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Lauenburg Hofreiter will Milchpreis stabilisieren
Lokales Lauenburg Hofreiter will Milchpreis stabilisieren
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21:36 17.11.2016
Gestern zu Gast in Sterley: Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, informierte sich auf dem Milchhof Albers bei Timo Albers in Sterley. Abends stand eine Veranstaltung mit Landwirten an. In der Mitte: Klaus Tormählen, Sprecher der Kreistagsfraktion der Grünen. FOTO: GROMBEIN

Anton Hofreiter ist nicht einfach nur gekommen, um aus seinem Buch „Fleischfabrik Deutschland“ zu lesen. Vor der Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft am Abend in Mölln machte er gestern einen Abstecher zum Milchhof Albers in Sterley.

Lesung in Mölln

Dr. Anton „Toni“ Hofreiter ist Politiker und Biologe. Er ist seit 2005 Mitglied des Bundestages. Hofreiter las am Donnerstag in Mölln im Wahlkreisbüro von Konstantin von Notz aus seinem Buch „Fleischfabrik Deutschland“. Laut Hofreiter nimmt die industrielle Massentierhaltung immer gewaltigere Ausmaße an.

„Die Tiere werden hier gut gehalten, und außerdem ist das Konzept der Direktvermarktung ein beispielhaftes Projekt dafür, wie Landwirtschaft laufen kann“, erklärte Hofreiter. „Ich möchte mich aber als Exot betrachten. Meine Kollegen können ja nicht alle von der Direktvermarktung leben. Was machen die?“, fragte Landwirt Timo Albers den Spitzenpolitiker der Grünen. Seine Partei denke über ein Konzept nach, das der Verband der Milchviehhalter als „atmender Deckel“ bezeichne. Hinter dem kuriosen Titel verberge sich die Idee, die Milchmenge durch andere Fütterung nach Bedarf ad hoc zu reduzieren.

Das Konzept sieht Milchbauer Albers jedoch kritisch. „Wenn die Nationalmannschaft am Abend vorher einen Schnaps trinkt, bringt sie am nächsten Tag natürlich schlechtere Leistungen.“ Und er blieb im Bild. Ein Hochleistungssportler wie die Kuh, müsse auch die benötigten Proteine bekommen. Da müsse die Tiergesundheit an erster Stelle stehen. „Wenn alle Milchbauern sich verpflichten würden, ad hoc ein Prozent weniger zu produzieren, dann könnten sich die Preise stabilisieren und die extremen Ausschläge verhindern“, erwiderte Hofreiter. Die Milchquote sei blind gegenüber der Nachfrage gewesen, deshalb habe sie nicht funktioniert.

Albers hakte nach. „Soll dieses Konzept europaweit gelten?“ Hofreiter: „Ja, europaweit und mit einer entsprechenden Absicherung bei den Im- und Exporten.“ Die Gelder für die nächste Förderperiode in der Landwirtschaft von 2020 bis 2027 müssten nach neuen Kriterien erfolgen, so Hofreiter. Flächenprämien, bei denen landwirtschaftliche Betriebe mit größeren Ländereien mehr Geld bekämen, hält der Fraktionchef der Grünen im Bundestag für falsch. Aus seiner Sicht sind drei Kriterien besonders förderfähig: Das Tierwohl, der Naturschutz und die Landschaftspflege.

Auch das Thema Windkraft wurde angesprochen. Hofreiter zeigte wenig Verständnis für die Argumentationen von Bürgerinitiativen gegen Windkraft. „Ich habe bis heute nicht verstanden, wo das Problem bei Windkraft ist. Ich bin Naturwissenschaftler. Infraschall ist eine absurde Erfindung.“ Ein objektives Problem sei hingegen die Gefahr, dass Vögel in Windkraftanlagen verendeten, so der Politiker.

 Florian Grombein

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