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„Habe in der AfD Leute wie in der CDU getroffen“

Interview „Habe in der AfD Leute wie in der CDU getroffen“

Ex-Christdemokrat Nico Gallandt ist neuer AfD-Kreisvorsitzender im Herzogtum Lauenburg. Nach Streit in der Vergangenheit soll es nun um Sachthemen gehen.

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39 Jahre war Nico Gallandt (55) in der CDU aktiv. Dort brachte er es immerhin zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungen Union. Vor drei Jahren trat er aus — und führt nun die AfD im Kreis.

Quelle: Schülermann

Ratzeburg. LN:  Herr Gallandt, quasi aus dem Nichts sind Sie wieder auf der politischen Bühne erschienen. War Ihnen langweilig?

Gallandt: Nein. Mein Engagment hat nichts mit Langeweile zu tun. Vielmehr damit, dass mir die politische Entwicklung in Deutschland so viel Unbehagen bereitet hat, dass ich meinte, es lohnt sich wieder, sich zu engagieren. Es ist richtig, dass ich mein politisches Engagement nach 39 Jahre in der CDU an den Nagel gehängt hatte. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, dass nun ein paar Leute versuchen, einen anderen Weg zu gehen.

Eigentlich hatten Sie sich ja zunächst für Alfa interessiert, den abgespaltenen wirtschaftspolitischen Flügel der AfD. Was hat Sie nun zur AfD getrieben?

Gallandt: Ja, ich habe mir Gedanken gemacht, wo ich mich politisch in Deutschland engagieren könnte. Es ist richtig, dass ich in der Gründungsphase des Alfa-Landesverbandes Kontakt hatte. Ich habe mir auch den Landesparteitag angeschaut — ich fühlte mich nicht zu Hause. Dann bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es sich vielleicht lohnt, mir von der AfD ein Bild zu machen und bin dann zu einer Veranstaltung nach Breitenfelde gegangen. Dort habe ich dann nur Leute gesehen, wie ich sie aus 39 Jahren bei der Union kannte — also aus der Mitte der Gesellschaft, die interessiert diskutiert haben. Das fand ich interessant.

Auf Bundesebene heißt es, die Flüchtlingskrise sei ein Glücksfall für die AfD, Ihr Amtsvorgänger spricht davon, dass das Thema gezündet habe. Wie sehen Sie das?

Gallandt: Ich halte nichts davon, die Themenvielfalt, die es in der AfD gibt, auf das Thema Flüchtlinge zu komprimieren. Es gibt in der Gesellschaft eine über viele Jahre vollzogene Entwicklung, die dazu geführt hat, dass sich die politische Führung von der Wahrnehmung der Bevölkerung immer weiter entfernt hat.

Fühlen Sie die AfD also ungerecht dargestellt?

Gallandt: Ich halte das gezeichnete Bild für nicht sachgerecht. Es gibt ein großes Politikfeld im wirtschaftspolitischen Bereich und dem Strafrecht und dem Strafvollzug, wo die AfD ganz andere Vorstellungen hat. Und natürlich gibt es im Bereich der Migrationspolitik Unterschiede zur etablierten Gleichgültigkeit. Heute ist es doch kein großer Unterschied mehr, ob man CDU, SPD, Grüne oder FDP wählt. Da formuliert die AfD Gegenpositionen. Sogar Helmut Schmidt hat vor zehn Jahren im Fokus sehr deutlich davor gewarnt, gerade aus dem muslimischen Bereich in großem Umfang Menschen hierher zu holen, weil es gesellschaftspolitisch zu Problemen und Diskrepanzen kommen würde. So habe sich in der Vergangenheit gerade im Gastarbeiterbereich gezeigt, dass es eine Gruppe gibt, die sich gar nicht integrieren will, sondern ihre Kultur hier leben will.

Die AfD profitiert stark vom Zulauf von Nichtwählern. So eine ähnliche Situation hatten wir vor 13 Jahren in Güster. Dort gab es eine große Unzufriedenheit mit den dort etablierten Parteien. Unter anderem dies bescherte der FDP bei der Kommunalwahl 29,5 Prozent, was einen Sturm der Entrüstung bei den angestammten Parteien auslöste. In der Folge gab es heftige und persönliche Angriffe — auch von Ihnen — auf die FDP-Vertreter. War das damals fair?

Gallandt: Ich habe etwa vor einem Jahr den Vorsitzenden der damaligen FDP, einen der Hauptakteure, zufällig auf der Straße getroffen und ihm gesagt, dass mir die Intensität der Auseinandersetzung leid tut, soweit sie von mir ausging oder forciert worden ist. Im Nachgang muss ich einfach sagen, dass der Anlass — persönliche Angriffe gegen einen altgedienten Bürgermeister — die Härte der Auseinandersetzung nicht gerechtfertigt hat. Wir hätten das gelassener angehen sollen. Besonders die persönliche Vorgehensweise würde ich heute nicht mehr so machen.

Persönlich und heftig geht es ja gerne auch mal bei der AfD zu. Kehrt mit Ihnen da nun Ruhe ein?

Gallandt: Ich bemühe mich darum, dass sich die Arbeit im Kreisverband an Sachthemen orientiert. So habe ich die AfD auch kennengelernt. Das ist keine Ein-Mann- Show. Es gibt da gute Leute.

