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Lauenburg Handwerkskunst an St. Nicolai in Mölln
Lokales Lauenburg Handwerkskunst an St. Nicolai in Mölln
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20:19 22.03.2016
Die alten Rinneisen kommen an ihren alten Platz. Dachdecker Sebastian Tertel (vorne) biegt sie zurecht, damit sie wieder befestigt werden können. Meister Jens Henning (hinten): „Wir mussten genau aufpassen, dass hinterher wieder alles passt.“ Quelle: Fotos: Philip Schülermann
Mölln

Überall auf dem Gerüst liegt Werkzeug herum, oben in luftiger Höhe, Dachdecker kraxeln auf schmalen Latten herum, die auf dem Dach angebracht sind. Andere biegen Jahrhunderte alten Stahl, damit die St. Nicolai-Kirche bald wieder aussieht wie neu — oder besser: wie alt.

Die Sanierung der Nordwand ist bald abgeschlossen — Arbeiten für Jahrhunderte — Die Südwand soll folgen.

Seit Mitte Februar wird die Nordwand der St. Nicolai-Kirche in Mölln saniert. Feuchtigkeit und Würmer hatten über Jahre an dem Gebälk gewütet, bis die Schwelle auf dem Mauerwerk das Dach und Mauerwerk nicht mehr zusammenhalten konnte und die Nordwand sich langsam ausbeulte.

„Die Holzkonstruktion ist komplett fertig“, sagt Architekt Torsten Ewers, der durch den Dachstuhl führt — auf und ab über die Gewölbe, über Bretter und Stufen. Hinein geht es nur über Leitern, durch ein kleines Loch im Dach. Die Beleuchtung ist spärlich, überall lauert die Gefahr, mit dem Kopf anzuecken. An der Westseite der Kirche haben die Zimmermänner einen Balken ersetzt, der komplett weggegammelt war. An den Dachseiten wurde er durch Holz ersetzt, dazwischen mit einer Stahlstange, einem so genannten Spannanker. „Er kann eine höhere Spannung aufbringen“, sagt Ewers. Ganz aus Stahl habe man den Zugbalken aber nicht fertigen können, denn der würde sich bei Temperaturschwankungen zu sehr ausdehnen und zusammenziehen. Den Handwerkern blieb nichts anderes übrig, als die schweren Balken in den Dachstuhl zu hieven.

Auch das Gewölbe ist nun geflickt, Risse beseitigt. „Eine Freude das zu sehen“, sagt Ewers. „Saubere Arbeit.“ Man merke, mit wie viel Herzblut die Handwerker arbeiteten. Sie wüssten, dass ihre Arbeit Generationen überdauere.

Von draußen ist metallisches Hämmern zu hören. Dachdeckermeister Steffen Burmeister schlägt eine Bleiummantelung um die Rinn- eisen, die auf dem Kupferblech über der neuen Holzschwelle aufliegen. Es sind die alten Eisen und sie sollen erhalten bleiben. Das Kupferblech hatten sie abmontiert. „Jetzt ist es fünf Zentimeter zu kurz“, sagt Ewers. Das liege an der neuen, breiteren Schwelle und der Krümmung der Wand , sagt Jens Henning. „Es ist ein Kunstwerk, alles wieder so krumm hinzubekommen“, sagt der Dachdeckermeister lachend.

Im unteren Bereich des Daches haben die Handwerker eine Verschalung mit Dachpappe über die neuen Balken gebaut. „So sind sie für 50 bis 100 Jahre vor Wasser geschützt“, sagt Architekt Ewers. Oberhalb werden die neuen Dachpfannen von innen mit Mörtel verstrichen. „Jede Pfanne wird verklammert“, sagt Jens Henning. zur Sicherheit, denn bei Wind lasten auf dem Dach enorme Kräfte. „Besonders schlimm ist der Sog“, erklärt Ewers. Normalerweise würde nur jede zweite Pfanne so gesichert werden. „Die neuen Dachpfannen sind etwas dunkler als die alten“, sagt Henning. In ein paar Jahren werde man davon aber nichts mehr sehen — und von unter schon gar nicht.

Über das Gerüst geht es vorbei an Nagelpistolen, Leitern und Brettern. Eine steile Treppe führt ein Stockwerk tiefer. Dort haben Maurer Schäden im Mauerwerk beseitigt. „Hier haben sie neu verfugt — mit Muschelkalk“, sagt der Architekt. Er hat die gleiche Farbe wie die einstigen Fugen, habe aber bessere Eigenschaften als Zement.

In etwa drei Wochen wird das Gerüst abgebaut werden. Ein kleineres werden Gerüstbauer an einem Pfeiler an Nordwestseite der St. Nicolai-Kirche errichten, um dort kleinere Schäden zu beheben — außerplanmäßig. Aber Überraschungen gebe es auf solchen Baustellen immer wieder. „Wir liegen gut im Budget“, sagt der Architekt. „Wir werden wohl sogar Geld übrig behalten.“

Auf einem der Balken werden sich die Handwerker verewigen. Das haben vor ihnen schon andere getan — von unten nicht sichtbar, knapp unter dem Dach, in das Mauerwerk geritzt. Die Initialen „M.P.“ und „1975“ sind vom Gerüst aus deutlich lesbar.

Als nächstes soll die gegenüberliegende Wand saniert werden. Auch dort sind die Balken von der Feuchtigkeit beschädigt. „Die Südwand ist deutlich komplizierter“, sagt Torsten Ewers. Balkenanordnung und Kehlen werden ihnen die Arbeit erschweren.

Die Sanierung der Nordwand war dringend nötig

350000 Euro kostet die Sanierung der Nordwand. Die Hälfte bezahlt das Land Schleswig-Holstein, ein Drittel gibt der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg dazu. In wenigen Wochen sind die Arbeiten des ersten Bauabschnitts beendet. Wann die Südwand saniert wird, ist noch unklar.

Die Gewerke Gerüstbauer, Zimmerer, Maurer, Elektriker und Dachdecker arbeiten an der Sanierung in luftiger Höhe.

An der Nordwand musste einiges erneuert und ausgebessert werden: Dachbalken, Fugen, Schwellen, Fußpunkte oder Dachziegel. Wenn möglich haben die Handwerker die originalen Teile wiederverwendet. Aber nicht alles war zu retten.

Höchste Zeit sei es gewesen, dass die Nordwand saniert wird, sagte Bauleiter Martin Uhle. Die maroden Schwellen hielten den Kräften, die auf dem Mauerwerk lasten, nicht mehr stand.

Von Philip Schülermann

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