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Lauenburg Hausärzten geht der Nachwuchs aus
Lokales Lauenburg Hausärzten geht der Nachwuchs aus
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21:22 27.01.2017
Überglücklich: Anja Lemke mit Tochter Stephanie (l.) und Claudia Karrock mit Lasse David. Am Donnerstag haben sie in Ratzeburg entbunden. Das Krankenhaus hat die kleinste Entbindungsstation von Schleswig-Holstein – hochmodern und zugleich familiär, kurz: zum Wohlfühlen. Quelle: Foto: Dorothea Baumm
Ratzeburg

Bei Risiken und Nebenwirkungen . . . ist es manchmal gar nicht so einfach, einen Arzt zu fragen. Alltag im Kreis Herzogtum Lauenburg: Auf der Suche nach einem Frauenarzt kann es passieren, dass die Auskunft erteilt wird, es würden keine neuen Patienten mehr angenommen. Auf einen Termin beim Internisten muss man unter Umständen monatelang warten. Und auch Patienten mit psychischen Problemen müssen sich in Geduld üben. Das ist die eine Seite der Medaille.

Auf der anderen Seite stehen die Zahlen, die der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein vorliegen – und diese Daten zur ambulanten medizinischen Versorgung im Kreis Herzogtum Lauenburg besagen, dass rechnerisch alles im grünen Bereich ist. Wichtig: Es ist das „Arzt pro Einwohner-Verhältnis“, das zählt. „Der Ärztebedarf in einer Region richtet sich nach der Zahl der Einwohner in einem Planungsbereich“, erklärt Marco Dethlefsen von der KVSH. „Ein Planungsbereich gilt als überversorgt und gesperrt, wenn die Arztdichte einer Fachgruppe einen Wert von mehr als 110 Prozent erreicht. Dann gilt ein Zulassungsstopp – Ärzte und Psychotherapeuten können sich dort nur dann neu niederlassen oder in einer Praxis anstellen lassen, wenn der Versorgungsgrad unter 100 Prozent fällt.“

Beispiel Internisten: Der Kreis Herzogtum Lauenburg gehört bei den Fachärzten für Innere Medizin bedarfsplanerisch zur Raumordnungsregion Schleswig-Holstein Süd. „Dort liegt der Versorgungsgrad mit Internisten bei 165,9 Prozent, insgesamt gibt es 79 internistische Stellen. Im Kreis selbst sind es zwölf Stellen“, erklärt Marco Dethlefsen: sieben in Geesthacht, einer in Mölln und vier in Ratzeburg. Nach Berechnung der KV ist der Kreis ausreichend versorgt.

Das gleiche gilt für die Versorgung mit Hausärzten. Im gesamten Kreis Herzogtum Lauenburg gibt es 117,65 hausärztliche Stellen – die krumme Zahl ergibt sich aus den Ärzten, die in Teilzeit arbeiten.

Nach den Zahlen der KV ist die Versorgung absolut in Ordnung: Im Mittelbereich Mölln gibt es 36 Hausarztstellen, im Mittelbereich Ratzeburg sind es 24,15 und in der Metropolregion Südost 168,25.

Oder anders ausgedrückt: Im Mittelbereich Mölln liegt der Versorgungsgrad bei 110,3 Prozent, in der Metropolregion Südost bei 110,9 Prozent und im Mittelbereich Ratzeburg bei 109,4 Prozent – der Ratzeburger Bereich ist damit für eine halbe zusätzliche Hausarztstelle geöffnet.

Beim Praxisnetz Herzogtum Lauenburg wird das durchaus kritischer gesehen. „Wir sind ein kreisweiter Zusammenschluss von über 140 Ärzten und Psychotherapeuten, sieben Kliniken und zahlreichen medizinischen Dienstleistern im Südosten Schleswig-Holsteins“, so stellt sich der Verbund vor. Vorstandsmitglied Dr. med. Andreas Schmid, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des DRK Krankenhauses Ratzeburg, blickt mit Sorge in die Zukunft. „30 Prozent der Hausärzte im Kreis werden innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre aufhören – und die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig!“ Immer weniger junge Ärzte wollen in die Selbstständigkeit, die in der eigenen Praxis in aller Regel mit einer Wochenarbeitszeit von mindestens 40 Stunden einhergeht. Das besondere Anliegen des Praxisnetzes: „Wir wollen die Hausarztpraxen im Kreis erhalten.“

Der Blick auf die Zahlen hier und die Realität bei der Terminvergabe zeigt deutlich: Da klafft die Schere weit auseinander. Es gibt neun Augenärzte (Versorgungsgrad im Kreis: 112,2 Prozent), 4,5 Chirurgen (111,3), 18 Frauenärzte (123), fünf Hautärzte (111), 6,5 HNO-Ärzte (116,9), 6,6 Nervenärzte (113,4), neun Orthopäden (124,5), 29,25 Psychotherapeuten (141,9), 4,5

Urologen (120,3) und elf Kinderärzte (145,5).

Apropos Kinderärzte: Was die Geburtsstationen angeht, steht der Kreis mit den Krankenhäusern in Geesthacht und Ratzeburg richtig gut da. Beide Häuser sind modern und erfreuen sich großer Beliebtheit, was auch die steigende Zahl der Geburten belegt.

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Dorothea Baumm

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