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Hämmern und sägen um Gold

Mölln Hämmern und sägen um Gold

Das Deutsche Bauhandwerk hat am Montag in Mölln seine besten Nachwuchshandwerker gekürt. Drei Tage lang hatten 59 junge Handwerker in sieben Berufsgruppen um Medaillen, Siegerprämien, Sachpreise und die Teilnahme an den Weltmeisterschaften, den World Skills in Abu Dhabi, gekämpft.

Individuelles Material: Jeder Stein ist anders. Auch daran muss Straßenbauer Sascha Adden aus Bremen bei seiner Aufgabe denken. Kai Juhls (2.v.l.) aus Neustadt in Holstein ist da schon etwas weiter. Unter den 59 Teilnehmern der Deutschen Meisterschaft der Bauhandwerker sind acht Straßenbauer.

Quelle: Marohn

Mölln. „Die Teilnehmer sind hier hervorragend ausgebildet. Sie sind die besten der Besten“, sagt Klaus-Dieter Fromm, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe. Und sie werden dringend gebraucht. Denn die Betriebe brauchen Nachwuchs. „Der Wettbewerb um die Talente ist voll entbrannt“, sagt Fromm. Es gebe Regionen, in denen auf 500 noch freie Stellen gerade einmal acht potentielle Bewerber kämen. Ein Problem: Neben dem demographischen Wandel machen auch immer mehr junge Leute Abitur und entscheiden sich dann für andere Berufsfelder oder studieren. „Die Betriebe brauchen gut ausgebildeten Nachwuchs und nicht den Ersatz der eigenen Arbeitskräfte durch Subunternehmer“, sagt Fromm.

Zeigen sich von den Leistungen beeindruckt: Landtagspräsident Klaus Schlie (r.) und Landesverbandsvorsitzender Thorsten Freiberg (2.v.l.)

Zeigen sich von den Leistungen beeindruckt: Landtagspräsident Klaus Schlie (r.) und Landesverbandsvorsitzender Thorsten Freiberg (2.v.l.)

Quelle: Marohn

Landtagspräsident Klaus Schlie wird in Zeiten, in denen Pisa-Studien und andere Vergleiche den Bildungsstand von Staaten an Abitur- und Studienquoten messen, noch deutlicher. „Wir müssen nicht jeden jungen Menschen zum Abitur treiben und nicht jeder, muss das Abitur machen, um dann an einer Hochschule zu scheitern“, warnt Schlie. Gleichzeitig forderte Schlie, die Inlandsdiskriminierung von Handwerksmeistern aufzuheben. Es könne nicht sein, dass Handwerksmeister aus den europäischen Nachbarstaaten an deutschen Hochschulen ihren Masterabschluss machen dürften, weil im Ausland ein Meistertitel als Bachelor tituliert wird, den deutschen Handwerksmeistern der Zugang von den Hochschulen in die Masterstudiengänge aber verwehrt werde. „Über dieses Problem muss nicht mehr nachgedacht werden, hier muss gehandelt werden“, fordert Schlie.

