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Lauenburg Menschen mit Mut zum Mitfühlen
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16:06 02.12.2018
Seit 20 Jahren ist Peter Perner Mitglied der Ratzeburger Hospizgruppe. Den Vorsitz will er im kommenden Jahr aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Quelle: Dorothea Baumm
Ratzeburg

„Wenn Patienten zu mir sagen, dass man ja leider nichts mehr für sie tun könne, sage ich immer, dass wir noch sehr viel für sie tun können – wir können sie nur nicht heilen.“ Hannah Haberland weiß, wovon sie spricht, denn sie ist Palliativmedizinerin (Buchtipp: „Letzte Begegnungen. Eine Palliativärztin erzählt“ von Hannah Haberland. Eden Verlag, 224 Seiten, 14,95 Euro). Und sie weiß sehr gut, wie wichtig die Arbeit derer ist, die sich in der Hospizbewegung engagieren.

Darf ich weinen? Lachen?

Schwer krank sein: eine Belastung nicht nur für den Körper, auch Geist und Seele leiden. Sterben: Das macht es noch schlimmer. Angehörige, Freunde, Bekannte haben oft das Gefühl, der Situation nicht gewachsen zu sein. Menschen, die in der Pflege arbeiten, sind immer wieder mit dieser Ratlosigkeit konfrontiert. Wie darf/soll/muss ich mich einem Sterbenden gegenüber verhalten? Was darf ich sagen –und was auf keinen Fall? Darf ich weinen? Muss ich das sogar? Darf ich lachen?

Der Tod ist ein einsames Geschäft. Das ist nicht nur ein Buchtitel, das trifft auch immer häufiger zu heutzutage. Viele Riten, die früher die Gemeinschaft geprägt haben, sind weggefallen. Dass sich die Nachbarschaft, die Dorf- oder auch Kirchengemeinde um Kranke und Sterbende kümmert: wird weniger, wenn es überhaupt noch stattfindet. Gut, dass es Menschen wie Peter Perner gibt. Der Ratzeburger ist Vorsitzender der Hospizgruppe Ratzeburg, Mölln und Umgebung. Das Anliegen seiner Gruppe, ebenso wie des Freundeskreises Hospiz Geesthacht e.V.: einfühlsame Begleitung und Beistand für Schwerkranke, Sterbende und ihre Angehörigen. „Wir setzen uns für ein menschenwürdiges Sterben ein.“

Menschen auf dem letzten Weg

Mehr als 120000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich und unterstützen die Arbeit für schwerstkranke und sterbende Menschen: So ist es auf der Website des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes zu lesen. Die Ratzeburger Gruppe gibt es seit 1995. Damals von zwölf Menschen gegründet, hat sie heute etwa 100 Mitglieder. „Davon etwa 20, 25 Aktive.“

Warum Hospizarbeit? Perner, der dieser Tage seinen 70. Geburtstag feiern wird, muss nicht lange überlegen. Zwei Motive haben ihn dazu bewegt, erzählt er. Zum einen habe er schon als ganz junger Mensch, nämlich als Kriegsdienstverweigerer, beim Ersatzdienst im Krankenhaus erfahren, „dass ich gut mit Menschen auf ihrem letzten Weg umgehen konnte“. Als er dann, Jahrzehnte später, in die Altersteilzeit ging, stand fest, er wollte „mit dem Rest meiner Zeit etwas sinnvolles anfangen“. Auf einer Ehrenamtsmesse in Mölln stieß er auf die Hospizgruppe, und schnell stand fest: Jetzt wird die Ausbildung zum Sterbebegleiter gemacht.

Nicht mitsterben!

Das ist nun Jahre her, und für Perner steht fest: „Ich hätte nichts Besseres machen können.“ Für die Hospizgruppe Ratzeburg, Mölln und Umgebung werden immer „Menschen mit Mut zum Mitfühlen“ gesucht. Was müssen diese Menschen mitbringen? „Zeit“, sagt Perner spontan. „Eine Sterbebegleitung macht man nicht mal eben so neben einem Fulltime-Job.“

Außerdem, ganz klar, Empathie, Lebenserfahrung. „Klarheit mit sich selbst“, betont Berner. Wichtig ist auch, eine professionelle Distanz wahren zu können: „Nicht mitsterben!“ Und, nicht zu vergessen: Durchsetzungsvermögen. „Wir sprechen anwaltlich für den Patienten.“

Begleitung ist nie Routine

Begleitung ist nie Routine, so steht es auch auf dem Flyer des Vereins. Oft entsteht eine stark emotionale Bindung. Auch deswegen müssen künftige Begleiter bereit sein, Zeit zu investieren, auch über die Sterbebegleitung hinaus: für Supervisionen, Seminare, Wochenend- und Abendkurse.

Sterben kann einer der intensivsten Lebensabschnitte sein. Das begleitet man nicht mal eben so. Der Verein fordert von aktiven Mitgliedern eine Ausbildung zum Sterbebegleiter. „Wir brauchen mindestens acht Teilnehmer, die dann üblicherweise von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag geschult werden.“ Dazu kommt noch ein mehrtägiges Praktikum in einem Hospiz oder in einer Pflegeeinrichtung.

Aktive Sterbehilfe lehnen wir ab

Dem Hospizverein und den Sterbebegleitern geht es darum, Menschen das Sterben ohne Schmerzen zu ermöglichen, denn das ist, Palliativmedizin sei Dank, in den meisten Fällen möglich. Wohlgemerkt: „Aktive Sterbehilfe lehnen wir entschieden ab.“ Vielmehr ist das Ziel „liebevolles Umsorgen statt unnötiges Leid“.

Zahlen und Fakten

Was ist erlaubtim Umgang mit einem sterbenden Menschen? Was ist möglich? Und was darf auf keinen Fall sein? Mit diesen Fragen muss sich auseinandersetzen, wer sich in der Sterbebegleitung und/oder in einem Hospiz engagiert, denn das Hospiz (vom Lateinischen hospitium, was so viel wie „Herberge“ oder „Gastfreundschaft“ bedeutet) ist eine Einrichtung der Sterbebegleitung. Das erste deutsche Hospiz wurde 1986 eröffnet, das erste Kinderhospiz 1998.

Dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband zufolge gibt es in Deutschland etwa 1500 ambulante Hospizdienste, etwa 240 stationäre Hospize, einschließlich der 17 stationären Hospize für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, sowie mehr als 300 Palliativstationen in Krankenhäusern, drei davon für Kinder- und Jugendliche (Stand 7. August 2018).

Weiter heißt es, dass 220 der stationären Erwachsenen-Hospize im Durchschnitt über je zehn Betten verfügen.

Somit gebe es etwa 2200 Hospizbetten, in denen pro Jahr um die 30000 Menschen versorgt werden.

„Schlimm“, sagt Perner, „wenn ein Sterbender sich einsam fühlt. Wenn er das Gefühl hat, er wird nicht ernst genommen. Oder wenn womöglich wirklich niemand für ihn da ist.“ In diesem Fall sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter der beiden Hospizvereine da. Für die Ratzeburg-Möllner Gruppe sagt Perner: „Unsere Sterbebegleiter gehen absolut auf den Sterbenden ein. Einer unserer wichtigsten Grundsätze ist: Der Sterbende führt die Regie.“ Um Sterbenden diese besondere Zuwendung bieten zu können, bitten die Hospizvereine um Spenden, denn „wir finanzieren uns ausschließlich aus Spenden.“

Hier geht es zu den Kontaktdaten des Hospizvereins Ratzeburg-Mölln

Hier geht es zur Geesthachter Gruppe

Dorothea Baumm

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