probephase, es gibt aber noch Probleme in der Verwaltung.  Asylbewerber nehmen ärztliche Betreuung gerne an.

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Im Bild das Ärzteteam der Gemeinschaftspraxis in Sandesneben: von links Dr. Janina Humke, Heidi Brockhaus und Dr. Bernhard Reiß.

Quelle: Joachim Strunk

Sandesneben. Seit dem 1. Februar 2016 gibt es die elektronische Gesundheitskarte (eGK) für Flüchtlinge. Sie soll vor allem zur Vereinfachung der verwaltungstechnischen Abläufe zwischen Arztpraxen, Krankenversicherungen und den Sozialämtern führen – und auch den Flüchtlingen Arztbesuche erleichtern. Die Lübecker Nachrichten haben sich einmal vor Ort erkundigt, welche Erfolge oder auch Probleme es mit der eGK gibt.

„Wir sind eine typische Landarztpraxis mit durchschnittlich 150 Patienten am Tag“, erklärt Dr. Bernhard Reiß von der Gemeinschaftspraxis im Sandesnebener Rosenweg. Grundsätzlich finden Dr. Reiß und seine Kolleginnen Dr. Janina Humke und Heidi Brockhaus die Gesundheitskarte für eine Erleichterung. Jedoch: „Sie befindet sich offenbar noch in der Testphase. Und zwar seitens der Krankenkassen“, so Reiß.

Das Hauptproblem, das vor allem die Praxisverwaltung betrifft, sind die inkorrekten Namen und Daten, die seitens der Krankenversicherung bei der Anlage der Karten erfasst wurden. „Sehr häufig sind die Namen falsch geschrieben, haben sich die Wohnorte kurzfristig geändert und ähnliches. Entsprechend geht das Computersystem dann von verschiedenen Patienten aus.“ Korrekturen seitens der Arztpraxis gelten dann nur für das eigene System, Änderungen auf der Karte würden allenfalls langfristig vorgenommen. „Da scheint die Bürokratie noch überfordert zu sein“, seufzt Dr. Reiß.

„Die Einführung der eGK ändert nichts an dem gesetzlichen Leistungsspektrum, die auf akute und akut behandlungsbedürftiger Erkrankung beschränkt sind“, erklärt Sebastian Flint, Leiter des Sozialamtes in Sandesneben-Nusse. Die Einschätzung der notwendigen medizinischen Behandlung obliege allein dem behandelnden Arzt, der die Maßnahmen mit der Barmer GEK abrechnet. Die gesamten Kosten zuzüglich der Verwaltungsgebühr werden den Krankenkassen von den Sozialämtern erstattet, so dass diese Ausgaben nicht aus der Solidargemeinschaft der Versicherten getragen werden, sondern aus Steuermitteln. Das führt dazu, dass die Ausgaben der eGK für Flüchtlinge für die Berechnung der Beitragssätze der Krankenkassen kostenneutral sind.

„Aus meiner Sicht ist die eGK für Flüchtlinge insgesamt positiv. Das vorherige Verfahren mit Krankenscheinen war 30, 40 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß. Die Sozialämter melden nun die Personen bei den Krankenkasse an oder ab. Die Zusammenarbeit mit der Barmer GEK ist sehr gut, sie sind Spezialisten mit viel Kompetenz und Erfahrung in diesem Bereich“, erläutert Flint.

Auch die Ärzte sehen in der Gesundheitskarte Vorteile – sofern die Anfangsprobleme gelöst sind. „Früher mussten die Flüchtlinge eine Genehmigung für den Arztbesuch beim Sozialamt erbitten. Damit kamen sie zu uns. Wenn wir sie an Fachärzte überweisen mussten, mussten sie erneut zum Amt, um eine weitere Genehmigung zu erhalten. Das war schon eine Rennerei. Bei einer Patientin dauerte es drei Monate, bis sie endlich ihre – physiotherapeutische – Behandlung erhielt“, sagt Dr. Janina Humke.

Ein großes Problem sei die Verständigung. „Ich sage jedem Patienten, dass er unbedingt Deutsch lernen muss“, erklärt Heidi Brockhaus. Nicht nur aus Gründen der Integration, sondern vor allem auch der Anerkennung des Flüchtlingsstatus und damit des Aufenthalts hierzulande. Viel Zeit gehe immer noch bei der Behandlung drauf, weil man sich langwierig über Sprachmittler (deren Dienste übrigens das Sozialamt bezahlt) verständigen müsse. „Am besten ausgestattet sind die Syrer“, sagt Dr. Reiß. Die hätten gute Übersetzungs-Apps auf ihren Smartphones.

Schwieriger sei es, wenn die Patienten einen deutsch-sprechenden Verwandten in Bayern oder sonst wo hätten und dieser am Telefon versuche, zu übersetzen. „Bei Menschen, die oft mit drei oder fünf Familienmitgliedern in die Sprechstunde kommen, kann die Behandlung dann schon bis zu anderthalb Stunden dauern. Und das Wartezimmer wird dabei nicht leerer“, erklärt Brockhaus.

Richtig beklagen über die ratsuchenden, kranken Flüchtlinge kann sich aber kein Arzt. „Nervensägen“ gebe es immer, auch deutsche. „Ich habe die allermeisten Flüchtlingspatienten als freundlich, herzlich und dankbar kennen gelernt“, sagt Heidi Brockhaus.

Barmer fürs Herzogtum

Die Rahmenvereinbarung wurde von der Gesundheitsministerin Schleswig-Holstein im Oktober 2015 und den verschiedenen Krankenkassen unterzeichnet.

Um den Aufwand gering zu halten wurde jedem Kreis oder jeder kreisfreien Stadt eine Krankenkasse zugewiesen. In Lübeck und Stormarn wird die eGK beispielsweise von der DAK Gesundheit realisiert, im Kreis Herzogtum Lauenburg ist es die Barmer GEK.

 Joachim Strunk

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