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Lauenburg „ Ich stehe zum DRK und bin niemandem böse“
Lokales Lauenburg „ Ich stehe zum DRK und bin niemandem böse“
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22:25 02.11.2013

Lübecker Nachrichten: Sind Sie noch Mitglied im DRK?

Martin Turowski (lacht): Ja, ganz klar!

LN: Also die Brücken sind nicht völlig abgebrochen?

Turowski: Ich bin überzeugter Rotkreuzler. Ich stehe zum DRK und bin auch niemandem böse.

LN: Wie haben Sie das damals empfunden, als der Kreis Sie und den DRK-Kreisvorsitzenden wegen Betrugsverdachts anzeigte?

Turowski: Ich war erstaunt, auf welche Art und Weise versucht wurde, der Sache nachzugehen, ohne vorher noch einmal nach den Hintergründen zu fragen. Das war damals die chaotische Sitzung des Innenausschusses in Elmenhorst. Als ich ein, zwei Politiker hinterher fragte, ob sie wüssten, was sie beschlossen hätten, lauteten die Antworten, dass sie nicht sicher seien. Mir war der Beschluss in diesem Moment selber nicht klar.

LN: Wie war das dann mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft?

Turowski: Davon habe ich so gut wie gar nichts mitbekommen. Dann wurden beim Kreisverband einige Akten mitgenommen. Bei mir Zuhause waren die Ermittler auch, aber da gab es keinerlei DRK-Unterlagen.

LN: War das eine Art Schock, plötzlich im Mittelpunkt staatsanwaltlicher Ermittlungen zu stehen?

Turowski: Das war ein komisches und beklemmendes Gefühl. Es gab ja interne Rechenfehler, und es gab die Unregelmäßigkeit mit den Beamerrechnungen. Dass man diesem nachgehen musste, war völlig klar. Nur die Art und Weise war meiner Meinung nach nicht richtig.

LN: Fühlen Sie sich denn heute mitverantwortlich, für die Fehler die bei den Abrechnungen des Rettungsdienstes passiert sind?

Turowski: Ich bin Geschäftsführer gewesen, und der muss notfalls den Kopf hinhalten, auch für Fehler, die er nicht zu verantworten hat. Heute ist die Sache für mich erledigt.

LN: Der Kreis hat die Akte geschlossen. Gibt es für Sie noch offene Rechnungen mit dem DRK? Vielleicht arbeitsrechtlicher Art?

Turowski: Nein, das ist alles geklärt. Ich denke, es ist für beide Seiten eine akzeptable Lösung gefunden worden.

LN: Sind da Punkte, bei denen Sie sich sagen: Da hätte ich etwas anders machen müssen bei der Arbeit als Kreisgeschäftsführer?

Turowski: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Und ich sage auch, dass die Struktur beim DRK suboptimal war. Mit meinem jetzigen Wissen würde ich manches anders machen.

LN: Sie sind hier im Kreis und in Ratzeburg lange auch politisch tätig gewesen. Gibt es oder wird es eine Fortsetzung dieses Engagements geben?

Turowski: Also, mich juckts in den Fingern . . .

LN: . . . Sie sind aber aus der FDP ausgetreten.

Turowski: Das stimmt. Weil ich nicht länger in einer Partei sein wollte, die — ohne ein Wort mit mir zu sprechen — die Anzeige mittrug.

LN: Also keine inhaltlichen politische, sondern persönliche Gründe. Oder kam da noch etwas dazu?

Turowski: Ich bin mit der FDP insgesamt unzufrieden gewesen. Aber ich bin ein liberal denkender Mensch, und deshalb steht die FDP mir sehr nahe. Aus beruflichen und privaten Gründen kommt ein politisches Engagement im Moment aber nicht in Frage.

LN: Ist die AfD für Sie eine Option?

Turowski: Nein. Ich bin nicht mit allem einverstanden, was in Brüssel gemacht wird, aber ich glaube schon, es ist wichtig, dass wir ein gutes, starkes Europa haben. Und vom Euro profitieren gerade wir Deutschen am meisten.

LN: Was machen Sie jetzt beruflich?

Turowski: Ich habe mich als zertifizierten Coach ausbilden lassen und nutze meine vielfältigen beruflichen Erfahrungen. Bei einem bundesweit tätigen Institut beschäftige ich mich vorwiegend mit Organisations-, Team- und Personalentwicklung. Diese erfüllende Tätigkeit ist auch mit dafür verantwortlich, dass ich nicht mit Groll zurückblicke, sondern wieder optimistisch in die Zukunft schaue.

LN: Und privat?

Turowski: Ich lebe weiter im Kreis Herzogtum Lauenburg in Ziethen mit meinen beiden Kindern. Aktiv bin ich hier weiterhin beim Burgtheater Ratzeburg, wo ich als Gesellschafter wieder stark in die administrativen, kaufmännischen und organisatorischen Abläufe eingebunden bin. Ehrenamtlich engagiere ich mich bei einem Service-Club.

In der Öffentlichkeit über viele Jahre vielfach präsent
Agil und präsent — das war Martin Turowski über viele Jahre in der lauenburgischen Öffentlichkeit. Der 40-Jährige war vor allem bekannt als Rettungsdienstleiter und Kreisgeschäftsführer des DRK, als Gesellschafter des Ratzeburger Burgtheaters sowie als FDP-Kommunalpolitiker. Unter anderem hatte er einen Sitz in der Stadtvertretung der Kreisstadt, und er kandidierte auch für den Landtag von Schleswig-Holstein. Seine beruflichen Qualifizierungen gibt er außerdem mit Betriebswirt, Pädagoge, Controller, Organisationsentwickler, Systemischer Personal und Business Coach sowie Mediator an. Turowski hat einen Sohn und eine Tochter.

Interview: Martin Stein

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