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Lauenburg Heinold: „Wir brauchen diese Orte“
Lokales Lauenburg Heinold: „Wir brauchen diese Orte“
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21:10 09.08.2018
Ratzeburg

„Wir brauchen diese besonderen Orte zur Nachqualifizierung für Jugendliche“, sagte die Ministerin gleich zu Beginn ihres Besuchs, als sie aus ihrer teilelektrisch motorisierten BMW-Dienstlimousine gestiegen war. Das Thema liegt der Politikerin besonders am Herzen, war sie doch einst Erzieherin vor ihrer Karriere als Berufspolitikerin. Schulleiter Carsten Roock und Prokuristin Bärbel Buch führten Monika Heinold durch die Einrichtung mit ihren unterschiedlichen Werkstätten. 40 Plätze bietet die Schule derzeit für junge Menschen an, die bislang auf den üblichen Wegen hin zu einem beruflichen Einstieg gescheitert sind, erläuterte Roock. 15 Plätze gibt es zudem für junge Migranten. Bei beiden Gruppen habe man es mit einer Klientel zu tun, die besonders viel Geduld, Verständnis und teils intensive Betreuung erforderten, betonte Bärbel Buch gegenüber der Besuchergruppe, zu der auch Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß und die Grünen-Politiker Klaus-Stefan Clasen (Grünen-Fraktion Ratzeburg) und Bettina Best (Kreistagsfraktion/ BBZ) sowie Helen Graf von der Investitionsbank Schleswig-Holstein gehörten.

Die schleswig-holsteinische Finanzministerin Monika Heinold (Die Grünen) lässt sich vom Teilnehmer der Produktionsschule Ratzeburg, Dominik Völkers, die Fertigung eines Feuerturms erklären. Quelle: Fotos: Matthias Wiemer
Thomas Friedrichs – vom Teilnehmer zum Anleiter.

Roock erläuterte weiter, dass Flexibilität ein Kernstück der Arbeit der Produktionsschule sei. So gebe es laufend Aufnahmen fernab von Schuljahren oder anderer fester Zeitabläufe, und auch die Verweildauer sei sehr unterschiedlich. Einige Jugendliche seien nur wenige Wochen dabei, andere bereits länger als ein Jahr. Alle Teilnehmenden, die meisten seien junge Männer, würden ihren Unterhalt über das Arbeitslosengeld II beziehen. Seit neuestem sei auch Unterstützung über die Jugendhilfe möglich.

Die Betreuung der jungen Leute, die teils nie gelernt hätten, einem regelmäßigen Tagesablauf mit der Erfüllung von Pflichten nachzugehen, erfordere entsprechend auch pädagogischen Einsatz, so Roock.

„Da muss man auch schon manchmal hinterher telefonieren oder zu den jungen Leuten nach Hause fahren“, berichtete der Schulleiter und ergänzte, „manche verlieren wir leider auch“.

Um so erfreulicher sei es, wenn junge Leute wie der 18-jährige Dominik Völkers in der Einrichtung richtig Tritt gefasst haben. Nicht ohne Stolz zeigte er der Kieler Ministerin seinen selbst gefertigten Feuerturm. „Das Arbeiten mit Metall macht mir viel Spaß“, sagte der junge Mann, der eine Ausbildung als Metallbauer anstrebt. Beeindruckt zeigte sich Heinold auch über das Werkstattprojekt zur Wiederaufbereitung von alten Segelflugzeugen, das der Verkehrsluftfahrtexperte Volker Tank als Werkstattleiter betreut.

Breiten Raum nahm auch das Thema Beschäftigung von jungen Geflüchteten ein. Hier ergäben sich immer wieder Probleme einerseits mit mentalitätsbedingten Schwierigkeiten, etwa in Bezug auf Pünktlichkeitsverständnis und Arbeitsschutzvorschriften. Anderseits aber auch mit Fragen der unklaren Bleiberechtsperspektive.

Eine gute Stunde nahm sich die Ministerin Zeit für einen Meinungsaustausch mit den jungen Leuten – ohne Beisein der Besuchergruppe. Es sollte eine möglichst lockere Gesprächsatmosphäre aufkommen.

Besonders die Schilderungen der privaten Hintergründe hätten dabei breiten Raum eingenommen, sagte Monika Heinold anschließend.

Als Teilnehmer begonnen

Vom Teilnehmer zum Ausbilder: So läuft’s, wenn es richtig gut läuft. Thomas Friedrichs aus Ratzeburg hat vor zehn Jahren mit Problemen beim Einstieg ins Berufsleben in der Produktionsschule als Teilnehmer begonnen. Das Prinzip „Lernen am Produkt“ war für ihn genau richtig. Der 28-Jährige fand sich gut zurecht und machte anschließend eine Ausbildung zum Zimmerer, holte sogar das Wirtschafts-Abi nach. Jetzt arbeitet er in der Produktionsschule als Werkstattpädagoge und Anleiter.

Matthias Wiemer

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