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Lauenburg Vom Leben mit der Flut
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18:27 08.10.2018
Dr. Tanck zeigt bei der Hochwasser-Führung auch die Steinkästen. Sie wurden einst gebaut, um das Eis der Elbe zu brechen. Quelle: Silke Geercken
Lauenburg

Das vorerst letzte Hochwasser in Lauenburg war in 2013. Der Pegel stand auf 9,61 Meter. Die Menschen am Fluss haben inzwischen gelernt, mit der Bedrohung durch die Elbe zu leben. Wie, das schildert Dr. Claudia Tanck bei einer Stadtführung am Sonnabend, 13. Oktober. Start ist 14.30 Uhr am Elbschifffahrtsmuseum.

Fluss birgt Gefahren

Die Elbe ist seit Jahrhunderten die Lebensader der Stadt Lauenburg gewesen. Doch die Lage am Fluss birgt auch Gefahren. Immer wieder ist die südlichste Stadt in Schleswig-Holstein im Laufe der Geschichte von schweren Hochwassern heimgesucht worden. Die letzte Flut in 2013 hat sogar die Bundeskanzlerin nach Lauenburg gelockt. Ihr folgten einige Politiker mit vollmundigen Zusagen, schnellstmöglich einen Hochwasserschutz zu bauen – das ist jetzt fünf Jahre her. Viel geschehen ist nicht. Ein Grund ist allerdings auch, dass viele Anwohner den zehnprozentigen Eigenanteil der Schutzmaßnahme nicht zahlen wollen/können.

Hochwasserschutz

Über stationären Hochwasserschutzder Altstadt wird diskutiert. Die Zusammenarbeit mit den Eigentümern der Altstadthäuser ist eine Herausforderung. Ein Konzept lässt sich nur umsetzen, wenn alle den Einsatzkräften im Grundbuch ein Betretungsrecht für den Notfall einräumen. Daran war ein früheres Konzept gescheitert. Inzwischen laufen die erneuten Planungen. Der Bereich von der Kanalschleuse bis zum Ende der Altstadt ist dabei in drei Bereiche unterteilt. Allerdings sind allein schon die Ausschreibungen der Planungsleistungen sehr kompliziert. Eine Fertigstellung des gesamten Hochwasserschutzes der Stadt Lauenburg wird frühestens 2028 erwartet – wenn auch alle Grundeigentümer zustimmen.

„Wer hier lebt, ist sich der Bedrohung bewusst und hat gelernt, damit umzugehen“, sagt Dr. Claudia Tanck, gebürtige Lauenburgerin und Archivarin im Kirchenkreis Lübeck-Herzogtum-Lauenburg. Bei ihrem Rundgang wird sie die Gummistiefel zwar nicht brauchen, aber den Teilnehmern deutlich machen, dass diese ein unverzichtbares Utensil in jedem Haushalt der Elbstraße ist. Stationen der Hochwasser-Führung sind der Rufer, der Pegel, die Steinkästen oder das Haus in der Elbstraße 22, das bereits etliche Katastrophen überstanden hat. „Früher haben die Menschen mit der Elbe gelebt. Die Keller waren leer, die Wände der Häuser sind wasserdurchlässig, so dass sie keinen Widerstand gegen die Urgewalt bieten. Die Menschen brachten ihre Sachen in den ersten Stock und warteten ab“, sagt Dr. Tanck. Heute sei dieser Pragmatismus nicht mehr so einfach durchzuführen. „Wenn durch das Wasser der Strom ausfällt, geht nichts mehr. Es bleibt nur eine vorübergehende Evakuierung.“

Geschichte der Steinkästen

Beim rund einstündigen Rundgang in der Altstadt lernen die Teilnehmer auch das blaue Zimbelkraut kennen. Es sprießt an den Steinkästen. „Vermutlich wurde der Samen einst durch das Wasser transportiert und an die Wände geklatscht. Dieses Kraut ist kein heimisches Gewächs.“ Die Steinkästen haben ihre eigene Geschichte. Die riesigen Holzkisten wurden im 17. Jahrhundert vor die Keller der Häuser gebaut und mit Felssteinen bestückt – Hochwasserschutz ganz simpel. Wer mehr wissen möchte, sollte die Führung nicht versäumen – es geht auch ohne Gummistiefel.

www.lauenburg.de/tourismus

Silke Geercken

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