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Lauenburg Herrenhaus: Kreis droht Rauswurf aus der „guten Stube des Lauenburgischen“
Lokales Lauenburg Herrenhaus: Kreis droht Rauswurf aus der „guten Stube des Lauenburgischen“
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21:16 17.12.2015
1764-66 als herzögliche Residenz erbaut, wohnten dort später die Verwalter und dann die Dompröpste.

Landratswahl, Sportlerehrungen, klassische Konzerte oder besondere Ausstellungen: Wenn es um einen festlichen Rahmen geht, ist das Ratzeburger Herrenhaus für den Kreis stets erste Wahl. Doch damit könnte es bald vorbei sein, denn die Nordkirche als Rechtsnachfolger der Landeskirche Mecklenburg prüft derzeit eine Übernahme-Option, wonach sie sich das mit der deutschen Teilung an das Land Schleswig-Holstein übertragene Nutzungsrecht zurückholen könnte. Und die Kirche scheint nicht abgeneigt zu sein.

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1764-66 als herzögliche Residenz erbaut, wohnten dort später die Verwalter und dann die Dompröpste.

„Zur künftigen Nutzung des Herrenhauses gibt es Gespräche“, bestätigt Pastor Stefan Döbler, Sprecher der Nordkirche. „Nach 30 Jahren der Nutzung und mit der Aufgabenerweiterung im Zuge der Nordkirchengründung stehen für einen Teil des Campus Ratzeburg Überlegungen für eine Modernisierung und Erweiterung an.“ Die Nordkirche wolle insbesondere die Aus-, Fort- und Weiterbildung ihres theologischen Personals an diesem zentralen geistlichen Standort auf lange Sicht auf hohem Niveau und unter guten Bedingungen sichern. Welche Rolle das einstige Herrenhaus der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz in den Plänen der Nordkirche spielen könnte, lässt Döbler offen.

Vor fast 47 Jahren hatten das Land und die Landeskirche Mecklenburg vereinbart, dass das Land Schleswig-Holstein „im Falle einer Wiedervereinigung der Landeskirche Mecklenburg innerhalb eines Jahres die Nutzung der alten Dompropstei für allgemein-kirchliche Zwecke“ anbietet. Dieses Übernahmerecht in Form einer Miete würde spätestens zwei Jahre nach Eingang des Angebotes erlöschen.

Das Problem: Nach Inhalt des 1969 geschlossenen Vertrages hätte das Land der Kirche Mecklenburg eigentlich spätestens 1991 das Herrenhaus anbieten und die Kirche sich dann 1993 entscheiden müssen.

Und ganz rechtlich sauber scheint der Vertrag nicht formuliert zu sein. Jedenfalls sind es nach Angaben von Landrat Dr. Christoph Mager „rechtliche Risiken“, die das Land davor haben zurückschrecken lassen, eine entsprechende Erklärung von der Kirche einzufordern. So habe es der zuständige Staatssekretär aus dem Kulturministerium bei einem Treffen in Ratzeburg erklärt.

Immerhin würde die Landeskirche das Herrenhaus nicht zum Nulltarif bekommen. Sie müsste nicht nur die einst für den Bau der neuen Dompropstei erhaltenen öffentlichen Zuschüsse zurückgeben, sondern auch dem Kreis als Nutzer des Herrenhauses die in den vergangenen gut 40 Jahren angefallenen Kosten für die Instandsetzung entsprechend dem Zeitwert erstatten. Dieser hatte sich 1971 wiederum die Nutzung des „Schlosses“ vom Land vertraglich zusichern lassen — und hätte im Falle eines Verzicht der Kirche auf ihr Nutzungsrecht wiederum die Möglichkeit, das Ensemble kostenlos zu übernehmen.

Vorerst hat der Kreis selbst erst einmal alle nicht zwingend zum Erhalt des Gebäudes erforderlichen Baumaßnahmen eingestellt.

Die Nordkirche selbst unterstreicht ihrerseits die Bedeutung des gesamten Areals für ihre Arbeit. So bilden die Domkirchengemeinde Ratzeburg und sieben auf der Domhalbinsel ansässige kirchliche, diakonische und kirchennahe Einrichtungen unter dem Dach des Campus Ratzeburg „ein geistliches Zentrum mit zum Teil jahrzehntelanger Tradition und Wurzeln bis in die Missionsgeschichte Norddeutschlands im Mittelalter“, heißt es. Das Prediger- und Studienseminar sei verantwortlich für die Ausbildung der Vikarinnen und Vikare, die Gewinnung des theologischen Nachwuchses und für die Begleitung der Theologiestudierenden, so die Kirche.

Das Herrenhaus der Herzöge von Mecklenburg
Das Herrenhaus als geplante Residenz der Mecklenburg-Strelitzer Herzöge für ihre Aufenthalte im Fürstentum Ratzeburg, der Exklave ihres Besitzes im Westen, ist von der Definition her eigentlich ein Schloss. Bis ins 20. Jahrhundert hinein nutzten die Dompröpste das barocke Palais als Wohnhaus.
Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz 1937 wurde der Dombezirk Teil der Stadtgemeinde Ratzeburg und damit Teil Schleswig-Holsteins. Das Nutzungsrecht durch die Kirche Mecklenburg war so jedoch nicht verwirkt. Aufgrund der Teilung mietete der Kreis 1973 das Palais als Kreismuseum.

Holger Marohn

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