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Im engagierten Unruhestand

Labenz Im engagierten Unruhestand

Hilfe zur Selbsthilfe geben: Das ist das Ziel der Hilfsprojekte, bei denen sich Ulla Redecker und Götz Salisch engagiert. Gerade ist das Labenzer Ehepaar wieder für zwei Wochen in Ungarn. Nicht lang schnacken: Unter der Devise packen die Eheleute beim Bau von Häusern tatkräftig mit an.

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Was Ulla Redecker und Götz Salisch (Mitte) leisten, ist kein wohlmeinendes Gutmenschen-Tun, sondern handfeste Hilfe zur Selbsthilfe und ein Knochenjob.

Labenz. Irgendwie klingt es schon ein bisschen irre. Da haben zwei ein Leben lang gearbeitet. Haben bei guter Gesundheit das Rentenalter erreicht. Jetzt beginnt das gute Leben, möchte man meinen. Mit Blumengarten, Bingo und ähnlich Betulichem. Möchte man meinen. Soll jeder halten, wie er mag, meinen Ulla Redecker und Götz Salisch. „Für uns ist das nichts.“

LN-Bild

Hilfe zur Selbsthilfe geben: Das ist das Ziel der Hilfsprojekte, bei denen sich Ulla Redecker und Götz Salisch engagiert. Gerade ist das Labenzer Ehepaar wieder für zwei Wochen in Ungarn. Nicht lang schnacken: Unter der Devise packen die Eheleute beim Bau von Häusern tatkräftig mit an.

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Die Eheleute lehnen sich beim Reden gern vor, suchen den direkten Blickkontakt. So sind sie: direkt. Zielstrebig. Und zupackend. „Wir sind Atomkraftgegner“, erzählt Götz Salisch. Immer wieder seien sie los, hätten demonstriert. Aber da war dieses nagende Gefühl, nicht wirklich etwas zu bewirken. Und so war es fast aufrüttelnd, als sie, 2011 war das, bei der Demo gegen Krümmel in Geesthacht auf Dietrich von Bodelschwingh stießen. „Der war mir aus dem Studium bekannt“, erzählt Ulla Redecker. Er berichtete von der Heimstätte Dünne, deren Geschäftsführer er ist. Nannte das Motto: „Gemeinsam bauen, sozial, ökologisch“. Erzählte von den Hilfsprojekten. Sagte: „Kommt und seht.“

Redecker, ehemals Sozialarbeiterin, und Salisch, ehemals Sozialpädagoge, kamen. Sahen. Fingen Feuer. Endlich konnten sie aktiv werden, etwas bewirken.

Montag sind sie wieder losgefahren nach Ungarn. Da waren sie schon einmal mit der „Heimstätte Dünne“, im vergangenen Jahr, im Dorf Felsödobsza im Nordosten, dem früheren Industriegebiet des Landes.

Die Menschen dort leiden unter der Massen-Arbeitslosigkeit, besonders aber die dort seit langem sesshaft lebenden etwa 300 Roma. Sie bilden in dem 1000-Seelen-Dorf eine Randgruppe: „Sie werden diskriminiert“, bringt Redecker es auf den Punkt. „Die Roma dort leben in Hütten, die jeden Moment zusammenkrachen können. Sanitäre Anlagen und fließendes Wasser haben sie auch nicht.“ „Gemeinsames, handwerkliches Bauen baut auf, fördert den Einzelnen, stärkt die Gruppe“: Und so klettern auch Redecker und Salisch auf Leitern und Dächer, helfen Dächer zu Decken, Wände zu isolieren. Wohlgemerkt:

Ulla Redecker ist immerhin 73 Jahre alt, Götz Salisch 76 – es ist eher ungewöhnlich, dass Menschen ihrer Jahrgänge den Handlanger auf dem Bau geben. Im Ausland, unter erschwerten Bedingungen, für wildfremde Menschen. Und dafür auch noch eigenes Geld in die Hand nehmen: Die Anreise zahlen die Labenzer selbst. Nach Ungarn. Nach Palästina, wo sie 2014 gearbeitet haben. Nach Tschernobyl, wo sie 2013 ihren ersten Dünne-Einsatz hatten.

Anpacken, helfen: Bei Ulla Redecker und Götz Salisch erhält der berühmte Obama-Ausspruch „Yes, we can“ eine ganz neue, wunderbare Bedeutung.

Soziales Bauen und aktuelle Selbsthilfe-Programme

Mit dem Namen „Heimstätte Dünne“ verbindet sich das soziale Bauen, das durch handwerkliche Selbsthilfe und gemeinsames Tun „aufbaut“.

Gegründet wurde die Heimstätte 1907 als ev. Bau- und Siedlungsgesellschaft. Auslöser für erstes Handeln in Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg die Wirtschaftskrise.

Aktuell geht es um Selbsthilfe-Bauprogramme in Ungarn und im mit palästinensischen Partnern besetzten Westjordangebiet.

Von Dorothea Baumm

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