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Lauenburg Hochwasser: Lage ist unter Kontrolle
Lokales Lauenburg Hochwasser: Lage ist unter Kontrolle
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22:47 05.01.2018
Gulasch für die Retter: Um die zwölf Stunden dauert die Schicht für die Einsatzkräfte. Die DLRG Oberelbe versorgt alle Helfer mit warmem Essen und Getränken. FOTOS (2): H. MAROHN
Kuddewörde/Reinbek

Trotz sinkender Pegelstände an den Einsatzpunkten in Brunstorf, Kuddewörde, Aumühle und Kollow und keinen erwarteten neuen Starkregenereignissen wird von der Einsatzleitung noch keine Entwarnung gegeben. „Wenn wir die Pumpen abstellen, steigen die Wasserstände sofort wieder“, sagt Sascha Manzke von der Technischen Einsatzleitung. Immer noch fließe vor allem in Kollow, wo eine Landesstraße wegen drohender Überfluten gesperrt ist, und Brunstorf, wo die Wassermassen ein Klärwerk bedrohen, mehr Wasser nach als die Abläufe ableiten könnten.

Die Lage in den Hochwassergebieten im Kreis Herzogtum Lauenburg entspannt sich langsam. Die Pegel haben sich stabilisiert. Dramatisch droht die Situation in Reinbek zu werden. Dort sammelt sich das Wasser der Bille, weil es nicht in die Elbe abgeleitet werden kann.

Lediglich einige Einheiten mit Hochleistungspumpen habe man abziehen können. Diese seien allerdings nicht nach Hause entlassen worden, sondern lediglich in den Bereitstellungsraum verlegt worden.

Denn die Wassermassen arbeiten sich derzeit vor allem die Bille hinunter und drohen Teile von Reinbek zu überfluten. Dort kann aufgrund des Hochwasserstandes in der Elbe das Wasser nicht wie üblich in die Elbe weitergeleitet werden. Dort ist am Freitag mit 2,40 Metern der höchste Pegelstand der Elbe seit mehr als 40 Jahren gemessen worden. Zeitweise war sogar von einem Allzeithoch die Rede.

Dass weiter flussaufwärts in Kuddewörde an der Grander Mühle die Lage letztlich doch einigermaßen entspannt geblieben ist, ist vorangegangenen Einsätzen ähnlicher Art zu verdanken. So schützen aktuell noch 7000 Sandsäcke aus dem letzten Einsatz das denkmalgeschützte Gemäuer. Lediglich knapp 1000 Säcke hätten die Einsatzkräfte noch einmal obendrauf packen müssen. Man sei aber von der Geschwindigkeit, mit der das Wasser gestiegen sei, etwas überrascht worden, heißt es. So stand der Gastraum des Restaurants bereist unter Wasser, als die dringend benötigten zusätzlichen Sandsäcke ankamen.

Während sich die Pegel vielerorts stabilisieren oder teilweise auch fallen, beginnen Überlegungen über Ursachen und Folgekosten. „Das ist nicht unser Wasser. Es kann nicht sein, dass wir als Gemeinde hier regelmäßig auf den Kosten sitzenbleiben, nur weil das Wasser aus dem gesamten Einzugsgebiet der Bille hier zusammenläuft“, sagt Kuddewördes Bürgermeister Wolfgang Gerlach. Neben Materialkosten gehörten dazu auch die Dienstausfallentschädigungen. Gerlach forderte den Kreis auf, bei solchen Lagen Katastrophenalarm auszulösen. Dann würde der Kreis auch die Kosten übernehmen. Eine entsprechende Einschätzung wird vom Kreis unterdessen nicht geteilt. So hätte die Lage einen Katastrophenalarm nicht gerechtfertigt.

Allerdings sei man sich der finanziellen Belastung der betroffenen Gemeinden durchaus bewusst, heißt es beim Kreis.

 Auch anderswo, wie etwa in Brunstorf, ist jetzt die Diskussion um Ursachen entbrannt. In dem Ort bemängelten Einsatzkräfte und Anwohner, dass der Ablauf des privaten Fischteiches teilweise verstopft gewesen und auch der Siekgraben auf der anderen Seite der Straße zugewachsen und damit weniger leistungsfähig gewesen sei. In Kollow ist eine Diskussion um die während der Flurbereinigung zurückgebauten Durchlässe unter der Straße erneut entbrannt (siehe unten).

In Kuddewörde kritisiert die örtliche Feuerwehr, dass einerseits die Denkmalschutzbehörden an der Grander Mühle einen stationären Hochwasserschutz verhindern und flussabwärts die Naturschutzbehörden untersagen würden, dass umgestürzte Bäume aus dem Flussbett geholt würden. So könne das Wasser nicht vernünftig abfließen und staue sich bis zur Mühle zurück. BUND-Vorstandmitglied Hans-Heinrich Stamer, keine hundert Meter von der Mühle wohnend und persönlich – ohne Gummistiefel – vor Ort, kritisierte, dass durch den Maisanbau Felder vielerorts im Winter nicht begrünt seien. Dadurch würde bei Regen verstärkt Sand in die Gräben gespült und diese verstopfen.

Für die Klimaforscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht ist der Klimawandel mitverantwortlich für die zunehmend nassen Winter in Norddeutschland. „Der Winterniederschlag hat im langjährigen Mittel zugenommen“, sagt Dr. Insa Meinke, Abteilungsleiterin des Norddeutschen Küsten- und Klimabüros am HZG. In den Wintermonaten hätten Regen und Schnee in Schleswig-Holstein im Vergleich zum Zeitraum 1961 bis 1990 bereits um durchschnittlich fünf Prozent zugenommen.

Tretau: „Rückhalt des Zuflusses könnte wirklich helfen“

Vor 30 Jahren gab es im Raum Kollow eine Flurbereinigung, in deren Zuge das Einzugsgebiet des Teiches berechnet wurde. „Da wurden große Fehler gemacht. Außerdem wurden zwei vorhandene 100er Abflüsse unter der Straße durch einen neuen 80er Ablauf ersetzt. Und das Rohr schafft einfach nicht so viel Wasser weg wie nachläuft“, sagt Kollows Bürgermeisterin Ines Tretau. Sie hofft, mit dem Kreis nun endlich eine Lösung zu finden. „Wir haben verschiedene Gutachten, die die Notwendigkeit eines Umbaus belegen“, sagt Ines Tretau.

Allerdings ist es keineswegs so, dass in den vergangenen Jahren nichts passiert ist. So ist vereinbart worden, den Wasserspiegel des Fischteiches abzusenken und so mehr Rückstauraum für Regenereignisse zu schaffen. Das habe auch mehrere Jahre funktioniert, sagt Amtswehrführer Wolf-Dieter Abel .

„Das Wasser, das für Probleme sorgt, stammt aus dem Gülzower Forst“, sagt Bürgermeisterin Tretau. Wenn der Boden gefroren ist oder es stark regnet, läuft das Oberflächenwasser aufgrund des natürlichen Gefälles in Gräben und dann weiter in den Teich. „Was wirklich helfen könnte, wäre ein Rückhalt des Zuflusses“, so die Bürgermeisterin.

 Tja Von Holger Marohn

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