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Lauenburg „Ich habe das gern gemacht!“
Lokales Lauenburg „Ich habe das gern gemacht!“
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21:15 15.12.2017
Tatkräftig und wortgewandt: So kennen die Landwirte im Kreis Reinhard Jahnke. Ratlos macht ihn einzig die Hobby-Frage. Quelle: Foto: Baumm

Was macht denn so ein Vorsitzender des Kreisbauernverbandes überhaupt? Scheunenfeten ausrichten? Da muss Reinhard Jahnke nun doch schmunzeln: „Das nun mal überhaupt nicht“, stellt er klar und erklärt, dass der Kreisbauernverband die politische Interessenvertretung aller Landwirte sei. „Wir unterstützen unsere Mitglieder in allen rechtlichen und verwaltungstechnischen Sachen, zum Beispiel bei Bauvorhaben, Hofübergaben, Agraranträgen und Pachtverträgen.“ Und schon wieder blitzt Jahnkes Humor durch: „Der Verband ist sozusagen das Mädchen für alles.“

„Nebenbei kriegt man das nicht hin." Reinhard Jahnke (63), Landwirt aus Seedorf

Im Kreis Herzogtum Lauenburg sind etwa 75 Prozent der Landwirte im Verband organisiert. Das ist gut, findet Jahnke, den die meisten dieser Berufskollegen durch sein Amt kennen. Als Vorsitzender hatte er gut zu tun: „Ich war Ansprechpartner zum Beispiel für den Kreis, den Landrat, andere Verbände.“ Außerdem habe er viele Einladungen zu befolgen gehabt. Präsentation also? „Auch, aber längst nicht nur. Gerade bei Einladungen von anderen Verbänden geht es oft eher um inhaltliche Auseinandersetzungen.“ Und dann sind da noch zwei wesentliche Aufgabenbereiche: Als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes musste sich Jahnke immer wieder auch direkt der Diskussion mit „seinen“ Bauern stellen, sei es in Sachen Milchpolitik, Mindestlohn oder Düngeverordnung. „Nicht täglich, aber doch wöchentlich habe ich solche Diskussionen geführt.“

Und dann ist der Vorsitzende auch noch Vertreter seines Verbandes auf Landesebene. Der Landesbauernverband sitzt in Rendsburg. „Der Weg von uns dorthin ist lang. Da war ich dann immer von morgens bis abends unterwegs.“

Ein zeitintensives Amt, dieser Vorsitz. „Ja“, sagt Jahnke knapp, „nebenbei kriegt man das nicht hin.“ Als Landwirt habe man sowieso immer viel zu tun, ein 12-Stunden-Arbeitstag sei an der Tagesordnung. „Das Büro ist dann nach Feierabend dran, außer vielleicht jetzt im Winter. Aber so ist das eben – das geht wohl allen Selbstständigen so.“ Neben Land- und Forstwirtschaft noch so ein Amt auszuüben: Das sei, wie der Seedorfer hervorhebt, „nur zu wuppen, wenn die ganze Familie und die Mitarbeiter mitziehen“.

Und trotzdem: „Ich habe das gern gemacht“, sagt er, „anders wäre es gar nicht gegangen.“ Rein vom Gefühl und der Lust an der Arbeit hätte er den Vorsitz gern noch weitere zwei Jahre übernommen. Das aber stand nicht zur Debatte: Die Satzung des Kreisbauernverbandes sieht vor, dass nicht gewählt werden darf, wer noch vor der Wahl das 63. Lebensjahr erreicht hat. Jahnke hat vor wenigen Tagen seinen 63. gefeiert. Und nun, meint er, ist es auch gut so, wie es ist. Selbst die zwei Jahre hätten letztlich nichts gebracht. Der Vorsitzende wird für fünf Jahre gewählt, Jahnke findet die Altersgrenze ganz vernünftig. „Dann stehst Du nachher da mit Deinen 68 Jahren als alter Daddy, auch wenn Du Dich nicht alt fühlst.“

Alt sieht er nicht aus, der studierte Landwirt. Trotzdem zieht er sich langsam aus dem Tagesgeschäft zurück, der Sohn wird den Hof übernehmen. Das findet Jahnke gut so – die Frage, warum ein junger Mensch heute noch Landwirt werden sollte, erstaunt ihn eher. „Zunächst ist das ein unwahrscheinlich vielseitiger Beruf“, sagt er. Man habe viel mit der Natur, mit Pflanzen und Tieren zu tun.

„Und man sieht täglich, was man schafft und macht. Geht es überhaupt besser?“

Wenn er auch definitiv kein „alter Daddy“ ist – womit wird Reinhard Jahnke nun seine Freizeit füllen? Was hat er für Hobbys? Da muss er nun doch nachdenken. „Wir werden wohl endlich mehr reisen.“ Und sonst? „Naja, ich bleibe ja der Landwirtschaft weiter verbunden, arbeite noch mit meinem Sohn.“ Das ist schön – gilt aber nicht als Hobby. Was ist mit der Jagd und dem Wald. „Das ist ja nun auch nicht Hobby“, findet Jahnke, „das ist ein Betriebszweig“. Und auch die Gemeindepolitik, die den drahtigen Mann reizt, gilt nicht als Hobby. Fest steht: Daran muss Reinhard Jahnke noch arbeiten. Und wenn sich nichts findet, hat seine Frau bestimmt Aufträge auf Lager, oder? Da muss er noch einmal lachen. „Unter Garantie“, sagt er.

NACHGEFRAGT

Landwirt ist ein Traumberuf!

Was hat Herr Jahnke als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes so richtig gut und perfekt gemacht?

Herr Jahnke ist ein super versierter Fachmann. Er diskutiert auf hohem Niveau, fachlich absolut fundiert und immer sehr gut im Thema.

Was werden Sie als neuer Vorsitzender des Kreisbauernverbandes richtig gut und anders machen?

Ich werde unseren Berufsstand genau so nach außen vertreten, wie er ist. Wir Landwirte haben oft das Problem, dass wir in der Defensive sind – da möchte ich uns herausführen. Außerdem ist Herr Jahnke Ackerbauer – ich möchte die Position der tierhaltenden Landwirte stärken.

Und was meinen Sie: Warum sollte heute noch ein junger Mensch, der klar bei Kopf ist, Landwirt werden?

Na, weil es ein Traumberuf ist! Wir bilden auf unserem Hof seit 30 Jahren Landwirte aus, haben immer alle Lehrstellen besetzt – und wer nicht von vornherein Spaß an dem Beruf hatte, hat ihn bei uns bekommen. Auch von meinen vier Kindern sind zwei Söhne Landwirte.

 Dorothea Baumm

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