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Hammer-Attacke auf Ehefrau: Mann spricht von "Filmriss"

Lübeck/Krummesse Hammer-Attacke auf Ehefrau: Mann spricht von "Filmriss"

Ein 51-jähriger Mann  steht vor Gericht, weil er seiner Frau nach einem Streit mehrmals mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen haben soll. Er will sich allerdings an nichts mehr erinnern.

Das Bild zeigt die Außenstelle des Landgerichtes Lübeck, das wegen Umbaumaßnahmen derzeit in der Schwartauer Landstraße verhandelt.

Quelle: Grombein

Lübeck/Krummesse. Ein Ehestreit in Krummesse eskaliert ausgerechnet in der Nacht von Freitag, 13., auf den 14. November 2015. Eine 49-Jährige wirft den Kontrabass ihres 51-jährigen Ehemannes aus der Haustür und zerbricht das Instrument. Der alkoholisierte Musiker rastet aus und schlägt mit einem Hammer auf ihren Kopf ein. Als sie ins Badezimmer flüchtet, rennt er die Tür ein, begräbt sie darunter und schlägt weiter mit dem Hammer zu. Die Frau überlebt schwer verletzt. Diesen Tathergang zumindest skizziert die Staatsanwaltschaft. Seit gestern nun beschäftigt sich das Landgericht Lübeck mit dem Fall. Beim Prozessauftakt des Schwurgerichtes wird dem Angeklagten versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen. Der Angeklagte will sich an nichts mehr erinnern – „Filmriss“. Das Ungewöhnliche: Das Paar will die Ehe retten. „Ich bin in meinen Grundfesten erschüttert. Eigentlich bin ich Pazifist“, sagt der gelernte Kaufmann auf der Anklagebank. Tränen fließen. Er nimmt die Brille ab und wischt sich über die Augen. Das passe nicht zu ihm. Er könne sich erst wieder daran erinnern, dass er im Polizeirevier sitzt und seine Fingerabdrücke genommen werden. Seine Frau sitzt auf der Bank der Nebenklage. Zwischendurch tauschen die beiden Blicke aus, wie es nur Eheleute tun. Zum Beispiel, als er erzählen soll, wie sich beide kennengelernt haben, lächeln sie sich an.

Auf die Zuhörer muss dieser Kontrast zwischen liebevoller Vertrautheit und der Brutalität des Falles wohl skurril wirken. Der 51-Jährige soll nach der Attacke auf dem Badewannenrand gesessen und auf seine verletzte Frau am Boden geblickt haben. In einer Hand eine brennende Zigarette, in der anderen ein Feuerzeug. Am Boden habe ein Benzinkanister gestanden. Es sei wie im Horrorfilm gewesen, sagt die Krummesserin schluchzend.

„Jetzt geht’s ans Sterben. Ich werde uns beide abfackeln“, soll er gesagt haben. Seine Stimme sei nicht wiederzuerkennen gewesen. Zumindest hatte sie das auf der Intensivstation einem Polizisten erzählt. Sie lag mit mehreren Löchern im Kopf, Platzwunden im Gesicht und einem Schädelhirntrauma insgesamt drei Wochen in der Klinik. Heute allerdings habe ihr Gehirn „zum Glück“ das Meiste von den traumatischen Ereignissen gelöscht. An die Hammerschläge oder das Aussehen des Werkzeugs kann sich die Frau kaum noch erinnern. In den Gedächtnislücken der Beteiligten liegt auch die Schwierigkeit für Richter Christian Singelmann und die Staatsanwältin Ann-Sofie Portius, die Tat schlüssig aufzuklären, um am Ende zu urteilen.

Jedenfalls lag die Ehefrau den Aussagen nach verletzt am Boden und versuchte, sich zum Waschbecken hochzuziehen. Doch das gelang nicht. Dann schellte das Telefon. Ihre Tochter sprach auf den Anrufbeantworter – doch hören konnte die 29-Jährige die Hilferufe ihrer Mutter nicht. „Ich will nicht sterben“, will sie ihren Mann angefleht haben.

Die Frau verdankt ihr Leben möglicherweise ihrem Hund. Er war laut Zeugenaussagen während des lauten Streits zu ihrer Tochter in der Nachbarschaft gelaufen. Die 29-Jährige aus erster Ehe hatte sich unter anderem wegen des auffälligen Verhaltens des Hundes zum Haus ihrer Mutter begeben und durch ihr Erscheinen den denkbar schlechtesten Ausgang des Streits verhindert. Sie fand ihren Stiefvater mit hängendem Kopf im Wohnzimmer, ihre stark blutende Mutter im Bad – und wählte den Notruf.

Beim Betreten des Saales fällt sie ihrem Stiefvater um den Hals und küsst ihn. Der seitdem in Untersuchungshaft sitzende Familienvater und seine Frau halten offenbar an der Hoffnung fest, dass ihre Ehe diesen Vorfall übersteht. „Wir können alles schaffen, wenn wir wollen“, schreibt die 49-Jährige in einem Brief an ihren Mann im Gefängnis.

Der 51-Jährige stand beim Angriff unter dem Einfluss von etwa 2,4 Promille Alkohol und starken Schmerzmitteln. Mit seiner Schuldfähigkeit wird sich ein psychiatrischer Gutachter befassen, eine Gerichtsmedizinerin mit dem Tathergang.

Fünf Verhandlungstage sind angesetzt. Dem 51-Jährigen droht eine lange Haftstrafe.

Florian Grombein

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