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Lauenburg „Ich bin ein verhinderter Revolutionär!“
Lokales Lauenburg „Ich bin ein verhinderter Revolutionär!“
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18:10 27.08.2018
Hollenbek

Im Januar 2002 erschien in den Lübecker Nachrichten ein Bericht über Detlef Hagemann unter der Überschrift „Der gute Mensch von Hollenbek“. Das mag vielleicht etwas pathetisch klingen, doch richtig war und ist es nach wie vor. Nicht umsonst hat er – Jahrgang 1950 – es zum Bürgermeister der Gemeinde Hollenbek bei Sterley gebracht: 20 Jahre lang, von 1998 bis Mitte dieses Jahres. In die Gemeindevertretung war er 1994 gewählt worden.

Trotz seines zurückhaltenden und leisen Charakters ist Detlef Hagemann eine Persönlichkeit mit vielen Facetten. Seine Offenheit, Toleranz, das Mitgefühl zu anderen Menschen und sein Gerechtigkeitsempfinden prädestinierten ihn für den ehrenamtlichen „Job“ als Oberhaupt seiner Gemeinde. Tatsächlich hatte es ihn nicht aus eigenem Antrieb dorthin getrieben, aber möglicherweise aufgrund der väter- und großväterlichen Geschichte (siehe Beistück) sahen andere in ihm die beste Lösung als Bürgermeister.

Auf seine eigene Art, diplomatisch, ruhig, vermittelnd, konnte er im Laufe seiner 20 Bürgermeisterjahre auch Etliches bewirken. In Stichworten: Gasversorgung, dabei parallel Pflasterung der meisten Bürgersteige, Straßenerneuerung Schoolstieg und Moorweg, Sanierung des Abwasserkanalnetzes, Erneuerung der Trinkwasserversorgung, Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED oder Spielplatzneugestaltung.

Als Bedingung für sein weiteres Engagement und auch als Zeichen der „sachlichen Zusammenarbeit und des respektvollen, fairen Umgangs in der Gemeindevertretung“ forderte er 2013, die bis dahin bestehenden zwei Wählerparteien und die SPD zu einer gemeinsamen Wählergemeinschaft zu vereinen. Was ihm gelang.

Will man nachvollziehen, was Hagemann zum erfolgreichen Kommunalpolitiker werden ließ, muss man einen Blick auf seinen Werdegang werfen. Auch wenn er den meisten in und um Hollenbek vor allem als Chef des bekanntesten irisch-britischen Restaurants zwischen Hamburg und Lübeck präsent ist, so war dieser Weg alles andere als vorherbestimmt.

Die miserable Busanbindung von Hollenbek nach Ratzeburg verhinderte, dass der junge Detlef sein Abitur an der Lauenburgischen Gelehrtenschule in Ratzeburg machen konnte. Statt dessen schloss er die Mittel(=Real)schule in Mölln ab, besuchte anschließend die Höhere Handelsschule, ehe er bei der Kreissparkasse eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte.

Doch das war nicht seine Profession. Als sich die KSK über einen kompetenten Mitarbeiter freuen wollte, kündigte er und nutzte 1971 den Verfall der transatlantischen Flugpreise (auf 200 US-Dollar =

728 D-Mark, hin und zurück), um sich drei Monate auf eigene Faust durch Kanada, die USA und Mexiko aufzumachen. „Ausschlaggebend war ein Film von Hans Dominik – Traumstraße der Welt, von Alaska bis Feuerland – da wollte ich hin!“ Das sollte auch nicht die letzte Reise des Hollenbekers bleiben. Über die nächsten 50 Jahre bereiste er alle fünf Kontinente. 1979 lernte er in Ägypten seine spätere Frau Marguerite kennen. Seine Weltoffenheit und Anteilnahme am Leid und Elend vieler Menschen in Teilen dieser Welt erkennt man auch, wenn er seine politischen Vorbilder nennt: Mahatma Gandhi, Konrad Adenauer, Nelson Mandela, Willy Brandt, Olof Palme, Martin Luther King, Ernesto „Che“ Guevara und Fidel Castro.

Letzteren bewunderte Hagemann – der kein Kommunist oder Sozialist, wohl aber Menschenfreund ist – für seine konsequente Haltung, sein Durchhaltevermögen und seine Prinzipien. Daher wollte Hagemann Castro auch zu seinem Geburtstag einladen. Klappte nicht. Absage. Der „Maximo Lider“ war krank. Aber mit Castros Außenminister konnte sich Hagemann intensiv unterhalten.

Was auch gut tat. Jedenfalls bilanziert Hagemann sein bisheriges Leben, wohlwissend, leicht spöttisch und augenzwinkernd: „Ich bin wohl ein verhinderter Revolutionär!“

Zumindest im privat-beruflichen Leben hat er dies bestätigt. Denn 1975 übernahm er auf Bitten oder Geheiß seines Vaters Heinrich den elterlichen Gasthof. Diesen „revolutionierte“ er und verwandelte ihn in ein irisch-britisches „public restaurant“ („Pub“), das unter dem Namen „Countryside“ überregionale Bedeutung erhielt.

Aber das ist seit mittlerweile einem Jahr erfolgreich verpachtet – und eine andere Geschichte . . .

Familientradition

Die Sippe der Hagemanns ist bereits seit dem Jahr 1230 in Hollenbek ansässig. Wie viele seiner Vorfahren auch die Geschicke des Dorfes im Lauf der Jahrhunderte bestimmten, ist nicht überliefert.

Wohl aber, dass Detlef Heinrich Hagemanns Vater Heinrich und auch Großvater Heinrich („bei uns heißen sie alle Heinrich“) gewählte Bürgermeister waren.

Opa Heinrich bekleidete das Dorfchef-Amt gleich nach dem Krieg einige Jahre, Detlefs Vater Heinrich von 1959 bis 1976. Außerdem war dieser von 1968 bis 1975 Amtsvorsteher Sterley, bzw.

Gudow-Sterley, von 1963 bis 1982 Kreistags- und von 1975 bis 1987 Landtagsabgeordneter – stets für die CDU.

Joachim Strunk

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