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Lauenburg Großes Interesse an der Podiumsdiskussion zur Stasi-Ausstellung in Ratzeburg
Lokales Lauenburg Großes Interesse an der Podiumsdiskussion zur Stasi-Ausstellung in Ratzeburg
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14:45 13.04.2019
Engagierte Podiumsdiskussion zur Stasi-Ausstellung in Ratzeburg „Feind ist, wer anders denkt“ mit Roland Jahn, Wolfgang May, Moderator Dr. Andreas Wagner und MdB Konstantin von Notz (von links). Quelle: Thomas Biller
Ratzeburg

Auf so einen Besucherandrang im Rathaus hatten die Veranstalter gehofft, aber nicht unbedingt damit gerechnet: Gut 100 Menschen verfolgten die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion und schauten sich die aktuelle Ausstellung im Ratssaal an.

Museumsleiter moderiert die Diskussion

„Feind ist, wer anders denkt“, lautet der Titel der Wanderausstellung, die der „Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“ – kurz BStU – in der Kreisstadt zeigt (LN berichteten). Roland Jahn, Leiter der Behörde, kam, wie der Möllner Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen) aus Berlin nach Ratzeburg, um am Freitag gemeinsam mit Wolfgang May, ehemals Bundesgrenzschutz / Bundespolizei an der von Dr. Andreas Wagner moderierten Diskussion teilzunehmen. Dr. Wagner ist Museumsleiter des Grenzhus in Schlagsdorf. Wenige Kilometer von Ratzeburg entfernt, im Nachbarkreis Nordwestmecklenburg, setzt sich das modernisierte Museum dauerhaft mit der innerdeutschen Grenze auseinander.

Ausstellung

Die Wanderausstellung ist bis zum 4. Mai geöffnet. Neben historischen Informationen werden Schicksale vorgestellt und kostenlose Broschüren angeboten. Auch ein Wegweiser zur Einsichtnahme in Akten liegt aus. Neben den üblichen Öffnungszeiten ist die Ausstellung auch vom 19. bis 22., am 27. und 28. April sowie am 1. und 4. Mai von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei, der Zugang barrierefrei.

Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß zitierte eingangs aus einem Arztbrief, der die Traumatisierung eines Patienten beschrieb, der unter der Verfolgung durch die Stasi litt. Bis heute leiden Menschen unter den Erfahrungen aus der Zeit zweier deutscher Staaten, kämpfen zum Teil um die Anerkennung ihrer Versorgungsansprüche.

Statement für Verantwortung von Menschen

„Auch 30 Jahre nach der Grenzöffnung ist die Diskussion über die Geschichte nicht abgeschlossen“, stellte Andreas Wagner fest. Spürbar bewegt berichtete Jahn von seinen Prägungen in Jena als Jugendlicher, wo er auch erleben musste, dass durch „eine Verkettung vieler Umstände“ ein Jugendfreund in Stasi-Haft verstarb. „Es geht immer um die individuelle Verantwortung von Menschen für das, was sie tun. In Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, so der Bundesbeauftragte, „es sind immer Menschen, die etwas tun“.

Er selbst habe vieles seiner eigenen Geschichte in der DDR bis zur Zwangsausbürgerung 1983 „erst richtig begriffen, als ich Einsicht in die Stasi-Akten genommen habe“. Jahn unterstrich, dass es für jeden Bürger dieses Landes weiterhin möglich ist, eine Einsichtnahme zu beantragen.

„Für mich war es ein kein Feindesland. Ich war mit der Grenze nicht einverstanden, aber man hat das so hingenommen“, erinnerte sich Wolfgang May, der für den damaligen Bundesgrenzschutz Grenzführungen durchgeführt hat und heute Führungen für Besuchergruppen im Grenzhus anbietet. „Der Stasi-Spitzel ging bei mir (Anm. – bis zu seiner Enttarnung) ein und aus, denn die Presse hatte immer Gelegenheit, sich an der Grenze herumzutreiben“, so May.

„Freiheit ist Sicherheitsgarant“

Zum Ende der gut zweistündigen Diskussion bezog Moderator Andreas Wagner das Publikum ein. Ein Schwerpunkt war der heutige Umgang mit Nachrichtendiensten und der Bewahrung der Freiheit. „Die Freiheit ist ein Sicherheitsgarant. In Polizeistaaten werden die Menschen- und Bürgerrechte aufgefressen. In unserer Gesellschaft bedeutet es ein feines Justieren über gesellschaftliche Prozesse“, meinte Konstantin von Notz. „Menschenrechte kann man nicht mit Menschenrechtsverletzungen schützen“, unterstrich Roland Jahn, der aber auch warnte: „Ein System funktioniert auch, wenn alle dagegen sind.“

Unter den rund 100 Gästen war auch Eckhard Graf, Bürgermeister der Gemeinde Groß Grönau bei Lübeck. Graf dankte den Verantwortlichen für die Ausstellung und die Diskussion und appellierte: „Unser Wunsch ist, dieses Thema lebendig zu halten. Es muss Räume für politische Bildung und Gedenkstätten geben. Nehmen Sie dieses Signal aus Ratzeburg mit!“ Moderator Dr. Wagner nahm diese Worte als Schlusswort an.

Thomas Biller

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