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Lauenburg Habeck in Krümmel: „Ein Schritt zur geordneten Beendigung der Atomzeit“
Lokales Lauenburg Habeck in Krümmel: „Ein Schritt zur geordneten Beendigung der Atomzeit“
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20:15 21.11.2016

. Vorsichtig hebt der Spezialkran das mehr als fünf Meter lange Brennelement aus der Halterung im Abklingbecken. Im Schneckentempo bewegt sich die Konstruktion mit der brisanten Fracht unter den kritischen Augen von Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) und Vattenfall-Chef Pieter Wasmuth dann zum ebenfalls im Becken lagernden Castor-Behälter. „Vor zehn Jahren hätte sich ein grüner Minister ungern bei der Verladung von Brennelementen fotografieren lassen, denn damals bedeutete der Abtransport, dass Platz für neue Brennelemente geschaffen wird“, sagt Habeck. Aber die Zeiten hätten sich geändert.

Heute dagegen läute die Verladung den endgültigen Abschied von der Atomkraft ein, sagt er. Diese letztmalige Prozedur „ist Teil der Lösung“. Sie sei ein Schritt zur „vernünftigen und geordneten“

Beendigung der Atomzeit. „Insofern ist das ein historischer Augenblick.“ Allerdings sei er sich nicht sicher, dass das inzwischen auch alle verstanden hätten. Seit dem 19. September sind bereits fünf Castoren mit jeweils bis zu 52 Brennelementen beladen worden. Hat der jetzige Castor das Abklingbecken verlassen, werden dort noch 519 Brennelemente stehen.

Besuche im Atomkraftwerk sind für Habeck inzwischen Routine. Bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren war das noch anders. Sein Besuch in Krümmel war damals sein erster in einem Atommeiler überhaupt.

„Ein mulmiges“ Gefühl habe er angesichts der ganzen Kontrollen gehabt. Zuvor habe er ja immer nur auf der anderen Seite des Zaunes gestanden und gegen Atomkraft und Castortransporte demonstriert.

„Und da war ich nun als Minister auf einmal quasi Chef von dem ganzen Kram“, erinnert sich Habeck beim Gang durch das Innerste des Kraftwerkes.

Heute beruhigen diese Sicherheitskontrollen Habeck. „Die Sorgfalt, mit der hier gearbeitet wird, beeindruckt mich“, lobt Habeck. Denn sie sei es, die für einen sicheren Ausstieg stehe. „Wir haben jetzt hier noch die gesamte Kompetenz“, so Habeck. „Wenn wir die Meiler einfach stehen lassen, hätten wir in einigen Jahrzehnten niemanden mehr, der aus eigener Erfahrung Anlagenkenntnis hat“, sagt er. Das sei auch ein Grund, warum er sich für ein Verbot des „sicheren Einschlusses“ stark mache. Eine Forderung, die er bereits kurz nach seinem Amtsantritt vor vier Jahren gestellt hatte. Daher begrüße er auch, dass sich die Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KfK), umgangssprachlich auch Trittin-Kommission genannt, auf ein Verbot des Einschlusses verständigt habe. Der Gesetzentwurf soll am Freitag im Bundesrat erstmals beraten werden.

Zunehmend zu einer Herausforderung wird für Vattenfall-Ingenieure allerdings die inzwischen geringe Temperatur der abgebrannten Brennelemente. Üblicherweise sind die Köcher mit jeweils 64 Brennstäben durch die Restzerfallswärme im Abklingbecken noch bis zu 300 Grad heiß. Durch den 2011 nach der Fukushima-Katastrophe beschlossenen schnellen Ausstieg und den dadurch fehlenden Vorbereitungen hätten sie nun länger im Becken gelagert als geplant und seien dadurch „deutlich kühler als üblicherweise“. Folge: Die eigentlich durch die Eigenwärme angeheizte Trocknungsprozedur der beladenen Castoren dauere deutlich länger oder erfordere gänzlich andere Verfahren.

Entsprechend verzögere sich nicht zuletzt auch durch die begrenzte Anzahl der qualifizierten Verladeteams der Beladungsprozess. Derzeit geht der Konzern davon aus, dass bis Mitte kommenden Jahres alle Elemente in Castoren verpackt und diese ins benachbarte Zwischenlager transportiert sind. Anschließend müssen noch einige defekte Brennstäbe zunächst in Spezialköcher und dann ebenfalls in einen Castor verpackt werden. Die komplette Brennstofffreiheit soll 2018 hergestellt sein. Eine Tatsache, die für den auf mindestens 20 Jahre Dauer geschätzten Rückbau auch Habeck nochmals beruhigen würde.

Holger Marohn

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