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Giftmülldeponie: Das Ende ist in Sicht

Groß Weeden Giftmülldeponie: Das Ende ist in Sicht

Platz ist nur noch für 7000 Tonnen dann ist die Sonderabfall-Deponie Groß Weeden „verfüllt“. Spätestens im September rollt die letzte Ladung an. Anschließend beginnt die Nachsorge.

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Luftbild der Deponie. Im Vordergrund der überdachte Polder I a, der als letzter verfüllt wird. Unter der grün bewachsenen Oberfläche ruhen Polder III, IV und V. Im Hintergrund die Polder VI und VII (mit Dach), die jetzt rekultiviert werden.

Quelle: Bernd Kete Koop

Groß Weeden. Diese Nachricht lässt sicher viele Anwohner in Groß Weeden, Sierksrade und Umgebung aufatmen: „Der Betrieb der Sonderabfalldeponie (SAD) Rondeshagen wird zum Jahresende eingestellt“, erklärt Hans-Joachim Berner, Geschäftsführer der GBS, der Gesellschaft zur Beseitigung von Sonderabfällen. Im August, spätestens im September sollten die letzten Lkw-Ladungen mit Rückständen aus industriellen Prozessen, Verbrennungsanlagen (Schlacken, Asche) und Böden aus Sanierungsvorhaben (Ausbaggerungen im Rahmen der Elbvertiefung) angeliefert werden.

LN-Bild

Platz ist nur noch für 7000 Tonnen — dann ist die Sonderabfall- deponie Groß Weeden „verfüllt“. Spätestens im September rollt die letzte Ladung an. Anschließend be- ginnt die Nachsorge.

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„Da tut sich nix mehr!“ Hans-Joachim Berner,

 Geschäftsführer GBS,

 zu möglichen chemischen Reaktionen innerhalb des Deponiekörpers

Im letzten Polder I a, mit einer Gesamtfläche von 22000 Quadratmetern, ist noch Platz für rund 7000 Tonnen Sondermüll. Danach ist Schluss. Dann lagern hier 1,8 Millionen Tonnen Sondermüll in der alten Tongrube im Rondeshagener Ortsteil Groß Weeden.

Keinerlei Grund zur Sorge gibt es nach Ansicht Berners angesichts dieser gewaltigen Masse. Denn: „Der Einbau der jeweiligen Materialien erfolgte im Dünnschichtverfahren. Wir haben die jeweiligen Produkte erst zwischengelagert, chemisch analysiert und überprüft, welches Material passt mit anderem zusammen.“ Erst danach wurde es schichtweise in die Polder eingebracht. „Mit dem Ziel, dass sich das Material dann miteinander verband und derart verfestigte wie Beton.“ Normale Erden wurden nicht eingelagert, weil diese das Gemisch zu locker gemacht hätten.

Anhand der Setzung des Materials, also des Sinkens des Gesamtblocks aufgrund der Verdichtung, die nur Millimeter bei einer Gesamthöhe von 15 Metern ausmachte, sowie der steten Abnahme der Temperatur im Abfallkörper lasse sich ablesen, dass dort so gut wie keine chemischen Reaktionen mehr vonstatten gingen: „Da tut sich nix mehr!“, stellt Berner fest.

Über die Jahre habe man — schon aus eigenem Interesse — immer wieder diverse Messungen vorgenommen und festgestellt, dass „der Schadstoffinventar in der ganzen Deponie weit unter allen Grenzwerten liegt“, so Berner.

Die letzte Dioxin-Untersuchung, die im Auftrag des Amtes Berkenthin 2013/14 durchgeführt wurde, hatte letztlich keine bedenklichen Werte hervorgebracht. „Jeder Ziegelstein aus der ehemaligen Ziegelei, auf deren Gelände die Deponie steht, hat höhere Dioxin-Werte aufgrund der damaligen Brandprozesse als die jetzigen Inhalte der Deponie“, ist sich Berner sicher. Insofern hält er eine weitere Dioxin-Untersuchung frühestens nach abgeschlossener Stilllegung für erforderlich.

