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Lauenburg Henkerstuhl, Triumphkreuz und morsche Orgel in St. Nicolai
Lokales Lauenburg Henkerstuhl, Triumphkreuz und morsche Orgel in St. Nicolai
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20:15 16.09.2016

St. Nicolai thront auf einem Hügel mitten in der Möllner Altstadt und ist weit mehr als eine Kirche. Der Begriff „Schatzkammer“ wäre für dieses mächtige Gebäude doch eher zutreffend. Hier werden schließlich auf eindrucksvolle Weise acht Jahrhunderte christlichen Lebens in Mölln dokumentiert.

Das Gotteshaus steht Besuchern täglich außer montags offen – ein Angebot, das reichlich genutzt wird. Dafür gibt es gute Gründe, denn sehr viel, was es hinter den alten Mauern zu bestaunen gibt, ist kunsthistorisch bedeutend oder wertvoll. Manches aber ist eher kurios. Dazu zählt sicher der Henkerstuhl, der sich ein wenig abseits der normalen Sitzbänke an einer Seitenwand findet und der ausgeklappt werden kann. Er ist ungewöhnlich hoch montiert - nicht etwa, weil der Henker auf die anderen Kirchenbesucher herabschauen sollte, sondern weil in dieser Sitzposition seine Füße nicht den geheiligten Boden berühren konnten. Hoch angesehen war der Berufsstand nämlich nicht.

Die große Kirche, deren älteste Teile auf die Zeit um 1210 zurückgehen, ist ein Backsteinbau in romanisch-frühgotischem Stil und der einzige erhaltene Bau aus der Gründungszeit der Stadt Mölln.

Zuerst errichtet wurde nach Erkenntnissen von Historikern der Chorraum, dann folgte der Turm. Gegen 1250 war der Bau des Hauptschiffes mit zwei Seitenschiffen abgeschlossen, rund 200 Jahre später erfolgte eine Erweiterung. Hohe gotische Hallen stehen seitdem da, wo sich vorher das südliche Seitenschiff befand. 1497 fügte man schließlich noch die Sakristei und die Taufkapelle an.

Der Platz auf dieser Zeitungsseite reicht nicht annähernd aus, um die zahlreichen Kunstschätze aufzuzählen, die man in der Nikolaikirche bewundern kann. Das älteste Ausstattungsstück, ein gotländischer Sandsteinsockel, stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Anfangszeit von St. Nicolai. Mit über 800 Jahren ist dies wohl die älteste Steinplastik im Lauenburgischen. Der Marienschrein am Eingang ist vermutlich eine Lübecker Arbeit aus der Zeit um 1450. Das 1504 fertiggestellte Triumphkreuz ist ein Werk des Lübecker Bildschnitzers Bernt Notke.

Der siebenarmige Bronzeleuchter von 1436 stammt aus dem früheren Kloster Marienwohlde. Das Taufbecken aus Bronze, getragen von drei Engeln, wurde 1509 von Peter Wulf geschaffen. Bedeutend ist auch der Verkündigungsleuchter im Südschiff. An den Ecken sind die Figuren der Heiligen Katharina, des Nikolaus, des Augustinus und des Ansverus zu sehen. Imposant ist die barocke Kanzel aus dem Jahr 1742. Aus der selben Epoche stammt der vom Bürgermeister Andreas Kahl gestiftete Altar. Das Altarbild zeigt die Heimkehr des verlorenen Sohnes.

Eine Besonderheit dieser Möllner Kirche sind die Kommunikantentafeln. Das sind lange Holztafeln, auf denen seit Jahrhunderten die jährliche Zahl der Abendmahlteilnehmer ganz genau festgehalten wird.

„Da kann man gut erkennen, wann es in Mölln Pastoren gab, die viele Menschen in den Gottesdienst lockten und wann hier Seelsorger amtierten, die nicht so gut ankamen“, erklärt Küsterin Christine Koch.

Dass St. Nicolai nicht nur aus optischen Gründen einen Besuch lohnt, sondern auch aus akustischen, liegt an der weit über das Lauenburgische hinaus bekannten, wenn auch reparaturbedürftigen Orgel - und an den fünf Kirchenglocken, die hoch im Turm hängen. Die älteste von ihnen wiegt 3500 Kilogramm. Sie wurde 1474 gegossen, hat damit also alle Kriege und sonstigen Wirrungen der letzten 542 Jahre überdauert und ist so irgendwie auch ein Symbol für die Standhaftigkeit Möllns und seiner völlig zu Recht so berühmten Kirche.

Norbert Dreessen

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