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Lauenburg „Hamburg ist für uns ein Heimspiel!“
Lokales Lauenburg „Hamburg ist für uns ein Heimspiel!“
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18:20 30.06.2017
Polizeihauptkommissar Philip Grupe (36), Zugführer in der Bundespolizeiabteilung Ratzeburg, macht sich auf den Weg zum G-20-Gipfel nach Hamburg. „Wir hoffen auf einen friedlichen Verlauf ohne Störungen“, sagt der gebürtige Ratzeburger. Quelle: Fotos: Joachim Strunk
Ratzeburg

„Die Maßnahmen rund um den G-20-Gipfel am nächsten Wochenende stellen den größten Einsatz in der Geschichte der Hamburger Polizei dar“, erklärte der Hamburger Polizeisprecher Timo Zill im Vorwege. Ähnliches können auch die Vertreter der Ratzeburger Bundespolizei behaupten. Tatsächlich ist nahezu die komplette Abteilung mit rund 400 Beamtinnen und Beamten in diesen Einsatz eingebunden – „aus allen Organisationsbereichen wie Technische und Einsatz-Hundertschaften, Stab, Unterstützungseinheit („Aufklärung“) oder der polizeiärztliche Dienst“, zählt Polizeihauptkommissar (PHK) Janó Siepel auf.

„Speziell auf den Gipfel kann man sich nicht vorbereiten. Philip Grupe,

Zugführer Bupo

Auch DRK kocht

Das DRK Schwarzenbek unterstützt die Verpflegungseinheiten der BuPo. Schnitzel, Gyros und Gulasch stehen unter anderem auf dem Speiseplan für die Einsatzkräfte beim G-20-Gipfel.

„Auch der Einsatzunterstützungs- und Standortservice, der für die Versorgung verantwortlich ist, ist gefordert“, sagt Siepel. Die 3800 Einsatzkräfte der Bundespolizei, die in Hamburg für die Sicherheit der Regierungschefs aus den größten 20 (= G 20) Industrie- und Schwellenländern sorgen, werden zur Hälfte aus Ratzeburg verpflegt. „Mit allen zur Verfügung stehenden Kräften werden bei uns die Mahlzeiten und Lunchpakete für die Kollegen zubereitet und danach an den Einsatzort gebracht“, erklärt Siepels Kollege PHK Bernd-Robert Schulz.

Diese Versorgungsaufgabe teilen sich die Ratzeburger übrigens mit den Kollegen aus Uelzen, die dort die andere Hälfte der warmen Essen herstellen. Das Frühstück nehmen die eingesetzten Polizisten jeweils in ihren Hotels, in denen sie eingemietet sind (wie stets bei ähnlichen Einsätzen), zu sich. Das Abendbrot erhalten sie als Lunch-Paket mit dem Mittagessen.

Auch sonst handelt es sich um einen Langzeiteinsatz, der elf Tage dauern kann. Für die Kräfte von PHK Philip Grupe begann am Donnerstag Abend um 18 Uhr der Dienst für die Frauen und Männer an der Mechower Straße, wo die Autos beladen wurden mit allem erforderlichen Gerät. Anschließend ging es im Tross nach Hamburg zu den Unterkünften. Die Fahrzeuge wurden auf einem besonders bewachten Parkplatz abgestellt. Und gestern Morgen begann der eigentliche Dienst vor Ort.

„Wir sind für die Hamburger Bahn zuständig im Innenstadtbereich“, sagt Philip Grupe. Dem Zugführer unterstehen 40 Einsatzkräfte, die gemeinsam mit anderen Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet „für die störungsfreie An- und Abreise der Veranstaltungsteilnehmer, den Schutz der Reisenden sowie den ungehinderten Nah- und Fernverkehr“ sorgen.

A propos Kollegen: Zu den Vorfällen in der Segeberger Kaserne, wo Anfang der Woche Berliner Polizisten weit über die Stränge geschlagen hatten (LN berichteten) und daraufhin abgezogen wurden, wollen sich die Ratzeburger Bundespolizisten nicht äußern. „Das ist Sache der jeweiligen Dienststellen“, wehrt der Abteilungsführer, Polizeidirektor Thorsten Rapp, ab.

Wie bereitet man sich als Polizist auf solche Einsätze vor – psychisch wie physisch? „Speziell auf den G-20-Gipfel kann man sich eigentlich nicht vorbereiten. Aber wir sind im Rahmen unserer Arbeit und in Folge von Parallelanlässen stets einer laufenden Aus- und Fortbildung unterzogen“, erklärt Grupe. Der gebürtige Ratzeburger war erst am vergangenen Wochenende von einem anderen Einsatz zurück gekehrt, der ähnliche Anforderungen an ihn und seine Kollegen gestellt hatte.

Überhaupt sind die Ratzeburger Bundespolizisten tief im Thema. Viele von den heutigen Kollegen waren schon beim G-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm dabei. Weitere Großeinsätze waren der Nato-Gipfel 2009 in Straßburg oder das G-7-Treffen 2015 im bayerischen Elmau. „Hamburg ist für uns ein Heimspiel“, erklärt der 36-jährige Grupe. Schon allein aufgrund der zahlreichen Fußballbundesliga-Einsätze kennen sich die Ratzeburger Bundespolizisten in der Hansestadt aus „wie in unserer Westentasche“.

Auf die zu erwartenden Demonstrationen und Proteste habe er sich soweit eingestellt, „dass ich mir das Versammlungsrecht zu Gemüte geführt habe“. Janó

Siepel ergänzt: „Wir hoffen, dass jeder sein Recht auf friedliche Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit wahrnehmen kann“.

Im Übrigen seien die Einsatzkräfte auf alles vorbereitet – notfalls auch auf „komplexe lebensbedrohliche Ereignisse“. Davon wolle man zwar nicht ausgehen, und normalerweise würden sich in einem solchen Fall auch Spezialkräfte wie SEKs oder die Elitegruppe GSG 9 kümmern. „Aber im Extremfall muss jeder von uns in der Lage und bereit sein, in Gefährdungssituationen einzugreifen“, sagt Hauptkommissar Grupe. Auf jeden Fall stellen sich die Ratzeburger auf „einen langen und körperlich anstrengenden Einsatz ein“, so Grupe. Die – normalerweise – im Juli wärmeren Temperaturen dürften dazu beitragen.

Joachim Strunk

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