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Grenzhus braucht das Lauenburgische

Schlagsdorf/Ratzeburg Grenzhus braucht das Lauenburgische

Roland Jahn und Klaus Schlie haben Schlagsdorf besucht — Zu wenig Zusammenarbeit der Länder kritisiert.

Schlagsdorf. Sie müssen mehr Brücken schlagen: Das ist das Resümé eines Besuchs am gestrigen Mittwoch von Landtagspräsident Klaus Schlie und Roland Jahn, Leiter der Stasiunterlagenbehörde in Berlin, im Grenzhus in Schlagsdorf (Mecklenburg-Vorpommern). „Der Besuch war eine Wertschätzung unserer Arbeit“, sagt Grenzhus-Leiter Andreas Wagner.

Die Betreiber der Gedenkstätte an der Grenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben in Zukunft viel vor: In zwei bis drei Jahren solle das Haus für alle zugänglich sein, sagt Erik Gurgsdies-Meister, Vorsitzender des Trägers Politische Memoriale. Dass das Haus nicht barrierefrei sei, sei eines der Probleme des Grenzhuses. 12000 Besucher seien 2015 in die Ausstellung gekommen. Ein Viertel der Kosten von etwa 160000 Euro pro Jahr könnten sie so selbst erwirtschaften, berichtet Gurgsdies-Meister. „Aber wir müssen noch Schleswig-Holstein beackern.“ 20 Prozent der Besucher seien Schüler, sagt Andreas Wagner. „Damit sind wir nicht zufrieden.“ In Schülergruppen sieht er ein großes Potenzial — und gleichzeitig ein Problem. Denn es gibt keine Busverbindung nach Schlagsdorf. Schulen aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg oder Lübeck müssten extra Busse chartern. „Wir müssen da zu Lösungen kommen“, sagt Wagner. „Wir sehen uns vor riesige Aufgaben gestellt.“

„Asche auf mein Haupt — ich war Jahre nicht hier“, sagt Landtagspräsident Klaus Schlie. Als ehemaligem Realschullehrer sei es ihm ein Anliegen, die Zusammenarbeit mit Schulen zu forcieren. Im Anschluss an die Besichtigung hat er einen weiteren Termin mit Jahn und verspricht, sich mit ihm in Kiel zu beraten. Die Geschichte des Grenzgebietes bei Schlagsdorf sei „ein besonderer Akzent, den man jungen Menschen vermitteln kann“. Zukünftig wolle er sich landkreisübergreifend für das Grenzhus stark machen. Man ist sich einig: Man müsse Brücken schlagen — und zwar grenzübergreifend.

Roland Jahn ist der Bundesbeauftragte für Stasiunterlagen. Der damalige SED-Gegner und Bürgerrechtler kennt viele ehemalige Grenzanlagen und Gedenkstätten. In Schlagsdorf ist er an diesem Vormittag zum ersten Mal. „Es war mir lange ein Anliegen, hierher zu kommen“, sagt er und lobt das bürgerschaftliche Engagement. „Die Aufarbeitung der Geschichte ist eine gesellschaftliche Aufgabe.“ Der Staat solle das unterstützen und fördern, sagt Jahn. Dazu müsse man eine Brücke zu jungen Menschen schlagen. Und das Interesse sei groß, berichtet der damalige DDR-Oppositionelle von seinen Erfahrungen mit Schülergruppen und deren natürlicher Neugier.

„Sie haben hier eine gute Grundlage“, sagt Jahn. Die Grenzhusbetreiber dürften ruhig stolz sein — „aber auch selbstkritisch“.

Das sind die Grenzhus-Macher. Es habe schon mehrere „Vier- oder Sechsaugengespräche“ gegeben, in denen es „Hopp oder Topp“ geheißen habe, sagt Klaus Jarmatz vom Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee. Immer wieder war die Zukunft des Grenzhuses ungewiss.

Die Zusammenarbeit mit dem Reservat hält Roland Jahn für einen guten Ansatz, der sich bereits bei dem Berliner Mauerweg bewährt habe. „Eltern halten an und erklären ihren Kindern, was dort passiert ist.“

Im Grenzhus entsteht eine neue Ausstellung. Wann die fertig ist, kann Andreas Wagner noch nicht sagen. „Das Thema soll ,Grenze‘ sein, als Beispiel die innerdeutsche“, sagt Erik Gurgsdies-Meister. Da müsse man die nächste Brücke schlagen, sagt Jahn: „Die Verbindung von Geschichte und moderner Technik. Sparsam mit Informationen, Empathie möglich machen.“ Die Menschen müssten zukünftig sagen „im Grenzhus muss ich gewesen sein“. „Es geht darum, ein Image aufzubauen — durch Einmaligkeit.“ Und Wagner fügt hinzu: „Unsere Kernkompetenz ist dieser historische Ort und seine Geschichte“. Zur Grenze gehört neben dem Kreis Nordwestmecklenburg auch das Lauenburgische. Eine Zusammenarbeit über Kreis- oder Ländergrenzen hinweg funktioniere anderswo deutlich besser, berichtet Jahn. An dieser Brücke hängt ein großer Anteil wirtschaftlichen Erfolgs für das Grenzhus.

Philip Schülermann

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