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Lauenburg „Ich rate den Bürgern, sich der Konfrontation zu stellen“
Lokales Lauenburg „Ich rate den Bürgern, sich der Konfrontation zu stellen“
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20:15 09.01.2016
Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig in „ihrem“ Rathaus. Quelle: ge

Schwarzenbek. Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig ist gut ein Jahr in ihrem Amt. Haben sich ihre Erwartungen erfüllt? Sind die großen Herausforderungen zu schaffen? Wie hat sich das Ehepaar in Schwarzenbek eingelebt? Darüber sprachen die LN mit der Verwaltungschefin.

Lübecker Nachrichten: Sie sind jetzt gut ein Jahr Bürgermeisterin in Schwarzenbek. Haben Sie vermutet, dass es so anstrengend und zeitintensiv für Sie werden würde?

Ute Borchers-Seelig: Ja, weil ich als Kämmerin öfter meinen Vorgänger Frank Ruppert vertreten habe. Hinzu gekommen sind allerdings die Termine an den Wochenenden.

LN: Wie viele Arbeitsstunden sind es denn wöchentlich?

Borchers-Seelig: Ich führe keine Liste, aber ich schätze so 70 bis 80.

LN: Sie sind immer noch gleichzeitig Kämmerin. Ist das überhaupt zu schaffen, ohne an die körperlichen Grenzen zu kommen?

Borchers-Seelig: Ich habe die Aufgaben der Personalleitung inzwischen abgegeben. Ich würde gern mehr delegieren, aber es fehlt an Personal.

LN: Welches war beruflich Ihre größte Herausforderung im vergangenen Jahr?

Borchers-Seelig: Die Flüchtlinge. Die Arbeit dafür ist ja on top und war nicht voraussehbar. Wir möchten gern jemanden vom Bundesfreiwilligendienst einstellen, haben aber zurzeit keinen Mitarbeiter, der sich in das Thema einarbeiten und den Antrag stellen kann. Der Umbau der Realschule für Flüchtlinge, ein Wasserschaden in der Kita Kichererbse, alles zusätzliche Aufgaben. Ich merke, dass die Belastung auf die Stimmung meiner Mitarbeiter drückt und kann nicht immer mehr von ihnen fordern.

LN: Wie viele Flüchtlinge hat Schwarzenbek bisher aufgenommen?

Borchers-Seelig: Im vergangenen Jahr waren es 227. In diesem Jahr sollen 280 kommen. In den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes warten weitere 20000 Menschen, die verteilt werden müssen.

Dennoch: Schwarzenbek hat mehr als 16000 Einwohner. Der Anteil der Flüchtlinge beträgt knapp zwei Prozent. Das ist zumutbar.

LN: Bisher wurden 50 Wohnungen von der Stadt angemietet. Jetzt soll das Apartment-Hotel umgebaut und angemietet werden. Wird da schon gearbeitet?

Borchers-Seelig: Ja. Zurzeit werden im Erdgeschoss drei kleine Einheiten abgeteilt. Die Belegung im Obergeschoss wird behutsam in den nächsten Tagen beginnen.

LN: Es gibt einen Runden Tisch mit etwa 60 Ehrenamtlichen. Die Flüchtlingsbetreuer brauchen langen Atem. Sind schon einige wieder abgesprungen?

Borchers-Seelig: Ja und das ist ja auch ganz normal. Wie in einem Sportverein stellt man erst nach einiger Zeit fest, ob das Angebot einem zusagt. Der Runde Tisch hat viele engagierte Leute, die das Beste für die Flüchtlinge wollen. Manche Forderungen sind aber seitens der Verwaltung nicht leistbar oder haben rechtliche Grenzen. So ist zum Beispiel eine nächtliche Betreuung nicht möglich. Und wenn jemand krank ist, muss er allein in der Lage sein, den Notdienst zu rufen. Im Apartment-Hotel wird es einen mehrsprachigen Hausmeister und tagsüber eine Betreuung der Arbeiterwohlfahrt geben, um Konflikten vorzubeugen. Wir alle brauchen Geduld.

LN: Nicht alle Bürger sind Flüchtlingen gegenüber freundlich gesinnt, weil sie einfach Sorge haben, dass sich die Bundeskanzlerin mit ihrem „Wir schaffen das“ übernommen hat. Hören Sie von negativen Tendenzen in Schwarzenbek?

Borchers-Seelig: Ja, vereinzelt kommen Bürger. Das hat ganz viel mit Angst vor dem Unbekannten zu tun. Diesen Bürgern kann ich nur raten, sich der Konfrontation zu stellen und die Flüchtlinge kennen zu lernen. So werden Barrieren ganz schnell abgebaut.

LN: Gab es in Ihrem ersten Jahr Projekte, die Spaß machten und Ihnen Kraft gaben, auch weiterhin positiv nach vorn zu blicken?

Borchers-Seelig: Ja, einige. Politik und Verwaltung haben inzwischen dasselbe Ziel. Einmal gefasste Beschlüsse haben Bestand. Die Zusammenarbeit ist gut. Bei der LMT Group gibt es die erste betriebsnahe Kita. Das stärkt den Standort. Die Lebensgemeinschaft Gut Lanken hat das alte Amtsgericht bezogen und eine neue Einrichtung in der Röntgenstraße eingeweiht. Meine Sprechstunde wird gut genutzt. Bürger kommen mit Ideen und zeigen Interesse an einer guten Entwicklung der Stadt.

LN: Der Bahnhof in Schwarzenbek ist ein eher unfreundliches Thema. Wird es in diesem Jahr Maßnahmen geben, damit es dort angenehmer für die Reisenden wird?

Borchers-Seelig: Ich hoffe. Man braucht sehr viel Geduld, weil es bei der Bahn AG so viele Ansprechpartner gibt und die Anliegen gern weiter geschoben werden. Ich bin froh, dass wir jetzt an einem Konzept für eine Bike+Ride-Anlage arbeiten. 2017 soll es neue Fahrstühle geben. Der Eigentümer des Gebäudes will uns in Kürze seine Pläne darlegen.

LN: Im vergangenen Jahr war das große Verbrüderungstreffen in Schwarzenbek. Gab es Einigkeit darüber, die Freundschaft unter den beteiligten Städten weiter zu pflegen?

Borchers-Seelig: Ja,darüber hinaus sollen die Kontakte unter den Jugendlichen noch intensiviert werden. Darüber waren sich die Bürgermeister aller fünf Partnerstädte einig.

LN: Konsolidierungszwang, Flüchtlinge, kaum Spielraum für die Verwaltung. Würden Sie noch einmal kandidieren?

Borchers-Seelig: Ja, das habe ich den Bürgern in meinem Wahlkampf versprochen. Ich gehe täglich mit Freude ins Büro, habe ein tolles Team und sehe die anstehenden Themen als Herausforderungen, nicht als Probleme.

LN: Und was sagt Ihr Mann? Bedauert er den Umzug nach Schwarzenbek, da er ja sehr viel Zeit allein verbringen muss?

Borchers-Seelig: Auch mein Mann fühlt sich in Schwarzenbek sehr wohl. Er hält den Kontakt zu unseren vier Töchtern. Wir haben uns gut eingelebt, auch deshalb, weil wir nette Nachbarn haben.

Interview: Silke Geercken

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