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Lauenburg Gudow feiert Heiligabend im Viehhaus
Lokales Lauenburg Gudow feiert Heiligabend im Viehhaus
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21:59 16.12.2017
Frisch gestrichen, aber noch nicht fertig: Gudows St. Marien-Kirche Ende November. Quelle: Foto: Hfr
Gudow

Noch im aktuellen Gemeindebrief der Kirchengemeinde ist dokumentiert, dass die Gemeindeversammlung im Oktober die Hoffnung hatte, dass die nach Pfingsten begonnenen Bauarbeiten rechtzeitig zu Weihnachten beendet sein werden. Jetzt musste die Reißleine gezogen werden: Die St. Marien-Kirche bleibt Weihnachten geschlossen, die Arbeiten können erst im kommenden Jahr abgeschlossen werden. „Bei solchen Baumaßnahmen in historischen Gebäuden kommt es immer wieder mal zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten“, sagt Pastorin Wiebke Böckers, die auch Vorsitzende des Kirchengemeinderates ist.

In einem Stall in Bethlehem wurde Jesus geboren. In vielen Kirchen des Kreises wird am Heiligen Abend mit mehreren Gottesdiensten gefeiert. Anders in Gudow: Die Kirchengemeinde lädt zu Krippenspiel und Christvesper in einen ehemaligen Stall ein. Nicht ganz freiwillig, zugegeben.

Kirche wandert

Mit dem Projekt „Kirche kommt zu Ihnen“ hat Pastorin Wiebke Böckers gute Erfahrungen gemacht: Während der Bauphase in der St. Marien-Kirche konnten in den Dörfern Gemeindegottesdienste auch in Scheunen oder Gemeindehäusern gefeiert werden. „Das war eine schöne Erfahrung, an die wir anknüpfen möchten“, sagt sie. thobi

Große Gemeinde

Gudow umfasst mit den Kleinstorten insgesamt elf Dörfer und ist flächenmäßig die größte Landgemeinde des Kreises Herzogtum Lauenburg. Bergholz, Besenthal, Fortkrug, Göttin, Grambek, Gudow, Kehrsen (teilweise), Langenlehsten, Lehmrade, Neu Bergholz, Sarnekow und Segrahn gehören dazu. thobi

Im Gespräch mit den LN erläutert Pastorin Böckers die Hintergründe. Vor etwa 45 Jahren, zu Zeiten als Öl teuer wurde und Strom billig war, beschloss der damalige Kirchenvorstand die Installation einer stromgespeisten Fußbodenheizung für das Kirchengebäude. Durch die damit verbundene trockene Luft litten im Laufe der Jahrzehnte die Kunstwerke, wie der alte Taufengel, und das aus dem 17.

Jahrhundert stammende Gestühl der Kirche. „Wir haben jährlich Stromkosten zwischen zehn- und 12 000 Euro gehabt. Das bricht so einer kleinen Kirchengemeinde absolut das Genick“, sagt Wiebke Böckers.

Während andere Kirchengemeinden auf Winterkirche umstellen konnten – Gottesdienste im Winter in kleineren Räumen – gibt es in Gudow keinen entsprechenden Raum, der die Gottesdienstbesucher fassen würde. „Im Schnitt besuchen über 60 Menschen unsere Gottesdienste, im Winter sind es oft mehr. Dann kostet ein Wintergottesdienst schon mal bis zu 400 Euro“, rechnet die Pastorin vor.

Dank der Teilnahme an einem Projekt und dem Verkauf von Bauerwartungsland standen ausreichend Eigenmittel zur Verfügung, die jetzt die Umstellung der Heizungsanlage auf Erdwärme ermöglichen. Nachdem die Kirche für die Baumaßnahme weitgehend leergeräumt war, entstand der Wunsch, dass die Bänke repariert und instand gesetzt werden und der Farbanstrich der Kirche erneuert wird. Auch eine Stufe sollte entfernt werden, um die Kirche etwas barrierefreier zu gestalten. „Das waren Sachen, die zur Bauverzögerung geführt haben“, erläutert die Pastorin. Zumal aus technischen Gründen die Pläne für den Neuanstrich im Einvernehmen mit dem Denkmalschutz neu erfolgen mussten.

Hinzu kam die Insolvenz eines Unternehmens, das mit dem Anfertigen der speziellen Ziegel beauftragt war. „Allein die Orgel wieder auszuhausen und die Pfeifen wieder einzubauen sind noch einmal 43 Stunden Arbeit, die erst gemacht werden können, wenn alle Steine liegen und dann haben wir die Bänke noch nicht wieder drinnen, die auch noch gestrichen werden müssen“, so Wiebke Böckers.

Jetzt habe man den Druck herausgenommen und beschlossen, Weihnachten in Segrahn zu feiern, „Wenn es einen würdigen Ort gibt, diese Geschichte von dem Kind im Stall zu erzählen, dann ist es dieses Viehhaus. Ich finde diese Idee ganz wunderbar“, sagt die Pastorin. Ihr Dank gilt der Familie von Kirchenpatron Detlev Werner von Bülow, die das Viehhaus kostenlos – und beheizt – zur Verfügung stellt, „für die Gastfreundschaft und umsichtige Unterstützung.“

Mit etwas Vorsicht hofft Böckers, dass Mitte März 2018 die Arbeiten soweit abgeschlossen sind, dass die lange geplante Feier zur goldenen und diamantenen Konfirmation in der Kirche stattfinden kann:

„Ich hoffe, dass wir dann die Kirche feierlich wieder in Betrieb nehmen können und der Taufengel wieder einziehen kann“, sagt sie.

Billiger und sauberer

Die Erdwärmeheizung speist sich aus sechs 70 Meter tiefen Bohrungen im vorderen Pfarrgarten. Bei Kältespitzen steht künftig zusätzlich eine Gasheizung zur Verfügung. Für den Umbau musste der gesamte Kirchenboden entfernt und erneuert werden.

Die Kosten der „Gesamtmaßnahme Kirchenheizung“ umfassen nach Auskunft der Bauabteilung Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg ein Volumen von 447 000 Euro.

Nach den Planungsunterlagen werden sich die Energiekosten um einen Betrag von 9780 Euro jährlich reduzieren. Mit der Maßnahme verringert sich auch die Emission von Kohlenstoffdioxid um 26 Tonnen pro Jahr. thobi

 Thomas Biller

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