Nun heißt es, Sie seien als Ex-Alfa-Interessent ein Parteifeind. Außerdem kenne man Sie kaum. Wie wollen Sie da Vertrauen aufbauen?

Gallandt: Jemand, der sich in einer Phase in der er den Gedanken hat, sich wieder politisch zu engagieren, bei einer demokratischen Partei — und das ist Alfa — mal die Nase reinsteckt, ist weder Sympathisant auf Dauer dieser Partei noch mit ihr verwurzelt. So ein Vorgehen halte ich unter demokratischen Gesichtspunkten für völlig normal. Dass man mich möglicherweise nicht kennt, ist aus den Zeitabläufen zu begründen. Aber jeder kann mich anrufen, mit mir sprechen.

Während der Landesparteitages der AfD haben Sie ein paar Formfehler angemahnt und sind dafür fast schon niedergeschrien worden. Was war da los?

Gallandt: Es gab in der Vorbereitung des Landesparteitages unterschiedliche Auffassungen. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass ein für die Neuwahl offeneres und transparenteres Verfahren gewählt wird. Ich habe beantragt, einen Wahlparteitag sechs Wochen später zu machen wo vorher alle Kandidaten die Möglichkeit haben, sich auf Regionalkonferenzen vorzustellen. So hatten wir jetzt einen Parteitag, auf dem der alte Vorstand noch nicht einmal zurückgetreten war und niemand so richtig wusste, welche Ämter eigentlich neu zu besetzen sind. Aber es gab Interessen, das anders zu machen.

Wären Sie gerne ein neues Gesicht auf Landesebene gewesen?

Gallandt: Ich hatte nicht vor, zu kandidieren. Mir ging es nur darum — und das ist auch aus der Mitgliedschaft vielfach formuliert worden — dass die, die gewählt werden wollen auch die Möglichkeit haben, sich breit vorzustellen.

Menschen, die auch mal auf Formalien hinweisen, werden schnell als Querulanten bezeichnet. Als was würden Sie sich bezeichnen?

Gallandt: Wenn etwas nicht richtig läuft, versuche ich es in die richtigen Bahnen zu lenken. Das kann für den einen oder anderen unbequem sein. Das habe ich in meinem politischen Leben aber immer so gehalten.

Was wird Nico Gallandt der AfD auf Kreisebene geben?

Gallandt: Der Kreisverband wird Themen besetzen. Der Kreisverband wird programmatisch arbeiten, aber nicht in den eingefahrenen Strukturen, die wir von den angestammten Parteien erleben.

Viele Ihrer genannten Forderungen sind Themen, die nicht auf Kreisebene, sondern in Kiel, Berlin oder Brüssel entschieden werden. Wann sehen wir sie denn Landtag?

Gallandt (lacht): Nein, das ist momentan überhaupt kein Denkspiel für mich.

Dann schauen wir jetzt doch mal nicht auf den 7. Mai 2017, sondern auf dieses Wochenende und den Bundesparteitag der AfD. Ist Frauke Petry für Sie die richtige Vorsitzende?

Gallandt: Frauke Petry hat in den letzten Monaten einen schweren Stand aus meiner Sicht inhaltlich gut gemeistert. Die Partei selber steht aber vor einer historischen Entscheidung. Sie steht im Moment aus meiner Sicht in der Mitte der Gesellschaft, wo die etablierten Parteien weggelaufen sind. Die AfD muss aber auch aufpassen, dass sie inhaltlich und personell in Ihrer Ausrichtung genau da ihre Schwerpunkte setzt. Ich fahre da selber hin. Das sind immerhin 1500 Kilometer und nicht vergnügungssteuerpflichtig. Es wird spannend.

Kommen wir noch einmal zu Ihrer Vergangenheit. Sie waren immerhin 39 Jahre Mitglied der CDU. Würden Sie sich als Christ bezeichnen und glauben Sie an Gott?

Gallandt: Ich glaube, aber nicht eins zu eins nach der Lehre der christlichen Kirchen.

Was bedeutet dann für Sie das Gebot der christlichen Nächstenliebe und das Gebot, Menschen in Not — also auch Flüchtlingen — zu helfen?

Gallandt: Es ist ganz wichtig, dass man Menschen in Not und auch Flüchtlingen hilft. Richtig ist aber auch, dass nicht jeder, der sein Land verlässt und sich nach besserer Lebensumständen umsieht, ein Flüchtling im Sinne von Asyl oder der Genfer Konvention ist. Wir erleben aus meiner Sicht daher derzeit auch keine Flüchtlingswelle, sondern eine Völkerwanderung.

Die AfD fordert für den Islam Grenzen der Religionsfreiheit. Wo liegen die aus Ihrer Sicht?

Gallandt: Ich würde Religionsfreiheit so lange nicht einschränken, so lange das Praktizieren der Religion im Rahmen der staatlichen Normen, gewaltfrei und ohne Herrschaftsanspruch stattfindet. Beim Islam ist es ein vielschichtiges Erscheinungsbild. So haben wir auch Hassprediger, die Moscheen oder andere Einrichtungen benutzen um Menschen zu rekrutieren, die dann in den IS-Staaten Morde oder andere Gewalttaten begehen. Deutschland schaut solchen Aktivitäten zu lange zu.

Interview: Holger Marohn

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