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Lauenburg Hunderttausend Pflanzenkinder
Lokales Lauenburg Hunderttausend Pflanzenkinder
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11:17 13.06.2018
Andrea Heymer in ihrem Selbstversorgergarten, der zu einem ehemaligen Bauernhof in Klempau gehört. Sie gießt ihre Pflanzen nicht nur mit Hingabe, sondern auch nach fast schon wissenschaftlichen Erkenntnissen: über versenkte Töpfchen, die das Wasser an die Wurzel leiten.
Klempau

Der eigentliche Garten lässt sich zunächst nur erahnen, wenn man auf das Grundstück Dorfstraße 16 in Klempau kommt. Zunächst ist der Besucher beeindruckt von einer gewaltigen, gut 200 Jahre alten Blutbuche, die einen erheblichen Teil der Fassade des Haupthauses dieses ehemaligen Gehöfts beschattet. Mit Landwirtschaft hat die jetzige Hausherrin nicht mehr viel am Hut. Dafür geht sie voll und ganz in der Pflege und Gestaltung ihres Selbstversorgergartens auf. Und die resolute Informatikerin und Lehrerin stellt gleich zu Beginn klar, worum es sich hier handelt, was zu erwarten ist und was nicht. Wer also einen Baumarkt-Katalog-Garten oder einen bunten Wohlfühlblumen/Staudenpark à la „Schöner Wohnen“ sucht, sollte gleich wieder auf dem Absatz kehrt machen. Wer aber etwas über Gartenbau, Pflanzeneigenarten, Bodenbeschaffenheit und Sortenvielfalt erfahren möchte, der ist hier genau richtig.

An der Aktion „Offener Garten” am 16./17. Juni beteiligen sich auch im Lauenburgischen zahlreiche private und einige gewerbliche Gartenbesitzer: Gelegenheit zum Austausch und zum Sammeln von Anregungen. Die LN besuchten Andrea Heymer in ihrem Klempauer Garten.

„Menschen wollen oft einen Bilderbuchgarten“, leitet die Mitfünfzigerin ihren Rundgang über das weitläufige Gartengelände ein. Das sei ihr Ding nicht. Für sie liegt die Schönheit eines Garten mehr in den vielen kleinen Geheimnissen, die die Anlage preisgibt, wenn man tiefer in die vielfältige Welt von Zierpflanzen, Obstbäumen, Gemüse und Co. eindringt. Und je mehr man das tut, davon ist die Klempauerin überzeugt, desto mehr entwickeln sich fast schon Beziehungen zwischen der Gärtnerin und ihren Gewächsen. „Ich glaube, die reden mit mir“, lacht sie. Und das sagt keine entrückte Esoterikerin, sondern eine wissenschaftlich geschulte, sehr diesseitige Frau, die sich mehr am Wissen als am Glauben orientiert. Aussagen wie „Die Tomate ist ja eine wahre Drama-Queen – ein Hauch Wassermangel, und sie legt sich gleich theatralisch darnieder“ verdeutlichen, welch inniges Verhältnis die Klempauerin zu ihren Pflanzen auf dem rund ein Hektar großen Gelände hat.

Von Salat bis Dillkraut, von gelben Himbeeren bis unterschiedlichen Weinsorten, von Möhren, japanischen Weinbeeren über Mangold bis Erdkastanie – alles, was bei Andrea Heymer wächst, wandert in eine Kartei und wird akribisch begleitet: gesetzt dann und dann, umgepflanzt ein Jahr später. Wildwuchs hat bei der Frau, die einst beruflich in einer ganz anderen Welt unterwegs war, keine Chance. Dabei stellt für die Gartenfreundin das gewisse unberechenbare Moment eines Gartens den Hauptreiz dar. „Ein Garten ist eben nie fertig und jedes Jahr anders“, sagt die Herrin über gefühlte hunderttausend Pflanzenseelen. Und bei ihrer Grundauffassung, einen Garten zu betreiben, spielt die Einbindung in eine Weltanschauung eine entscheidende Rolle. Stichwort Selbstversorgergarten. „Garten ist für mich auch hoch politisch“, sagt sie mit dem Blick, den jemand mit einem ernsthaften Anliegen aufsetzt. Nach dem Motto „In einem gut gestalteten Garten findet man fast das ganze Jahr über etwas, was man essen kann“ versucht sich diese Hobbygärtnerin, auch ein Stück Unabhängigkeit in einer Welt fragwürdiger Verlockungen von Fertiggerichten, Tiefkühlkost und ganzjährig importieren Früchten aus künstlichen Wachstumszonen zu erhalten.

