Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Grander Mühle durch Hochwasser erneut in Gefahr
Lokales Lauenburg Grander Mühle durch Hochwasser erneut in Gefahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:15 24.02.2016
Zum dritten Mal innerhalb gut eines Jahres steht die Grander Mühle unter Hochwasser. Quelle: jeb

Etwa 65 Einsatzkräfte der beiden Organisationen THW und Feuerwehr haben ab Dienstagabend verhindert, dass die historische Grander Mühle im wahrsten Sinne des Wortes absäuft.

Um 16.51 Uhr gab die Leitstelle in Bad Oldesloe Alarm. Das THW aus Mölln lud die eiserne Reserve an gefüllten Sandsäcken auf zwei seiner Fahrzeuge und zusätzlich noch auf zwei Fahrzeuge des Löschzugs Gefahrgut und der Möllner Feuerwehr. Mit einem Radlader wurden die 23 Paletten an der Grander Mühle wieder abgeladen.

Zur Galerie
In der Bildergalerie sehen Sie, wie die Einsatzkräfte gegen das Hochwasser an der Mühle kämpfen.

Jetzt konnten die Helfer beginnen, den schon vorhandenen Deich aus Sandsäcken, der Mitte November des vergangenen Jahres aufgebaut worden war, zu erhöhen und damit ein Eindringen des Wassers in die Mühle zu verhindern. Da die Bille inzwischen eine doch schon recht große Fließgeschwindigkeit hatte und der Damm aus Sandsäcken nicht allzu breit war, sicherten sich alle Einsatzkräfte mit Schwimmwesten.

Da das Wasser immer weiter anstieg, war schnell klar, dass die 1500 Sandsäcke nicht ausreichen würden, um das Gebäude zu schützen. Daher bemühte sich die Einsatzleitung um weitere gefüllte Sandsäcke und wurde schließlich in Geesthacht fündig. Der Leiter des dortigen Ordnungsamtes sicherte den Männern in Kuddewörde kostenlos 20 Paletten mit je 70 Sandsäcken zu, die sie direkt am Bauhof der Stadt Geesthacht abholen konnten.

Derweil blieb den Einsatzkräften nur das Warten auf die Lieferung aus Geesthacht und die wurde genutzt, um sich mit einer Erbsensuppe zu stärken. Die Einsatzleitung um Gemeindewehrführer Mario Brauer und THW-Zugführer Björn Albrecht schauten aber immer wieder auf den Pegel der Bille, der stetig anstieg. „Das Wasser steigt momentan um etwa 10 Zentimeter in der Stunde“, sagte Albrecht.

Schließlich trafen sie vier Lkws mit den Sandsäcken aus dem Süden des Kreises ein und weiter ging die schweißtreibende Arbeit der Einsatzkräfte. Sandsack um Sandsack wurde in dem Damm um das große Mühlrad verbaut. Zusätzlich wurden zwischen Sandsackbarriere und Gebäude zwei große Chiemsee-Pumpen installiert, die jede für sich etwa 2200 Liter Wasser in der Minute fördern kann.

Damit wurde das Wasser direkt hinter der Barriere abgepumpt. Eine der beiden Pumpen sollte die Nacht über durchgehend laufen. Die Einsatzkräfte brachten noch einmal knapp 1000 Sandsäcke aus der Geesthachter Lieferung in den Damm ein. Die übrigen Paletten wurden als Reserve an der Mühle deponiert.

Bürgermeister Wolfgang Gerlach schaute während des Einsatzes an der Mühle vorbei und machte sich selbst ein Bild von der Situation. „Hier ist eigentlich der Besitzer der Mühle, ein Hamburger Rechtsanwalt, in der Pflicht, sein Gebäude zu schützen“, so der Bürgermeister. Es könne nicht sein, dass die Helfer vom THW und die Kameraden der Feuerwehr nun schon zum dritten Mal sich hier bis in die Nacht hinein den Buckel krumm machen müssten, um dann am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen, als sei nichts gewesen. In Kuddewörde kursieren allerdings seit geraumer Zeit Gerüchte, das besagten Rechtsanwalt das Objekt verkaufen möchte.

Für Leonardo Santoiemma, den Wirt und Pächter des Restaurants, ist das alles nicht nachzuvollziehen. „Mir hat man gesagt, solch ein Hochwasser an der Mühle kommt höchstens alle zehn Jahre einmal vor. Nun ist das schon das dritte Mal in nur 14 Monaten. Er sei den ehrenamtlichen Helfern unendlich dankbar für ihren überaus engagierten Einsatz.

Hochwasser in der Bille und die dadurch gefährdete historische Grander Mühle waren immer wieder einmal Thema. Zuletzt gab es an Heiligabend 2014 und dann im November 2015 dort Hochwasser. Der Schaden zum Weihnachtsfest 2014 war enorm. Im November 2015 hatten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW rechtzeitig gehandelt und die Lage im Griff. "Früher durften wir als Gemeinde Holz, das in die Bille gefallen war, zersägen und aus dem Fluss räumen. Inzwischen dürfen wir das nicht mehr und das führt zu Stauungen der Bille, nicht zuletzt an der Mühle", weiß Kuddewördes Bürgermeister Wolfgang Gerlach.  

Von Jens Burmester

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige