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Lauenburg Gutachten: Büchener Rettungswache wird nicht gebraucht
Lokales Lauenburg Gutachten: Büchener Rettungswache wird nicht gebraucht
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19:56 12.09.2018
Für 2,4 Millionen Euro baut Büchen eine Rettungswache, hier beim Richtfest. Quelle: Timo Jann
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Büchen

Die Gemeinde Büchen hat für 2,4 Millionen Euro eine Rettungswache gebaut, die möglicherweise schon vor ihrer Eröffnung überflüssig ist. Das haben Gutachter am Montag im Hauptausschuss des Kreises festgestellt. Danach lasse sich die Region zwischen Lauenburg und Büchen am besten versorgen, wenn die für die Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfrist erforderlichen Rettungswagen in Basedow stünden. Für die Risikoabdeckung ist es erforderlich, dass mindestens ein Fahrzeug sieben Tage in der Woche rund um die Uhr vorgehalten wird – und das aufgrund der Entfernungen in Basedow. Sowohl die Stadt Lauenburg als auch die Gemeinde Büchen hoffen allerdings, jeweils einen Wagen auf ihrem Gebiet zu stationieren. Die Gemeinde Büchen hatte zuvor entschieden, nicht die Ergebnisse eines Gutachtens abzuwarten, sondern vorher Fakten zu schaffen. Und in der neuen inzwischen kurz vor der Fertigstellung stehenden Wache wurde sogar Platz für die Unterbringung von zwei Rettungswagen samt Ruhe- und Aufenthaltsräumen für die Besatzungen geschaffen. Die Krankenkassen als Kostenträger des Rettungsdienstes zahlen allerdings nur eine Miete, wenn die Wachen auch erforderlich sind. Und das ist die Büchener nach derzeitigem Stand nicht. Der Bund der Steuerzahler hat für die Ausgaben ohne Grundlage entsprechender Gutachten kein Verständnis.

Neubau der Wache in Büchen gilt als Prestigeprojekt

Die Stationierung eines Rettungswagens rund um die Uhr gilt als eines der Prestigeprojekte der Büchener Gemeindepolitik und Verwaltung. Denn für die aufstrebende Gemeinde mit bestem Pendleranschluss an die Großstadt Hamburg wäre eine Notfallversorgung vor Ort ein zusätzlicher Standortfaktor. Nur die Krankenkassen sehen bislang die Notwendigkeit nicht und sind daher nicht bereit, entsprechende Kosten zu übernehmen. Denn das Gemeindegebiet ist auch aus dem benachbarten Basedow mit der dort für den Bereich von Lauenburg bis Büchen vor 17 Jahren gebauten Wache ausreichend gut erreichbar. Zwei dort stationierte Rettungswagen würden für eine gute Versorgung des gesamten Bereiches sorgen. Und wird in Büchen kein Rettungswagen stationiert, bekommt die Gemeinde auch keine Baukosten über Mieteinnahmen von den Krankenkassen finanziert.

Doch die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren mit politischer Unterstützung und Veranstaltungen mächtig Druck gemacht. Letztlich wurde in der nicht mehr genutzten Hausmeisterwohnung des Sportlerheimes eine provisorische Wache eingerichtet und ein Rettungswagen mit Standheizung tagsüber unter freiem Himmel stationiert. Der Wagen mit der Rufkennung 40/83/1 ist allerdings vor allem für Krankentransportfahrten vorgesehen. 428 Einsätze der 643 Fahrten waren in diesem Jahr bislang entsprechende vorher geplante Transporte, so genannte Frequenzfahrten wie sie auch für Dialysepatienten gebraucht werden.

Doch Büchen ist mit dem Wunsch nach einem eigenen Rettungswagen nicht alleine. Auch aus Lauenburg am anderen Ende des Versorgungsbereiches wird eine Stationierung mit kreispolitischem Nachdruck von höchster Ebene, dort wohnen die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, gefordert. Die DLRG Oberelbe baut sogar schon eine Fahrzeughalle in der Hoffnung, dass die dieser später für die Unterbringung eines Rettungswagens benötigt werden könnte. Ein aus Basedow ausgelagerter Wagen, steht derzeit im rettungsstrategisch ungünstig gelegenen DLRG-Quartier an der Hafenstraße. Hinzu kommt ein weiteres Fahrzeug, dass wie in Büchen vor allem für Krankentransportfahrten vorgesehen ist, und nur in Freiräumen für Notfalleinsätze zur Verfügung steht.

Gutachter Dr. Emil Betzler vom renommierten Gutachterbüro Forplan sind diese Nebenwachen ein sicherheitstechnischer Dorn im Auge. Daraus machte er während der Hauptausschuss-Sitzung in Lanken keinen Hehl. Um Duplizitätsfälle, also das zeitgleiche Auftreten von zwei Notfalleinsätzen in einem Versorgungsbereich, besser abdecken zu können, wäre eine Stationierung beider Notfallwagen in Basedow sinnvoll. Denn ausgelagerte Stationierung würden möglicherweise für eine Rettungsmittelknappheit und damit für Hilfsfristüberschreitungen sorgen. Die die längeren Anfahrtswege gehe dann „ein Karussel los, dass sich erst wieder beruhigt, wenn weniger Notfälle vorhanden sind“, warnte Betzler.

Der Hauptausschuss des Kreises mit dem Lauenburger Norbert Brackmann an der Spitze will dennoch für Stationierungen in Büchen und Laueburg kämpfen. Die Fachplaner des Kreises wurden aufgefordert, ein Konzept zu erstellen, dass Fahrzeuge in beiden Gemeinden vorsieht. Doch das letzte Wort haben am Ende die Krankenkassen, die das Geld dafür bereitstellen müssen – oder die Schiedsstelle, vor der sich beide Seiten am Ende möglicherweise mal wieder streiten werden.

Holger Marohn

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