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Großes Interesse am ersten Berufsinfo-Tag für Migranten

Mölln Großes Interesse am ersten Berufsinfo-Tag für Migranten

Die 100er Marke knacken. Das hatten Ricarda Heil und Juliane Seidel sich als Ziel gesetzt für den von ihnen organisierten ersten Berufs-Informations-Tag für Migranten im BBZ Mölln. Soviel vorweg: Ziel erreicht. Etwa 150 Menschen nahmen allein an den Führungen durch die Schule teil.

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Erledigt, aber höchst zufrieden: Die beiden Organisatorinnen, Ricarda Heil (links) und Juliane Seidel, umrahmt von Jasmin Aksu (links, aus Tunesien), Vajiheh Mahani und Farzaneh Zahed (rechts, beide aus dem Iran) sowie stehend Nadija Heims aus Marokko und Hussein Daoud aus dem Libanon.

Quelle: Fotos: Dorothea Baumm

Mölln. Es gibt noch eine Nachbesprechung, selbstverständlich. Auf jeden Fall wissen die Organisatorinnen schon jetzt: Der Versuchsballon war ein toller Erfolg. Und es wird im kommenden Jahr eine Neuauflage geben. Dieser erste Berufsinformationstag war „explizit nur zur Information gedacht und nicht zur Jobvermittlung“. Ricarda Heil ist bei der Awo angestellt, Juliane Seidel bei der Diakonie, beide für die Beratungsstelle für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Und so ist ihnen auch die Problematik klar: „Die Menschen kommen zu uns in die Beratung – und denken, dann geht es sofort los mit der Arbeit.“

LN-Bild

Die 100er Marke knacken. Das hatten Ricarda Heil und Juliane Seidel sich als Ziel gesetzt für den von ihnen organisierten ersten Berufs-Informations-Tag für Migranten im BBZ Mölln. Soviel vorweg: Ziel erreicht. Etwa 150 Menschen nahmen allein an den Führungen durch die Schule teil.

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Der deutsche Arbeitsmarkt ist speziell, und noch viel spezieller ist das Ausbildungswesen in Deutschland. In vielen anderen Ländern der Welt eignet man sich irgendwie an, womit man seinen Lebensunterhalt verdient. Hier wird alles sehr strukturiert gelernt. Ein junger Mann, der sehr interessiert von Stand zu Stand schlendert, erzählt, dass er in Russland als Stuckateur gearbeitet habe.

Klingt toll – ist es aber nicht, denn wie sich später herausstellt, hat er als Handlanger auf dem Bau gearbeitet: als Verputzer. In Russland nannte sich das wohl Stuckateur. Jetzt hieße es für den Mittdreißiger: lernen. Maurer möchte er aber nicht werden, dazu ist der Rücken zu kaputt.

Aus dem ganzen Kreisgebiet sind Migranten zu diesem Berufs-Infotag gekommen. Allein, in Gruppen, mit und ohne Sprachpaten. Landrat Dr. Christoph Mager und der stellvertretende Schulleiter Matthias Links eröffneten die Veranstaltung um 10.30 Uhr. Um 11 Uhr sollte die erste Führung durch die Schule beginnen. Da zeigte sich der erste Stolperstein: etwas mehr als 70 Menschen wollten sich von Dirk Witt durch das Berufsbildungszentrum des Kreises führen lassen. „Das waren viel zu viele“, sagt der Abteilungsleiter der Berufsvorbereitung und des DaZ-Bereiches im BBZ, „wir mussten also auf die Schnelle zwei Führungen gleichzeitig anbieten“.

Immer wieder bleibt das Auge an Menschen mit Warnwesten hängen. Die Bedeutung dieser für Innenräume erstaunlichen Oberbekleidung erklärt sich schnell durch einen Blick auf die Rückseite: Es sind Übersetzer, die auch die Führungen begleiten. Staunend lauschen die Migranten, was in den Unterrichtsräumen erklärt wird, staunend betrachten sie die hochmodern ausgestatteten Ausbildungsräume. Ob Bäcker, Verkäufer oder Friseur, ob im Metall- oder Holzbau: Die Ausbildungsbedingungen am BBZ lassen keine Wünsche offen. Und überall erklärt Dirk Witt die Besonderheiten der beruflichen Ausbildung in Deutschland.

Egal, ob aus dem Iran, aus Syrien, Afghanistan oder Armenien: Bei den Flüchtlingen kommt das Angebot des Berufsinformations-Tages gut an. Mit strahlenden Augen steht eine junge Frau vor dem BBZ. Noch besucht sie einen Deutschkursus. „Ich habe immer gesagt, ich werde Friseur“, sagt sie – mit starkem Akzent, aber fehlerfrei. Und, hat ihr das Angebot gefallen? „Ja, ganz besondere“, ruft sie. Vor allem sei ihr jetzt klar, dass sie gar nicht Friseurin werden möchte. Was denn sonst? Sie holt einen Zettel aus ihrer Tasche und liest sehr sorgfältig vor: „Me – di – zin – ische Fach – angestellte.“

Das, sagt sie, wäre der erste Schritt in Richtung Traumberuf: Krankenschwester. Das habe sie heute gelernt. „Eine sehr gute Tag heute“, bekräftigt sie, „gute Schule!“ Und dann, beim Verabschieden, lacht sie laut auf: „Wenn wir uns nächste Mal sehen, bin ich vielleicht ,Schwester Yasmin’, was glaubst Du?“

Bereits weit vor 9 Uhr am Morgen waren Ricarda Heil und Juliane Seidel im BBZ. Bis alles abgebaut und aufgeräumt ist, ist es Nachmittag. Anstrengend war’s – aber eben auch rundum gelungen. So macht Premiere Spaß.

Zahlen und Fakten

Gut 150 Menschen nutzten die Gelegenheit, sich durch die Räume des BBZ führen zu lassen.

240 Lehrer unterrichten 3720 Schüler im Berufsbildungszentrum Mölln, „ein großer Laden“ – wie Abteilungsleiter Berufsvorbereitung und DaZ-Bereich, Dirk Witt, sagt –, der fürs ganze Kreisgebiet zuständig ist.

Mit etwa 80 Prozent nehmen deutlich mehr Männer nicht nur den Berufsinfo-Tag wahr. Das sei grundsätzlich männerlastig, betonen die Organisatorinnen von Awo und Diakonie, Ricarda Heil und Juliane Seidel: „Frauen studieren entweder – oder sie bekommen Kinder und bleiben zuhause.“

An 14 Ständen konnten die Migranten sich in der Aula des BBZ informieren. Mit von der Partie waren Diakonie, Awo, VHS, INI-Qualifizierung, Fahrschule Kutscher, die Handwerkskammer mit drei Projekten (IQ, Mehr Land in Sicht und Handwerk interkulturell), IHK, Awo Kita, Bundesagentur für Arbeit, die Verwaltungsabteilung des Kreises, ASB, DRK und BQG Personalentwicklung Ratzeburg.

Auch für 2018 ist ein Berufsinformations-Tag für Migranten geplant. Dann aber vermutlich auch mit Jobvermittlung.

Von Dorothea Baumm

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