Während Politik und Verbandsvertreter am Sitzungstisch über Zukunft und Nachwuchssorgen sinnierten, hatten die Teilnehmer in den verschiedenen Hallen nicht ganz alltägliche und teils kniffeligste Handwerksaufgaben zu lösen. „Es ist ganz wichtig, dass man sich voll konzentriert und von nichts ablenken lässt“, sagt Florian Kaiser. Der 23-jährige Nordrhein-Westfale aus der Nähe von Olpe sicherte sich 2014 den Deutschen Meistertitel der Nachwuchszimmerleute und holte gerade mit der Zimmerer-Nationalmannschaft in Basel Mannschafts-Gold und Einzel-Bronze. „Am besten schaust du immer nur nach unten und nicht, wer da an der Bande steht und zuschaut“, sagt Kaiser mit Blick auf den Breitenfelder Matthias Fröhlich von der Sterleyer Firma Scharnweber. Für die überbetriebliche Ausbildungsstätte des lauenburgischen Bauhandwerks ist es nach 1996 und 2008 bereits das dritte Mal, dass Mölln Gastgeber der nationalen Wettkämpfe ist. Handwerksvertreter Fromm erinnert daran, dass so ein Leistungswettbewerb für die Handwerksbetriebe in der Region das beste Marketing sei. Aber die Unternehmen müssten endlich auch verstehen, dass die es inzwischen seien, die um Auszubildende werben müssten und nicht wie vor einigen Jahren aus einem Stapel von Bewerbungen auswählen könnten, sagt Fromm. Nur um diesen Wettbewerb als Werbeplattform zu nutzen, müsse es auch immer Einrichtungen als Partner geben, die sich wie Mölln solchen Stress antun würden.

Von Holger Marohn

„Beeindruckende Leistungen, so kurz nach der Gesellenprüfung“

23 Stunden Zeit, um 21 gehobelte Kanthölzer, die keinen Fehler verzeihen, säuberlich zuzusägen - die Zimmerer, die sich von Sonnabend bis gestern in Mölln bei der Deutschen Meisterschaft der besten Handwerks-Gesellen stellten, hatten eine extrem anspruchsvolle Aufgabe zu lösen. Als Lokal-Matador war Matthias Fröhlich am Start. Der 23-Jährige aus Breitenfelde hatte seine Ausbildung zum Zimmerer beim Bauunternehmen Scharnweber und in der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte (ÜAS) der lauenburgischen Baugewerbe-Innung in Mölln absolviert. Als Landesmeister war er für den Wettbewerb qualifiziert.
„Es ist schon eine richtig schwere Aufgabe“, sagte Matthias Fröhlich. Sein Manko: die Zeit. „Matthias arbeitet sehr sauber und fehlerfrei, es hapert aber etwas am Tempo“, berichtete Daniel Schilloks. Der Lauenburger Unternehmer ist Prüfungsausschussvorsitzender und war selbst Deutscher Meister. „Das hat meinen Werdegang schon sehr geprägt“, blickt Schilloks zurück. Hans Wittmann hatte sich die Aufgabe für die Zimmerer ausgedacht. „Da steckt schon einiges an Vorbereitungszeit hin, es soll ja auch anspruchsvoll, aber in der vorgegebenen Zeit auch realisierbar sein“, berichtete der Zimmerermeister. In drei Modulen wurde das Gebälk errichtet. Immer wieder schauten die Mitglieder der Bewertungskommission zwischendurch genau hin. „Die Jungs hier haben ihr Handwerk verstanden. Es ist beeindruckend, dass sie so kurz nach der Gesellenprüfung bereits ein dermaßen ausgeprägtes dreidimensionales Verständnis haben“, sagte Wittmann. Von Timo Jann
Bei den Maurern ging die Goldmedaille an Christoph Rapp aus Schemmenhofen (Baden-Württemberg). Die Goldmedaille im Beton- und Stahlbetonbauerhandwerk ging an Medin Murati aus Warmisried (Bayern). Cedrik Knöpfle aus Löfflingen (Baden-Württemberg) erkämpfte sich die Goldmedaille bei den Fliesenlegern. Deutscher Meister der Straßenbauer wurde Sebastian Krewel aus Zülpich (Nordrhein-Westfalen). Die Goldmedaille der Stuckateure ging an Ahmad Tawana aus Brühl (Nordrhein-Westfalen). Bester Isolierer wurde Marvin Heindl aus Grafenwöhr (Bayern). Bei den Zimmerern siegte Simon Schwab (22) aus Weihenzell (Bayern). Nach Schleswig-Holstein gingen eine Silber- (Kevin Ehlers, Maurer) und eine Bronzemedaille (Matthias Fröhlich, Zimmerer).

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