Andrea Heymer steht in Kontakt mit einem losen Zusammenschluss von Selbstversorgern, die ähnlich denken und laufend neue Erkenntnisse austauschen. Sie selbst schöpft schon lange aus einem Fundus von rund 300 Büchern rund um das Thema Gartenbau.

Also, nichts fürs Auge in ihrem Garten? Durchaus – genau hinschauen. Und sehen, was passiert, wenn man dem Grundsatz folgt „Nichts lehrt so viel wie das Tun.“

Das sind die „offenen Gärten“ im Lauenburgischen

Christel Ewers, Töpferei Lebenskunst, Kollower Straße 3, Schwarzenbek. 1000 qm bunter Bauerngarten mit vielen Stauden, Buchs und Hortensien, Ton-Kunstwerken.

Andrea und Ingo Rose, Im Strange 31, Schwarzenbek. Garten mit etwa 3000 qm für Mensch und Tier – mit Sitzecken und Blumenbeeten, alten Obstbäumen, Steinmäuerchen, Totholzhecken und Wasserstellen.

Sabine Tesch „Garten und Schönes“, Bismarckstraße 62, Schwarzenbek. 600 qm großer Garten mit Schwerpunkt Buchsformschnitt, Hortensien, Bäumchen.

Margareta und Thomas Benecke, Lindenstraße 2, Wiershop bei Geesthacht. 3000 qm langgezogener Sommergarten, Teich, Rabatten, Gehölze, Stauden.

Familie Adam, Donnerblock, Köthel. 3000 qm vielfältiger Garten, seit 50 Jahren immer wieder im Wandel, alte Gehölze und Bäume, Obstbäume, Stauden und Sommerblumen, Gemüsegarten, kleine Teiche.

Regine Stamer, Dröge Möhl 5, Linau. 13000 qm naturnaher Garten mit drei Teichen, Bachlauf, Sumpfgebiet und vielen gemütlich-romantischen Sitzplätzen.

Heike Wendt, Feilberg 67, Linau. Landhausgarten (1200 qm) mit seltenen Sträuchern, Stauden, Spalierobst und Säulenobst. Ein Bachlauf, aus Feldsteinen gelegt.

Andrea Heymer, Dorfstraße 16, Klempau 1. Selbstversorgergarten hinter einem alten Bauernhaus, große Pferdeweide mit junger Esskastanien-/Wallnussallee, Apfelbaum- und Prunus-Allee.

Christa und Karl-Heinz Pöhler, Bahnhofstraße 12, Kastorf. Blühender 2000 qm-Garten am Resthof, 150 qm Gemüsegarten, Beerenobst, Hochbeete mit Kräutern und Gemüse, kleine Weihnachtsbaumschonung.

Anja und Claus Dühring, Schlagweg 3, Niendorf-Stecknitz. 2000 qm Zier-, Nutz- und Freizeitgarten. Stauden, Rosen, Obst, Gemüse, kleiner Tümpel/Biotop, Gewächshaus.

Rita Schütt Pommernring 6, Breitenfelde, 700 qm naturnaher Garten mit vielen Blühpflanzenecken.

Michaela und Ingo Langhof, Höhenweg 30, Mölln. Mehr als 100 Rosen, Staudenbeete, alter Baumbestand, romantische Sitzecken, große Holzterrassen.

Traute und Carl Wilhelm Oelkers, Fliederweg 10, Sandesneben. 1000 qm Sonnengarten mit großen Staudenrabatten, umgeben von Hecken und Naturknicks.

Kai Schütt, Eisen schön, Dorfstraße 28, Klinkrade. Familiengarten (1200 qm) an natürlichem Bachlauf, Hochbeete, Rosen und Rambler im alten Baumbestand.

Brigitte Hölscher, Grünreich, Dorfstraße 10, Römnitz. „Garten der Sinne“ einer Gartentherapeutin am Naturschutzgebiet Ratzeburger See.

Haus ARILD, Heimschule für Kinder und Jugendliche, Lübecker Straße 3, Bliestorf. Abwechslungsreiches Gelände, 20000 qm mit Stauden, Gemüsegarten, Streuobstwiese, Rosen und vielem mehr.

Mehr Infos über die Teilnehmer unter www.offenergarten.de/teilnehmer/lauenburg/

 Matthias Wiemer

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