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Lauenburg Gut Gülzow verfällt — und die Erben streiten sich
Lokales Lauenburg Gut Gülzow verfällt — und die Erben streiten sich
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20:10 07.12.2015
Teile des Dachstuhls des Kuhstalls sind schon vor Jahren eingestürzt.
Gülzow

Kornspeicher, Brauhaus, Jungviehstall, eine Gerätescheune, die moderne Schweinemästerei, eine in Fachwerkbauweise und mit Reetdach errichtete Feldscheune, die St.-Petri-Kirche, ein Herrenhaus, Wohnhäuser für die Arbeiter und ein Mausoleum für die Besitzer — das Gut Gülzow war über lange Zeit wie ein Dorf im Dorf. Heute liegt der frühere Gutshof weitestgehend brach, der landwirtschaftliche Betrieb wurde modernen Erfordernissen angepasst und neu aufgebaut. 1150 Hektar Ackerland werden heute noch bewirtschaftet, früher waren es 1000 Hektar mehr.

„Es ist bedauerlich, dass die Gebäude heute so sehr verfallen“, sagt Uta Winter von den Heimatfreunden Gülzow, die sich mit der Geschichte des Dorfes befassen. Und auch Bürgermeister Wolfgang Schmahl bedauert, dass dort nichts passiert. „Das Gutsgelände ist die Keimzelle unserer Gemeinde, es ist ein Kleinod, das es unbedingt zu bewahren gilt“, sagt er. Doch unklar ist, wie das bewerkstelligt werden könnte. Nach Informationen unserer Zeitung streiten sich die Erben des vor zwei Jahren gestorbenen Besitzers um das Anwesen. Und solange sind auch mögliche neue Entwicklungen blockiert.

Das Gut wurde, ebenso wie die Ortschaft Gülzow, erstmals 1230 urkundlich im Ratzeburger Zehntregister erwähnt. Heute finden sich im Ratzeburger Kreismuseum neun Meter geschichtliche Akten zum Gut, die dennoch nur spärlich sind. Der damalige Gutsbesitzer Dietrich Fischer hatte die Akten 1954 in Ratzeburg abgegeben. Es war aber nur ein Rest des Archivs, da der Vorbesitzer Carl Graf von Kielmannsegg alle wesentlichen historischen Akten beim Verkauf des Gutes Gülzow im Jahr 1930 mitgenommen hatte. Seit 1736 hatte sich Gülzow im Besitz der Grafen von Kielmannsegg befunden, zuvor gehörte es den Grafen von Schack (bis 1694) und den Herren von Bodeck. Die noch vorhandenen Akten umfassen den Zeitraum von 1729 bis 1928. Der Gutsherr war bis ins späte 19. Jahrhundert Eigentümer der Böden, Richter und Herr über die sogenannten Gutsuntertanen, außerdem Patron der Kirchengemeinde und der drei damaligen Schulen in Gülzow, Kollow und Juliusburg. „Es würde bestimmt viele Möglichkeiten einer neuen Nutzung geben", so Winter. Die Gemeinde Gülzow hatte vor einigen Jahren sogar eine Machbarkeitsstudie für Zukunftspläne in Auftrag gegeben. Als Ergebnis stand der Umzug des Zugpferdemuseums aus Lütau nach Gülzow. Doch das scheiterte am Widerspruch des damaligen Besitzers.

„Wir haben zur Geschichte des Gutes viel aufgearbeitet."


Uta Winter, Heimatbund

Timo Jann

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