Die Polder III, IV und V in der Mitte der Anlage sind bereits seit Jahren verfüllt, rekultiviert (mit Erdabdeckung und Grasbewuchs) und befinden sich im ständig kontrollierten Nachsorgemodus. „Die Überwachung zeigt, dass die Deponie zur Ruhe kommt und sich immer mehr verfestigt“, so Berner. Umweltbelastungen seien bisher nicht festgestellt worden und seien auch in Zukunft nicht zu erwarten.

Die Baumaßnahmen zur Endabdeckung der Polder VI und VII laufen auf Hochtouren. Die Halle über Polder VI ist bereits demontiert und die Oberflächenverdichtung fast abgeschlossen. Bis Ende des Jahres werden diese beiden Abschnitte auch rekultiviert sein.

Vermutlich letztmals haben interessierte Anwohner und Bürger am Mittwoch, 22. Juni, ab 18 Uhr die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen beziehungsweise in den letzten offenen Polder der Deponie zu werfen. Dann nämlich laden Berner und seine SAD-Kollegen zu einem öffentlichen Rundgang über die Deponie Rondeshagen ein mit anschließendem Sonnenwend-Feuer, bei Grillwurst und Kaltgetränken. Geschäftsleitung und Mitarbeiter der Deponie stehen für Gespräche zur Verfügung.

Chronologie der Deponie Groß Weeden

Alles begann 1980 mit dem 1. Planfeststellungsbeschluss für die Errichtung und den Betrieb der Sonderabfalldeponie Rondeshagen.

Gleichzeitig wurde die Gesellschaft zur Beseitigung von Sonderabfall mbH (GBS) mit den gleichberechtigten Teilhabern Hamburg und Schleswig-Holstein gegründet.

Zwei Jahre später , am 1. November 1982, wurde die SAD Rondeshagen mit den Poldern I und II in Betrieb genommen. Damals unter der Führung der Müllverbrennungsanlage (MVA) Stapelfeld GmbH. Kapazität der Deponie: knapp eine Million Kubikmeter, Aufnahmekapazität pro Tag: 500 Tonnen.

1983 wird Polder III und 1986 Polder IV in Betrieb genommen. 1988 ist Polder III schon voll und wird geschlossen.

1989 kommt es zu einem dreimonatigen Schwelbrand aufgrund überhitzter Batterien. Der Vorfall wird allerdings erst zwei Jahre später öffentlich. Im selben Jahr wird Polder V in Betrieb genommen, der mit Abfällen aus I und II befüllt wird.

Am 6. Juli 1989 gründet sich die „Bürgervereinigung gegen die Giftmülldeponie Rondeshagen — Groß Weeden“. Ein Lkw-Fahrer hatte auf dem A1-Parkplatz Sylsbek 5000 Liter hochgiftigen Kresols abgelassen. Diese kontaminierte Erde wurde nach Groß Weeden gebracht. Erste Forderungen nach Bodenproben und Staubmessungen.

Im Jahr 1991   wird Polder IV still gelegt, 1992 die Polder VI und VII nachgerüstet — wegen einer restriktiveren TA (Technische Anleitung) Abfall. 1995 kommt Polder I a hinzu.

Von 1994 bis 1997 protestieren die Bewohner der umliegenden Orte hartnäckig und erfolgreich gegen eine zweite Deponie am Standort Groß Weeden.

1998 freut sich die GBS über die Zertifizierung zum „Entsorgungsfachbetrieb“, was die Skepsis in den umliegenden Orten allerdings nicht verringert.

2005 übernimmt die ländereigene (Hamburg und Schleswig-Holstein) GBS die Führung des Deponiebetriebs und das Betriebspersonal von der MVA Stapelfeld.

2007 plant die GBS eine Befeuchtungsanlage für Filterstaub. Der entsteht unter anderem beim Verbrennen von Weihnachtsgeschenkpapier und enthält Blei, Arsen oder Cadmium.

Bürgerinitiative, Gemeinden und das Amt wehren sich erfolgreich dagegen.

Die letzte Aufregung gab es im 2012, als konzertierte Protestaktionen beabsichtigte Asbest-Transporte von Hannover nach Groß Weeden stoppten. unk

Von Joachim Strunk

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